Deutsche BankDucken, schweigen, Reihen schließen

Für die Deutsche Bank wird 2013 ein Jahr der Bewährung – auch für die drei Manager an der Spitze. von 

Anshu Jain (R) and Jürgen Fitschen, die beiden Vorstandschefs der Deutschen Bank

Anshu Jain (R) and Jürgen Fitschen, die beiden Vorstandschefs der Deutschen Bank  |  © Daniel Roland/AFP/GettyImages

Reden möchte eigentlich niemand, Manager stellen sich taub, Aufsichtsräte gehen in Deckung. Über die Deutsche Bank zu sprechen ist in diesen Wochen eine heikle Angelegenheit, denn jede Äußerung, jede Information würde das Trommelfeuer nur verstärken.

Eine Bank taucht ab. Sammelt Kräfte. Denn 2013 wird für die Deutsche Bank ein Jahr der Bewährung, so viele schwerwiegende Konflikte trägt sie mit der Justiz aus. Allein die vergangenen 14 Tage waren für viele Mitarbeiter des Hauses ein Graus: Ermittlungen der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause; eine Razzia mit 500 Beamten und Einsatzfahrzeugen, unübersehbar für alle Welt; eine Verurteilung im Fall Leo Kirch; die Aufhebung wichtiger Hauptversammlungsbeschlüsse; ein Schuldspruch in Italien; eine neuerliche Durchsuchung in der Zentrale infolge eines Verfahrens gegen ehemalige Vorstandsmitglieder.

Anzeige

Einzelne solcher Nachrichten hätten in normalen Zeiten nur für hochgezogene Augenbrauen gesorgt, doch die Zeiten sind nicht normal. Die bad news ballen sich im Moment dermaßen, dass einige Privatkunden der Bank bereits offenbart haben, sie wollten nichts mehr mit ihr zu tun haben, so ist zu hören. Das seien aber nur Einzelfälle, heißt es im nächsten Satz.

Was wird das kommende Jahr bringen? Es scheint möglich, dass die Überprüfung wegen Manipulationen des internationalen Zinssatzes Libor zu einem Ende kommt – verbunden mit einer hohen Geldbuße. Der zehn Jahre währende Streit über eine Schuld am Untergang des Medienimperiums von Leo Kirch könnte endlich enden – mit einer signifikanten Schadensersatzzahlung. US-Behörden könnten wie zuvor bei anderen Banken zu dem – regelmäßig teuren – Befund gelangen, die Deutsche Bank habe vor Jahren gegen Embargobestimmungen verstoßen. Und die jüngsten Razzien werden sicherlich weitere Schritte der deutschen Justiz nach sich ziehen.

In der Bank wünscht man sich in vielen Verfahren ein baldiges Ende, doch häufig hängt es an anderen, an Klägern, Staatsanwälten und Richtern, wie lange sich ein Fall hinzieht. So stellt man sich in der Deutschen Bank bereits jetzt darauf ein, dass ein Schlusspunkt in einigen Auseinandersetzungen erst im Jahr 2014 kommen wird. Wenn sie all das überstehen will, wird die Führung Durchhaltevermögen brauchen – und die Mitarbeiter überall auf der Welt gute Nerven.

Angeschlagen

Jürgen Fitschen weiß, dass die aktuellen Querelen seinen Mitarbeitern viel abverlangen. Und so versicherte er ihnen kurz vor Heiligabend: »Wie viele andere Finanzinstitute musste sich auch die Deutsche Bank mit Fragen auseinandersetzen, die Aktivitäten der vergangenen Jahre betreffen. Wir werden alles daransetzen, diese Vergangenheit aufzuarbeiten.« Der angestrebte Kulturwandel sei nicht leicht und benötige Zeit – »aber er muss und wird erfolgen«. So steht es in der ersten Botschaft zum Jahresende, die Fitschen und Anshu Jain, die zwei neuen Vorstandsvorsitzenden, gemeinsam an die Beschäftigten verschickt haben. Es sei ihnen bewusst, schreiben sie darin, dass die Umsetzung einer neuen Strategie in einer Zeit großer Herausforderungen für Banken »ein hohes Maß an Einsatz, Konzentration und Engagement von Ihnen erfordert«.

Einsatz, Konzentration, Engagement – das wird auch Fitschen selbst aufbringen müssen, um die Skandale der Bank in Deutschland abzuarbeiten und zu erklären. Er ist nun einmal das deutsche Gesicht der Deutschen Bank. Als Mann, der plötzlich selbst im Fokus des Interesses von Staatsanwälten steht, wird er weniger Zeit und Kraft als geplant haben, um den Kulturwandel voranzutreiben, den er doch symbolisieren soll und will.

