Manchmal hörte er seine Kameraden tuscheln in diesen ersten Monaten. »Schau mal, ein Schwarzer«, sagten sie in der Kantine. »Tarnfarbe brauchst du ja nicht«, hieß es draußen im Gelände. Nach und nach aber hätten sich alle an seine Hautfarbe gewöhnt. Noch wichtiger war für Burihabwa damals: Sein Gruppenführer sagte kein einziges Wort zu seiner Hautfarbe. »Der hat so getan, als wär gar nichts!« Als sei er ganz normal. Das ist neu für Burihabwa. Aber es ist eine Erfahrung, die er nun öfter machen wird. Wenn Burihabwa neue Soldaten kennenlernt, ist er für sie nicht der Schwarze – er ist der Kamerad.

Der 31-Jährige glorifiziert die Bundeswehr nicht. Er weiß, dass Soldaten weder bessere noch aufgeschlossenere Menschen sind. Auch in der Armee gibt es Leute, die etwas gegen Ausländer haben. Aber dort ließen sich Vorurteile eben schwerer aufrechterhalten, sagt er. Kameradschaft sei Pflicht, es gebe eine klare Hierarchie, und alle Soldaten leisteten den gleichen Eid. »Das führt zu einem stärkeren Zusammenhalt.« Ausgerechnet dort, wo die meisten Außenstehenden erst mal übersteigerten Nationalismus befürchten. Natürlich könne nicht die ganze Gesellschaft nach Dienstgraden funktionieren. »Wir können nicht alle leben wie Soldaten. Aber es zeigt doch immerhin: Wenn wir eine Plattform haben, wo man sich auf Augenhöhe begegnet, kann Integration gelingen.«

Bei Burihabwas letztem Appell sagt sein Vorgesetzter Worte, die bei einer Entlassung aus der Bundeswehr immer dieselben sind: »Für die dem deutschen Volk geleisteten treuen Dienste spreche ich ihm Dank und Anerkennung aus.« Burihabwa rühren sie zu Tränen.

Eine Sache fehle noch in seiner militärischen Laufbahn, sagt er am nächsten Tag, als er gerade seine Uniform abgegeben hat. Der Auslandseinsatz. Die meisten seiner Kameraden haben ihn bereits hinter sich. »Es ist die erste Sache, bei der ich nicht dabei war. Ein merkwürdiges Gefühl.« Er sagt, er möchte auf jeden Fall Reservist werden. Dank der Uniform wird dann wieder auf einen Blick erkennbar, was Ntagahoraho Burihabwa immer fühlt: Er ist ein stolzer Deutscher.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio