Stimmt's?Wurde der römische Imperator Cäsar per Kaiserschnitt geboren?

...fragt Gerda Kuhfittig aus Jeddah. Christoph Drösser antwortet. von 

Der Kaiserschnitt heißt auf Lateinisch sectio caesarea, aber er ist nicht nach Cäsar benannt worden. Laut dem römischen Autor Plinius geht vielmehr der Name Cäsar darauf zurück, dass ein Vorfahr des berühmten Herrschers aus dem Bauch seiner Mutter geschnitten wurde. Das lateinische Verb caedere bedeutet nämlich »schneiden». Erst später wurde die Schnittoperation mit Cäsar selbst assoziiert, und dessen Name steckt auch im deutschen Wort »Kaiser«. Aber mit ziemlicher Sicherheit wurde der berühmte Cäsar nicht per Kaiserschnitt entbunden.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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Denn der Schnitt wurde in der römischen Zeit erstens sehr selten praktiziert, und zweitens war er eine absolute Notoperation, weil die Mutter im Allgemeinen bei diesem Eingriff starb. Man wandte die Prozedur nur an, wenn die Frau sich kurz vor der Niederkunft in Lebensgefahr befand und man wenigstens das Leben des Kindes retten wollte. Die ersten Kaiserschnitte, die auch die Mutter überlebte, wurden in Europa erst um das Jahr 1500 ausgeführt.

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Von Cäsars Mutter Aurelia aber ist bekannt, dass sie noch viele Jahre nach der Geburt des kleinen Imperators lebte und ihrem Sohn auch als Beraterin diente.

Stimmt's, Baby?

Diese und 99 andere Fragen rund ums Kinderkriegen werden in dem Buch Stimmt’s, Baby? von Christoph Drösser, Andrea Cross und dem stern-Cartoonisten Til Mette beantwortet, das gerade bei Rowohlt erschienen ist.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
    • Marobod
    • 01. Januar 2013 12:34 Uhr

    seltsam das Caesar "Cäsar" genannt wird, dabei wird er eben wie "Kaiser" gesprochen im guten alten Latein

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    im ebenso guten neueren Latein ist es in Gottes Namen anders.

    K Nr. 1 "Ich finde es immer noch seltsam das Caesar "Cäsar" genannt wird, dabei wird er eben wie "Kaiser" gesprochen im guten alten Latein."

    Gaius Julius Cäsar wird Cäsar genannt, weil Caesar/Cäsar sein Nachname war und Personen sehr häufig nur mit ihrem Nachnamen erwähnt werden (Cicero, Kant, Einstein etc. etc. etc.) That's it, schlicht und einfach .

    Wenn Gaius Julius Cäsar kurzerhand "Cäsar" genannt wird, hat das seinen Grund allein darin, dass er nun mal so hieß..

    "Cäsar" war zu Lebzeiten von Gaius Julius Cäsar noch kein Titel(bestandteil), sondern nur ein (Familien-)Name. Bis zum seinem Tode gab es so etwas wie einen Kaiser des Römischen Reiches (offiziell) noch gar nicht. Bis zu Cäsars Tod war das Römische Reich (mehr oder weniger noch) eine Republik.

    Dass der Nachname Cäsar sich zu einem Herrschertitel / Titelbestandteil entwickelte (> Kaiser, Zar) hat wesentlich damit zu tun, dass Cäsars Adoptivsohn Gaius Octavian infolge der Adoption und als testamentarischer Herrschaftsnachfolger den Namen Gaius Julius (Divi Filius) Cäsar (= Gaius, aus dem Geschlecht der Julier, Sohn des göttlichen/gottgewordenen Cäsar) führte, als erster Kaiser des Römischen Reiches angesehen wird (Kaiser Augustus) und es Tradition der nachfolgenden römischen Imperatoren (monarchischen Alleinherrschern) wurde, "Cäsar" als Bestandteil ihres Titels zu führen.

    Doch diese Entwicklung nach Cäsars Tod ist doch kein Grund, (Gaius Julius) Cäsar nicht so nennen / erwähnen wie er nun einmal hieß.

  1. im ebenso guten neueren Latein ist es in Gottes Namen anders.

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    • devise
    • 01. Januar 2013 18:29 Uhr

    Sehr schöne Wortspielerei!

    Divus Iulius eben ;-)

  2. ... "der römische Imperator Cäsar" sein/gewesen sein?

