Um Schotter für Straßenbauarbeiten herzustellen, hat eine Baufirma in Belize eine der größten Maya-Pyramiden des Landes zu weiten Teilen zerstört. Die Steine der Pyramide Noh Mul im Norden des mittelamerikanischen Landes nutzten sie, um eine Straße in der nahe gelegen Ortschaft Douglas aufzufüllen, wie der Fernsehsender Channel 7 berichtete. Nur noch ein kleiner Teil der Anlage sei übrig. Wie belizische Behörden mitteilten, wurde die Zerstörung des 2.300 Jahre alten Komplexes Ende vergangener Woche entdeckt.

Unkenntnis oder ein Missverständnis schloss der Leiter des staatlichen Archäologischen Instituts, Jaime Awe, aus. Die Bauarbeiter hätten gewusst, dass es sich um historische Strukturen gehandelt habe. "Das ist ein Gefühl von Fassungslosigkeit angesichts dieser Ignoranz und Gefühllosigkeit", sagte er und fügte hinzu: "Es fühlt sich an, als hätte Dir jemand in den Magen geboxt." Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Nach Angaben von Channel 7 schlugen die Bauarbeiter mit schwerem Gerät die Steine aus der Anlage. Die Bagger hätten so tief in das Gebäude hineingegraben, dass die Reste beim nächsten Regen einstürzen könnten, befürchten die Wissenschaftler.

Der Tempel wurde nach Angaben des Instituts für Archäologie etwa im Jahr 250 vor Christus errichtet. Er habe wahrscheinlich im Zentrum einer historischen Siedlung gestanden.

Institutsleiter Awe kündigte rechtliche Schritte gegen das Bauunternehmen und den Grundstücksbesitzer an. In Belize sei die Zerstörung präkolumbischer Artefakte grundsätzlich verboten. Die Baufirma soll einem Lokalpolitiker aus der Region gehören. Er habe nichts von den Arbeiten gewusst, sagte der Mann Channel 7.