DIE ZEIT: Auf dem Kunstmarkt sind Sie keine Unbekannte, in der Öffentlichkeit stand bisher aber vor allem Ihr Mann. Sind Sie darüber manchmal traurig?

Rosa Loy: Was haben Sie für Vorstellungen von Beziehungen? Ich finde es schön, dass Neo diesen riesigen Erfolg hat. Er ist schließlich mein Mann. Wir sind ein Paar und keine Feinde. Kämpfen Sie denn gegen Ihren Partner? Ich mache das jedenfalls nicht. Ich unterstütze ihn viel lieber. Genauso, wie er mir hilft. Das ist einfach selbstverständlich. Aber natürlich, das will ich nicht leugnen, sind wir in Leipzig alle in der Sonne von Neo.

ZEIT: Es gibt in Deutschland nicht viele erfolgreiche Künstlerpaare, dazu noch mit einem so ähnlichen Stil. Dennoch stellen Sie erst jetzt gemeinsam in Chemnitz aus. Wie kommt das?

Loy: Das ist ganz einfach. Ingrid Mössinger, die Direktorin der Chemnitzer Kunstsammlungen, hat uns gefragt – und wir haben sofort Ja gesagt. Einer Mössinger kann man nichts abschlagen. Ganz davon abgesehen, dass uns bisher in Deutschland niemand darum gebeten hatte. Manche Dinge brauchen eben ihre Zeit. Jetzt in diesem wunderbaren Museum ausstellen zu dürfen, das ist ein großes Geschenk. Noch dazu zu zweit – als Künstlerehepaar. Wir sollten das in Zukunft öfter machen. Es macht großen Spaß.

ZEIT: Das mit dem Spaß müssen Sie uns bitte erklären!

Wir teilen uns doch nicht nur das Bett miteinander, sondern obendrein unsere Gedanken und Emotionen
Rosa Loy

Loy: Es ist großartig, dass wir unser beider Arbeiten in dem Museum gemeinsam sehen können. Wir schauen auf die Bilder und zugleich uns an. Auf einmal ist eine andere Nähe da, eine besondere Intensität. Ich frage mich im Atelier manchmal: Wie macht Neo das nur, wie schafft er diese Vieldeutigkeit, diese vielen Bilder im Bild – und warum fällt mir so etwas nicht ein? Aber hier im Museum begegnen sich unsere Arbeiten neu. Und sie begegnen sich gleichberechtigt. Das zu erleben ist sehr wertvoll. Das stärkt mich auch.

ZEIT: Sie beide arbeiten seit 16 Jahren in der Spinnereistraße 7, in demselben Haus, nicht aber in einem gemeinsamen Atelier. Tür an Tür sozusagen. Wissen Sie eigentlich immer, was der andere gerade malt?

Loy: Ja, natürlich! Wir sind autark, gewiss, aber wir sind auch ein Ehepaar. Wir teilen uns doch nicht nur das Bett miteinander, sondern obendrein unsere Gedanken und Emotionen. Wenn ich mir nicht die Arbeiten von Neo anschauen würde, dann hieße das doch auch, dass ich mich nicht für meinen Mann interessiere! Wir sind beide neugierig aufeinander. Dennoch, bevor ich das Atelier von Neo betrete, klopfe ich an. So viel Rücksichtnahme muss sein. Das hat auch etwas mit gegenseitiger Achtung zu tun.

ZEIT: Kritisieren Sie einander gelegentlich?

Loy: Wer sich am nächsten ist oder am liebsten hat, der muss ganz vorsichtig sein mit Kritik. Weil man da oft ungehemmt ist; auch den anderen verletzt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, Kritik direkt einzufordern. Wir fragen also den anderen: »Kannst du mir bitte etwas dazu sagen?« Das Höchste der Gefühle ist ein Satz wie: »Darf ich dir bitte etwas sagen?« Wenn man sieht, dass dem anderen ein gravierender Fehler unterlaufen ist. Aber jeder weitere Satz wäre zu viel. Wenn mir Neo etwas zu meinen Bildern sagt, dann höre ich genau zu. Vielleicht hat er ja recht. Wir kritisieren aber nie emotional. Es geht uns nur um das Handwerk, nie um das Inhaltliche. Das ist Privatsache – ohne Diskussion.

ZEIT: Ihr Mann stellt sich in Chemnitz mit surrealen, bisweilen bedrohlich anmutenden Szenarien vor. Sie zeigen schlanke elegische Frauen, die in gewisser Weise Ihnen selbst ähnlich sehen. Hätten Sie sich ohne ihn anders entwickelt?

Loy: Ich denke nicht darüber nach. Es gibt in jeden Leben unterschiedliche Wege. Weichen werden gestellt, und Wege gehen nach rechts oder links. Bei mir ist die Geschichte eben so verlaufen, mit einem richtigen Happy End. Ich bin mit Neo verheiratet. Ich bin Rosa Loy und mit beidem sehr zufrieden. Und jetzt stellen wir beide hier in diesem wunderbaren Museum aus und sind sehr glücklich.