PauschalreisenDas geht zu weit

Von der Horrorfilmkreuzfahrt bis zur Pilgerreise de luxe – acht Touren, die wir in diesem Jahr nicht antreten konnten. von Andreas Mayer

Lachssafari in Norwegen: Die Fische sind noch etwas scheu.

Lachssafari in Norwegen: Die Fische sind noch etwas scheu.  |  © Helle Aasand/Mo Laksegard

Auge in Auge mit dem Lachs

Man könnte es für einen Schreibfehler halten. Unter einer Lachsafari lässt sich immerhin etwas vorstellen: eine Tour zu den tierischsten Witzbolden der Comedy-Szene etwa, vielleicht auch eine Reise über Schotterpisten zu den indischen Meistern des Lachyoga. Es ist aber kein Schreibfehler. Bei der Lachssafari im Westen Norwegens können Touristen sich vom Strom des Flusses Suldalslågen mitnehmen lassen und dabei den Fischen auf Augenhöhe begegnen. Taucherbrillen und Ganzkörperschwimmwesten in Signalfarben stellt der Veranstalter. Dass alle paar Wochen wieder eine Truppe knallroter Teletubbies durch die Straßen des Städtchens Sand in Richtung Fluss stapft, lässt die Lachssafari dann zumindest für Einheimische zur Lachsafari werden.

Jakobsweg für Überflieger

Warum nicht mal den Jakobsweg im Privatjet pilgern? Hapag Lloyd lädt zum Kreuzflug von Stuttgart nach Santiago, mit ausgewählten Stationen. Da sitzt man dann, das Champagnerglas in der Hand, den doppelt promovierten Kunsthistoriker an der Seite. Nur Mystiker kommen dem Himmel näher! Der Gedanke an das Geschehen unter den Wolken lässt den Reisenden milde lächeln: Da treten Menschen des 21. Jahrhunderts als anachronistische Wandersleute einander auf ihre wunden Füße. Leben für Wochen aus dem Rucksack und schlafen in schlichten Herbergen statt im Luxushotel. Nun gut, die finden sich selbst dabei und schreiben darüber ein Buch. Aber bis das fertig ist, unternimmt man selber schon seine nächste Reise. Vielleicht diesmal eine Gipfelbesteigung per Hubschrauber.

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Durchknallen gegen den Terror

Caliber 3 Company – ein weiterer Ego-Shooter für die Playstation zu Hause? Weit gefehlt, oder besser: verfehlt, denn hinter dem Namen verbirgt sich ein besonders bizarres Angebot für Touristen. Schauplatz: die israelische Siedlung Gush Etzion im Westjordanland. Gegen Gebühr erhält man hier ein volles Programm zum Thema israelischer Anti-Terror-Kampf, praktische Anteile inklusive. Nach einem Vortrag über Anti-Terrorismus-Strategien werden in einer Show die Kampf- und Schusstechniken der Ausbilder demonstriert. Bei der Schießlektion dürfen die Teilnehmer dann selbst an die Waffen. Selbst die Jüngsten, steht im Programm, sollten sich das nicht entgehen lassen. Familien oder Freunde können auf dem Schießplatz auch ihre Geburtstage feiern.

Wer das Ganze für Schwachsinn hält, übersieht den sinnstiftenden Überbau. Die Veranstalter verbinden nach eigenem Bekunden den Spaß am Schießen mit den Werten des Zionismus. Frühere Kopfschussverletzungen bei ihnen sind nicht auszuschließen.

Fliegen und brechen

Auch Mageninhalt, der wieder austritt, beschreibt zumindest teilweise den Verlauf einer Parabel. Es sei denn, die Gesetze der Schwerkraft sind außer Kraft gesetzt. Wer dies genauer untersuchen will, hat die Möglichkeit zum Selbstversuch. Ein eigens dafür gecharterter Flieger katapultiert zahlungskräftige Touristen direkt in die Schwerelosigkeit. Nach dem Aufstieg macht das Flugzeug einen Satz, erst steil nach oben, dann nach unten. Bei diesem sogenannten Parabelflug entsteht für eine knappe halbe Minute das Gefühl von Schwerelosigkeit – und Übelkeit. Statt Sekt gibt es darum zur Einstimmung auf die Reise einen Medikamentencocktail. Da aber pro Flug mehrere Parabeln geflogen werden, ist der Brechreiz oft stärker. Das brachte den Fliegern ihren Beinamen »Kotzbomber« ein.

In der Literatur steht das Wort Parabel auch für ein Gleichnis. Und liest man den Flugverlauf als Parabel, so spiegelt er das Leben tatsächlich verblüffend genau wider: Es geht mal aufwärts, mal abwärts. Mal schwebt man über den Wolken – und mal ist alles zum Kotzen.

Sonnenstich in Südamerika

Wer bei Erleuchtung dieser Tage an mehr als den Christbaumschmuck denkt, der war am 12. Dezember mit Oneness-Travel zur Sonnentoraktivierung in den Anden. Dort bot sich nach Auskunft der Agentur Gelegenheit, die eigene innere Sonne an einmalig starke spirituelle Kraftquellen zu koppeln, namentlich: die Zentralsonne, die »Sonne hinter der Sonne« und die goldene Sonnenscheibe, die laut Legende im Titicacasee liegt.

Reisen in die Region lohnen natürlich auch weiterhin. Man kann das heilige Portal suchen, das der Dalai Lama selbst am See erkannt haben soll. Oder nach Machu Picchu fahren und die Hüter der Ruinenstadt (Puma, Kondor, Vater Sonne und, nicht zu vergessen, die Lichtwesen) um Erlaubnis bitten, eintreten zu dürfen. Wer die Höhenluft scheut, den lädt der gleiche Veranstalter nach Moorea und Tahiti ein. Moorea ist gerade der Ort, um die göttlichen Engel zu erleben. Es trifft sich gut, dass die kosmischen Kräfte einen so exklusiven Geschmack beweisen. Was würde aus Oneness-Travel, wenn das nächste Sonnentor sich in Oberhausen auftäte?

Leserkommentare
  1. Köstlich inszeniert von Andreas Mayer, weiter so!
    Ich konnte mir das Grinsen fast nicht verkneifen.

    Zugleich aber auch erschreckend, mit was allem heutzutage Geld verdient werden will. Solche Veranstalter nennt man wohl (teilweise sogar unmoralische) Nutznießer?

    2 Leserempfehlungen

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