PersonenrätselLebensgeschichte

von Frauke Döhring

Ein früher Tod bringt lange Trauer, heißt es. Es sei denn, man glaubt ganz fest an ein Paradies im blauen Himmel, dann fließen nicht nur Tränen, dann darf auch gejubelt werden. So wie bei seiner Beerdigung: Tausende Menschen kondolierten dem aufgebahrten Leichnam, gaben danach der Urne das letzte Geleit – kein schwarzer, sondern ein erstaunlich farbenfroher Trauerzug. "Er wird weiterleben", davon waren viele der Trauergäste überzeugt, frei nach Shakespeare: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt. Oder anders gesagt: Wer die Augen im passenden Moment offen hält, kann schon mal eines dieser flüchtig-schönen Dinge sichten – und denkt dann vielleicht einen Moment auch an ihn.

Zu Lebzeiten hatte er viel Gutes bewirkt. Zum Beispiel, dass die fast vergessene Sprache der Ureinwohner seiner Heimat eine Renaissance erfuhr. Und er hatte seinen Landsleuten wunderbare Lieder geschenkt. Dabei war das Leben für ihn selbst nie leicht gewesen, im Kindesalter brach jene Erbkrankheit aus, die ihn zunehmend belasten sollte. Ihr war schon der ältere Bruder erlegen, mit dem er anfangs noch gemeinsam musiziert hatte. Und er, der zwei Jahre Jüngere, wusste, dass ihm das gleiche schwere Los drohte. Aber bis es so weit war, wollte er singen, spielen, das Publikum berühren.

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Berühmt wurden seine "Umsonst und Draußen"-Konzerte; zur Legende aber machte ihn ein einziges Lied, das um die Welt ging. Lange nach seinem Tod hörten es die Menschen in einem weit entfernten Land der Erde, verliebten sich in den Klang der Stimme, die Melodie, die Botschaft.

Jacques Brel, ein anderer großer Musikkünstler, hat einmal beschrieben, wie er sich seine Totenfeier wünsche, der Chansonnier Klaus Hoffmann übersetzte: "Ich will Gesang, will Spiel und Tanz, will, dass man sich wie toll vergnügt, wenn man mich untern Rasen pflügt…" Anzunehmen, dass er, der Sänger und Musiker, sich das ähnlich wünschte. Nur auf das Grab in der Erde mochte er verzichten. Wie es auf Inseln oft Brauch ist, streute man seine Asche in den Wind übers Meer. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 51:

Der aus Gelnhausen stammende Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen (1621/2 bis 1676) war Musketier im Dreißigjährigen Krieg, zuletzt Schultheiß in Renchen. Mit dem Zyklus um "Simplicius Simplicissimus" schrieb er ein Meisterwerk

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