Lufthansa-Finanzchefin Menne"Sprecht aus, was ihr wollt"

Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne erklärt, wie Frauen Karriere machen – und wie der Konzern aus der Krise kommt. von 

DIE ZEIT: Wie sind Sie zur Lufthansa gekommen?

Simone Menne: Über eine Bewerbung auf eine Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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ZEIT: Was hat Sie am Fliegen fasziniert?

Menne: Die Internationalität. Ich hatte mein Leben bis nach dem Studium in Kiel verbracht. Lufthansa war für mich das Tor zur Welt.

ZEIT: Schüleraustausch, Auslandsstudium, das waren für Sie keine Optionen?

Menne: Ich war als Studentin mal für kurze Zeit in Frankreich, mehr war nicht üblich damals.

ZEIT: Waren Sie eine gute Schülerin?

Menne: Nicht so gut, wie sich das Eltern wünschen. Mein Vater hat mal gesagt: Wenn man mit so wenig Aufwand das Abitur machen kann, ist das Abitur nichts wert.

ZEIT: Sie waren schon immer effizient...

Menne: Damals war der Leistungsdruck nicht so groß wie heute.

ZEIT: Was haben Sie mit der freien Zeit angefangen?

Menne: Volleyball gespielt, viel gelesen, mit Freunden ausgegangen.

ZEIT: Interessierten Sie sich schon damals vor allem für Finanzen?

Menne: Ich habe mich für vieles interessiert. Ich hatte Deutsch und Französisch als Leistungskurse. Nach dem Abitur habe ich aber beim Steuerberater gelernt, dann Betriebswirtschaft studiert.

ZEIT: Warum das?

Menne: Meine Mutter hat auch beim Steuerberater eine Lehre gemacht. Daher kannte ich den Beruf und dachte: Auf der Basis kann man immer weiter lernen.

ZEIT: Eine Entscheidung der Vernunft.

Menne: Ich wollte eigentlich Fotografie lernen oder Goldschmied. Aber mein Vater sagte: Kind, mach was Vernünftiges. Kunst kannst du als Hobby machen, aber leben kann man kaum davon. So entschied ich mich, und ich glaube noch heute, mein Vater hatte recht.

ZEIT: Üben Sie Ihre alten Hobbys noch aus?

Menne: Wenn ich mich entspanne, male ich gerne.

ZEIT: Hat die Lufthansa, Ihr Tor zu Welt, Ihre Erwartungen erfüllt?

Menne: Ja. Ich habe in der Revision angefangen, bin viel gereist und bekam viel zu sehen. Danach bin ich ins Ausland. Man darf eben nicht warten, bis jemand kommt und sagt: Frau Menne, jetzt machen Sie doch bitte das. Aber wenn man sich meldet und sagt: Das interessiert mich, dann hat man riesige Chancen.

ZEIT: Ausland hieß Nigeria. Ein harter Posten.

Menne: Eine Chance für junge Kollegen, die sagen: Ich möchte was Spannendes machen.

Leserkommentare
    • GeWesen
    • 28. Dezember 2012 17:52 Uhr

    Dass der allmächtige AR Weber nun Frau Menne als Finanzvorstand aussuchen mußte, zeigt eigentlich nur wie unattraktiv die Lufthansa inzwischen für fähige Manager geworden ist. Wieviele sind schon davongelaufen?!

    Frau Menne als Karriere-Frau herauszustellen, halte ich für eher gewagt.
    Ihr drittes Fehlprojekt wird der Konzern wohl nicht mehr mit einem blauen Auge überleben. Inzwischen geht es in der Luftfahrt schon um mehr als das Tafelsilber...

    3 Leserempfehlungen
  1. http://www.ftd.de/unterne...

    Klassische Karrierefrau, die außer der Karriere nicht viel hat. Ein weiblicher Manager halt.
    Ist es das was die Frauen wollen? Können sie gern haben, es wird aber nicht vielen / vielen nicht gefallen.

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  2. Mein Vater hat fast 40 Jahre lang für Lufthansa gearbeitet, ich durfte fast zehn Jahre für die Kranich-Airline arbeiten.
    Vor rund 20 Jahren war ich dabei, als der größte deutsche Luftfahrtkonzern das Experiment Lufthansa Express versuchte – ein Schritt, der der aktuellen Strategie nicht ganz unähnlich war.
    Dabei sollte allerdings – im Gegensatz zu heute – die Marke Lufthansa erhalten werden.
    Nach dem Interview mit Frau Menne frage ich mich, ob sie einen Bezug zu der Marke Lufthansa und ihre Werte hat.

  3. Ich habe mit Frauen bis jetzt nur durchweg sehr gute Erfahrungen gemacht.

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  4. Guter Satz.
    Meistens hört man immer nur was sie nicht wollen. ^^

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  5. Simone Menne, ledig, kinderlos. Es ist schade und beängstigend, wenn sich unsere Kinder – Mädchen – solcherart erfolgreiche Frauen zum Vorbild wählen sollen. Ich finde es eher traurig, fast schon ein vergeudetes Leben. aj

    Zum Thema Familie im Interview: „Familie? Sie bringen die Familienidentität der Lufthansa ganz schön durcheinander ... Menne: Die Familie ist weiter vorhanden. ZEIT: Können Sie sich überhaupt vorstellen, Ihre Familie zu verlassen? Menne: Momentan nicht.“ Wird da nicht etwas verwechselt?

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  6. sprech ich mal aus, was ich will:

    Bin 55, Mutter von 4 Kindern, Tochter von pflegebedürftigen Eltern, 25 Jahre Berufserfahrung und such einen Job, der meiner Qualifikation entspricht...

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    • wwhoax
    • 29. Dezember 2012 7:11 Uhr

    Wo genau ist denn nun der Unterschied zwischen Karrierefrauen und Karrieremännern. Da muss ich wohl dann zwischen den Zeilen lesen. Oder muss ich es so sehen: Frauen die Karriere machen wollen, müssen ebenso Vielredner ohne Substanz sein, wie ihre männlichen Kollegen? Hinzu kommen muss natürlich die Begeisterung zum Schachspielen.

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    Eine Bekannte v. mir hatte schon vor Jahren die LH verlassen, weil es dort auch üblich war, einen wer-verläßt-den-Arbeitsplatz-abends-als -letzter Wettbewerb zu veranstalten.

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