Wer durch Karlsruhe geht, wundert sich vielleicht über die großen Kästen, die an manchen öffentlichen Orten aufgestellt sind. Sie sehen ein wenig aus wie überdimensionierte Briefkästen. Anders als Briefkästen lassen sie sich aber von jedermann öffnen, und was man darin findet, sind gebrauchte Gegenstände wie DVDs, Spielzeug, Geschirr und Bücher.

Bei den Kästen handelt es sich um sogenannte Giveboxen, und sie funktionieren so: Wer etwas besitzt, das er nicht mehr braucht, legt es in so eine Box, und wer etwas aus der Box gebrauchen kann, nimmt es sich. Besonders für Kleinzeug wie Schreibutensilien oder Schlüsselanhänger ist das praktisch, denn solche Dinge im Internet oder der Zeitung zu inserieren, lohnt sich nicht.

Giveboxen gibt es nicht nur in Karlsruhe, sondern auch in anderen deutschen Städten wie Berlin, Düsseldorf und Essen. Typischerweise in der Form von begehbaren Schränken. Die Idee, auch in Karlsruhe eine Givebox aufzustellen, kam mir nach einem Auslandsaufenthalt: Ich stellte fest, dass ich viele Dinge angesammelt hatte, ohne sie zu nutzen. Ich wollte sie aber nicht einfach wegwerfen, sondern sinnvoll weitergeben.

Auf der Suche nach Werkzeug und Mitstreitern stieß ich im November 2012 auf den Karlsruher Umsonst-Flohmarkt. Ich erzählte den Organisatoren von meiner Idee und fand so auf Anhieb eine Gruppe von fünf Menschen für den Bau der Boxen.

Zuerst wollte ich die Givebox ganz offiziell von der Stadt genehmigen lassen. Auf einen Brief an die Stadtverwaltung habe ich aber bis heute keine Antwort erhalten. Wir haben dann eine recht kleine und unauffällige Box gebaut und sie ohne Genehmigung aufgestellt – in der Hoffnung, dass die Stadt sie toleriert. Das hat funktioniert. Mittlerweile haben wir vier Boxen aufgestellt. Über Kontakte habe ich erfahren, dass die Stadtverwaltung  für unsere Initiative sogar dankbar ist.

Zu Beginn hatten wir Bedenken, ob die Giveboxen überhaupt genutzt würden und nicht etwa als Mülleimer missbraucht. Die Bedenken haben sich nicht bestätigt. Müll in den Boxen ist eine Ausnahme, das Interesse der Karlsruher Bürger nimmt Monat für Monat zu.

Auch unsere Gruppe ist immer größer geworden. Beim Bau der letzten Box haben wir sogar aus einem Jugendzentrum Unterstützung bekommen. Aus einer Initiative zur Ressourcenschonung ist so auch ein soziales Projekt geworden, das die Menschen aus der Nachbarschaft verbindet.

Ich wünsche mir, dass sich die Idee der Giveboxen weiter verbreitet. In jedem Karlsruher Stadtteil sollte es eine Box geben, gebaut von den Anwohnern oder in einer Schule oder einem Jugendzentrum vor Ort.