Ein Zeppelin und andere Teilnehmer des Icarus Cup, einem Wettbewerb für alle möglichen Fluggeräte, über Südfrankreich im September 2009. © Jean Pierre Clatot/AFP/Getty Images

Was braucht der Mensch im Krisenfall? Die Antwort auf diese Frage bestimmt, was ein Land als »strategische Reserven« zurücklegt. Die deutschen Behörden etwa horten Erbsen, Linsen, Lang- und Rundkornreis. Die Chinesen lagern Schweinefleisch, gleich 600.000 Tonnen. Und was braucht die Wirtschaft im Krisenfall? Vor allem Erdöl, lautet die Antwort in den Industrieländern: Seit den Ölkrisen der siebziger Jahre sind strategische Reserven für den Bedarf von 90 Tagen Standard.

Aber wie sinnvoll ist das Horten wirklich? Man kann das Für und Wider gerade an einem etwas exotischen Fall betrachten, dem Edelgas Helium. Die USA lagern tief unter der Erde von Texas, Oklahoma und Kansas eine strategische Heliumreserve – wegen der Zeppeline. Nach dem Ersten Weltkrieg war die US-Regierung überzeugt, dass der nächste Krieg mit den trägen Luftschiffen entschieden werden würde. Aber es war schon 1960, vor dem Hintergrund des Kalten Krieges, als der Kongress die Federal Helium Reserve schuf, eine riesige strategische Reserve des Rohstoffs in unterirdischen Gesteinsformationen.

Zeppeline fliegen längst nicht mehr; aber der Rohstoff wird heute bei der Produktion von Handys, Computern und Plasmabildschirmen eingesetzt. Die industrielle Heliumnachfrage übersteigt bei Weitem den Bedarf staatlicher Stellen. Und was macht die Regierung jetzt mit ihren Reserven?

Es zeigte sich: Das Auflösen strategischer Reserven kann große wirtschaftliche Tücken haben. 1996 wies die republikanische Mehrheit im Kongress die Regierung an, ihr Helium bis 2014 zu verkaufen. Die Preise sollten so festgelegt werden, dass die Einnahmen die bisher entstandenen Kosten des Programms decken. Diese künstliche Preisformel sei aber Blödsinn gewesen, sagen Wissenschaftler heute. Als Folge wurde insgesamt weniger Helium angeboten, und der Preis des Rohstoffs stieg in den vergangenen zehn Jahren um fast das Dreifache.

Nun verkauft die Regierung das Gas zu Ramschpreisen: 2,70 Dollar kostete 2011 der Kubikmeter beim Staat, fast 6 Dollar bei privaten Produzenten.

Die Niedrigpreise wiederum »führen zu fehlerhaften Marktsignalen«, sagt die Ökonomin Janie Chermak von der University of New Mexico. So verzichteten private Produzenten darauf, neue Anlagen zu errichten oder frische Quellen zu erschließen – mit den Regierungspreisen könnten sie ohnehin nicht konkurrieren. Die US-Regierung bedient heute fast ein Drittel des weltweiten Heliummarktes. Für die Abnehmer gibt es keinen Anreiz, den Rohstoff sparsam einzusetzen oder zu recyceln, was technisch möglich wäre.

Demokraten und Republikaner scheinen den Unsinn nun eingesehen zu haben: Sie planen, die Existenz der Federal Helium Reserve zwar über das Jahr 2014 hinaus zu sichern und weiter Gas zu verkaufen. Allerdings nur noch zu Marktpreisen.