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  3. In der Gelehrtenwelt haben die Verzellchen des Enzyklopädisten Plinius des Älteren (+ Vesuv 79 n.Chr.) so manches etymologische Unheil angerichtet, besonders nachhaltig beim "Kaiserschnitt" des "Caesar Imperator" (doch, den Titel erhielt C. kurz vor seinem Tode - schreibt Sueton -, ihn übernahmen alle kaiserlichen Nachfolger). Der gallische Ritter aus Como hätte sich nur in der Geschichte der römischen Nobilität umsehen müssen. Die Julier, "das" Adelsgeschlecht Rom (weil von Venus abstammend!), führten das Cognomen C. schon 300 Jahre länger, seit den punischen Kriegen. Da im Lateinischen das Suffix -ar bei Personennamen nicht belegt ist, haben spätere Grammatiker (Servius, Aeneis-Komm.) an Außerrömisches gedacht: Der erste C. soll einen karthagischen Elefanten "Caesa" getötet haben (vor Hannibal verfügten schon Assyrer über indische Kriegselefanten). Stutzig macht jedoch, daß bereits Plautus um 200 v.Chr. den Begriff der "caesaries" kennt - und nach ihm alle Dichter bis Ovid. Gemeint ist damit eine buschige Haartracht, die gewiß nicht legion-like war. "Kesar" heißt in altindischen Epen ein Kriegerheros, der einen riesigen Elefanten namens "Kesar" erlegt habe. "Kesar" ist im Sanskrit aber auch der Safran, der in der Antike in Büschelform ein luxuriöses Bett abgab (Zeus!). Was spricht dagegen, den ältesten C. als "Wuschelkopf" anzusehen? Das wäre hoch pikant, weil doch in Rom der berühmte C. als kahlköpfiger Wüstling verspottet wurde, der sich in Lotterbetten herumtreibe.

    5 Leserempfehlungen
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    Ein sehr lehrreicher Kommentar und wesentlich inhaltsreicher als der Artikel selbst. Danke!

    • devise
    • 01. Januar 2013 18:29 Uhr

    Sehr schöne Wortspielerei!

    Divus Iulius eben ;-)

    Antwort auf " naja aber"
  4. 6. Danke

    Ein sehr lehrreicher Kommentar und wesentlich inhaltsreicher als der Artikel selbst. Danke!

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    Antwort auf "Caesaries"
  5. Tja, hätte es schon früh eine wirklich hinreichende textkritische Ausgabe dieses monumentalen 37-Bücher-Wälzers aus dem Jahre 77 n.Chr. gegeben - dann, ja dann hätte die Story von Cäsars Schnittentbindung gar nicht erst so die Runde gemacht (seit dem frühen Mittelalter). Daß C.s Mutter Aurelia den Bona-Dea-Sittenskandal um Schwiegertochter Pompeia losgetreten hat, muß dem Bücherwurm Plinius auch 120 Jahre später bekannt gewesen sein. Denn Plinius wußte natürlich auch, daß ein Kaiserschnitt von der Mutter nicht überlebt wurde: Er schreibt (NH VII,18, nach K. Mayhoff) "enecta parente", soll heißen: "die Mutter brachte das um", was "auspicatius", also verheißungsvoll für die Neugeborenen war. Und dann führt er auf, welche großen Leute der römischen Republik so zur Welt kamen, Scipio Africanus der Jüngere und der Karthago-Belagerer Manilius - und eben der Erste der "Caesaren". Als Plinius das schrieb, war das Julisch-Claudische Geschlecht mit Nero (einer Füße-zuerst-Steißgeburt!)katastrophal geendet. Plinius, diesen ältesten Wikipedomanen, muß man eben wie die heutige Wikipedia benutzen, im Sinne der sprichwörtlichen Igel in der Hochzeitsnacht: gaaanz vorsichtig! (Th. Mommsen hielt Pl. nicht zu Unrecht für einen "liederlichen Compilator"). Nicht nur die julischen "Caesaren" wurden von ihm "schnittentbunden", sondern auch die Fabier, Quinctier, Caesonier namens "Caeso" (griech. Kaiso). Die unkundige Nachwelt aber mißachtete den Kontext und stürzte sich auf den göttlichen Caesar.

    2 Leserempfehlungen
  6. Ich frage mich langsam wirklich, ob es nicht wichtigere Dinge gibt? Wen zum Teufel interessiert die Geburts- "art" von Ceasar??

    Mann, da müssen einige Leute echte Probleme haben!

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    so fühlt man sich auch?! Mitmenschliche Motive herauszubekommen, gehört gewiß zu den urmenschlichsten Zielen seit je und lohnt alle Anstrengungen der Recherche, Analyse, Bewertung. Sonst glauben Unkundige gar noch, der nette Herr "Kaiser" von der Hamburg-Mannheimer habe gynäkologisch-"ergonym" im Kreißsaal Hand angelegt. Das sollten auch Kommentatoren so stehen lassen, deren "Ergonym" geradewegs aus der Tonne der sauer eingelegten Schwarmintelligenz entnommen ist. "Hungerturm" haben die alten Kneipen-Berliner das Faß voller Rollmöpse genannt - und schon hat Wikipedia wieder einen Klops schräg gedreht. Viel älter als die Zuchthaustürme sind selbstverständlich die großen Heringsfässer im Kiez, aus denen sich zur Hunger treibenden Fastenzeit (Mittelalter!) auch die "gläubigen" Berliner bedient haben. Heutzutage ist auf den foristischen Spuren des wild "deszendierenden Waldmopses" (Loriot)lautlich wie auch von der Sache her eher der räsonierende "(T)Rollmops" unterwegs, der gern verbeißt, was sich nicht in seine enge Skatrunde fügt. Wenn das der Kaiser wüßte ...!

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  • Serie Stimmt's
  • Schlagworte Kaiserschnitt | Geburt | Julius Cäsar
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