Deutsche Bank : Ducken, schweigen, Reihen schließen
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 Im Hintergrund: Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Bleibt die grundsätzliche Frage, ob Anshu Jain, der im kommenden Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, der richtige Mann an der Spitze ist. Andere juristische Streitfälle, die die Bank in Atem halten, haben ihre Wurzeln in Geschäften, die in den Jahren des Booms in Jains Zuständigkeit fielen. Alle diese Fälle seien aber schon lange bekannt, heißt es – zu Recht – aus der Bank.Die Entscheidung des Aufsichtsrats 2011, Jain und Fitschen als neue Chefs zu berufen, sei im Wissen um diese Streitfälle getroffen worden. Man habe mit Jain jemanden ernannt, der wisse, wo er ansetzen müsse, um etwas zu verändern. Zahlreiche Kritiker indes glauben, in den Worten der Süddeutschen Zeitung, dass der »Idee, dass man den Brandstifter das Feuer löschen lässt, weil er am besten weiß, wo es brennt«, die Legitimation fehlt. Jede neue Razzia, jede neue Geldbuße, jedes neue Verfahren wird diese Kritik lauter werden lassen.

Wenn allerdings einer Druck aushält, dann ist es wohl der smarte und sehr disziplinierte Anshu Jain.

Angesprochen

Über wenig wird in Frankfurt so gern spekuliert wie über Personalien, und so kommt es schon mal vor, dass es beim Mittagessen plötzlich heißt, dass Aufsichtsratschef Paul Achleitner dem Treiben der zwei Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain nur begrenzt lange zuschauen werde – und bereit sei, zur Not selbst an die Spitze der Deutschen Bank zu rücken. Gefallen ist diese Äußerung vor Monaten, doch die Ereignisse verleihen der zunächst abstrus anmutenden Idee neuen Reiz: Jain ist für viele prinzipiell ein Problemfall, nun aber ist auch Fitschen – der Garant für Seriosität – angeschlagen. Das erschwert den Kulturwandel, den die Vorstandschefs im September ausgerufen haben und in ihrem Weihnachtsschreiben so umreißen: Es werde 2013 »nicht nur darauf ankommen, was wir tun, sondern auch, wie wir unsere Ziele erreichen«. Wohl gesprochen, wird da mancher angesichts des aktuellen Aufruhrs denken.

In der Bank will man von Differenzen nichts wissen. Wie Jain sei auch Achleitner in den Krisentagen hinter den Kulissen sehr aktiv gewesen. Der Druck schweiße die Führung eher zusammen, als dass er sie auseinandertreibe, diese Formel ist dieser Tage häufiger zu hören. Fitschen, Jain und Achleitner seien gut eingespielt, ständig in Kontakt und fest entschlossen, auch die 2013 absehbaren Erschütterungen gemeinsam zu meistern.

Allerdings beginnt man sich langsam Gedanken über Image und Auftreten der Bank zu machen. Viele öffentliche Reaktionen auf die beiden Razzien und das Kirch-Urteil zeichnen ein Bild der Deutschen Bank, das sie als prinzipienloses, arrogantes und machtvergessenes Institut dastehen lässt. Just Achleitner gilt nun als ein Mann, der ein Sensorium für gesellschaftliche Fragen hat. Einst führte er den deutschen Teil der Investmentbank Goldman Sachs, er war Finanzvorstand der Allianz und ist einer der am besten vernetzten Männer der Republik, bis in Politik und Kultur hinein.

Seit vergangener Woche verkompliziert eine Entscheidung des Landgerichts Frankfurt allerdings auch seine Situation: Dieses erklärte mehrere Beschlüsse der Hauptversammlung 2012 für nichtig, auch die Wahl des 56-Jährigen in den Aufsichtsrat. Die Bank ist gelassen – das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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