Fiscal CliffÜber den Rand?

Amerika könnte wieder mal eine Weltwirtschaftskrise auslösen. von 

Vielleicht geht die amerikanische Wirtschaft jetzt über die Klippe. Fiscal cliff wird jene Kombination aus Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen genannt, die in den USA zum Jahresbeginn ganz automatisch in Kraft tritt – sollten Präsident Obama und die Republikaner vorher keinen Kompromiss zum Haushalt finden. Der Wirtschaft würden auf einen Schlag über 500 Milliarden Dollar entzogen. Das Bruttoinlandsprodukt könnte um bis zu fünf Prozent schrumpfen – Dimensionen wie in Griechenland. Dann merken es ohne Zweifel auch Europa und der Rest der Welt. Die OECD und der Internationale Währungsfonds haben einen globalen Wirtschaftsschock und eine weltweite Rezession mit Finanzmarktturbulenzen vorausgesagt.

Erst die gute Nachricht: Die fiscal cliff ist so gefährlich, dass keine Partei in Washington es sich leisten kann, vor Neujahr ohne Einigung auseinanderzugehen. Die schlechte Nachricht: Die US-Konjunktur gerät so oder so ins Schlingern. Erste Bremsspuren sind schon jetzt erkennbar: Viele Unternehmen haben ihre Prognosen für 2013 zurückgenommen – und planen, weniger Mitarbeiter einzustellen und weniger zu investieren.

Anzeige

Denn selbst ein in letzter Minute gefundener Kompromiss auf dem Capitol Hill würde die Wirtschaft belasten. Das US-Haushaltsloch und die Schuldenlast sind harte ökonomische Wirklichkeit, und sie müssen auch ohne den Sprung über die Klippe angegangen werden. Sprich: Sparen und Steuern erhöhen müssen die Amerikaner sowieso.

Für Europa bedeutet das ausgerechnet jetzt einen gefährlichen Gegenwind. Die amerikanische, die europäische und die chinesische Wirtschaft haben im Augenblick jede für sich ernste Probleme. Keine ist stark genug, um die Wachstumslokomotive für alle anderen zu spielen; ein ökonomischer Rückschlag bei einem Partner trifft die anderen gerade besonders schwer.

Es kommt allerdings jetzt sehr darauf an, wie genau ein Kompromiss in Washington zustande kommt. Kommt es erneut zu einem bitteren Finale und kurzfristigen Aufschüben statt wirklicher Entscheidungen – wie beim Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze im vergangenen Jahr –, droht ein langfristiger Schaden. Dann hätten die USA zweimal in Folge politische Unfähigkeit vorgeführt, die fiskalpolitischen Probleme des Landes anzugehen, es wäre deprimierend auf Jahre hinaus. Eine vernünftige Einigung aber könnte sogar eine Wende zum Besseren auslösen.

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Schlagworte USA | Wirtschaftskrise
    Service