Grundsätzlich gilt der 64-Jährige in der Branche und darüber hinaus seit vielen Jahren als ehrenwerter Banker, als einer, auf dessen Wort Verlass ist. Doch Ermittlungen der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft wegen besonders schwerer Steuerhinterziehung wollen nicht recht in dieses Bild passen.

Der Anruf bei Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier wiederum, der dem Vernehmen nach nicht im Affekt, sondern am Tag nach der Großrazzia erfolgte, ließ den politischen Instinkt vermissen, den man Fitschen nachsagt. Indem er schnell erklärte, den Anruf zu bereuen und dabei auch nur Sorgen über das Ansehen der Bank und des Finanzplatzes geäußert zu haben, konnte Fitschen den Aufruhr einigermaßen eindämmen. Die Wahrnehmung aber, da habe der mächtigste Banker der Republik Einfluss auf die Justiz nehmen wollen – die wird er so schnell nicht ändern. Jürgen Fitschen wird künftig wohl etwas mehr auf der Hut sein.

Abgetaucht

Mit jedem Tag, an dem Jürgen Fitschen in der Kritik stand, stellte sich die Frage mehr: Wo ist Anshu Jain? Warum springt der eine Vorstandschef nicht dem anderen bei? Fitschen gab Interviews, sprach in der Eingangshalle der Zentrale zu Mitarbeitern, doch von Jain war nichts zu hören, nichts zu sehen.

Der Eindruck könnte in die Irre führen. Anshu Jain, so heißt es in der Bank, sei willens gewesen, sich zu äußern, doch die Entscheidung sei gewesen, dass Fitschen als Gegenstand von Ermittlungen und Berichterstattungen selbst ran solle – und dass er Manns genug sei, dies alleine zu tun. Hinter den Kulissen jedoch soll Jain sehr aktiv gewesen sein, mit Kunden oder mit Mitarbeitern gesprochen haben, beim Versuch, die Lage zu beruhigen. Von einer Spaltung des Duos könne keine Rede sein – das zumindest wird beteuert. Fitschens Hinweis in einem Interview, die untersuchten Geschäfte mit Emissionszertifikaten seien im Investmentbanking angesiedelt gewesen, habe keineswegs in Richtung Jain gezielt. Dieser habe den Geschäftsbereich erst übernommen, als ihm im Sommer 2010 auch der bis dato von Michael Cohrs geführte Teil des Investmentbankings übertragen wurde – als die Betrügereien also längst vorüber waren.

Leserkommentare
  1. Meine Meinung: die beiden sitzen da (und wahrscheinlich auch sonst so), wie diese anstrengenden Schulkameraden, mit denen ich eigentlich nichts zu tun haben wollte, als ich noch zur Schule ging, und ich mich fragte, was aus denen mal werden würde, wahrscheinlich Abschaum. Banken sind Abschaum, regelrecht, finde ich, aber jeder geht hin. Wir Deutschen sind so, oder ? In Irland gibts Credit Unions. Sowas gefällt mir.

  2. Wieviel "Ernst" brauchen Sie dazu ? Wie lange man bei einer Bank war, kann doch wirklich keine Rolle spielen, ganz im Gegenteil. - Ich bin aber auch bei einer Bank, seit anderthalb Jahren, und mir ist das sehr peinlich.

  3. Herr Jain gehört einer Religion an, die Gewalt ablehnt, lese ich im Netz. Ich nehme an, damit ist ausschließlich physische Gewalt gemeint. Kommunen in Deutschland und anderen europäischen Ländern, die ruiniert wurden, Millionen Menschen, die obdachlos wurden, angeblich durch riskante Geschäfte der Deutschen Bank, fallen darunter dann ja vielleicht nicht.- Wer mit so einem ruhigen Gewissen mit Geld derart ausgereizt arbeitet, handelt im Ergebnis mit Waffen, finde ich. Dies ist der Planet, auf dem ich lebe.

    • tirili
    • 28. Dezember 2012 14:48 Uhr

    so hat z.B. die Sparkasse sich die LBB einverleibt und sieht natürlich keine Veranlassung, die seinerzeit betrogenen Sparer zu entschädigen; die von der Skandalbank Bankgesellschaft Berlin wissentlich eingegangenen Risiken hat - vielleicht wegen politischer Mitwisserschaft - der Berliner Senat übernommen und in sein öffentliches Immobilienunternehmen berlinovo ausgelagert, das auf Kosten des Steuerzahlers agiert, indem es neben einer mit Gehältern und Pensionsansprüchen reichlich ausgestatteten Geschäftsführung teure Law firms aushält, die mit allerlei Juristen zur Verfügung stehenden Tricks die Sparer zu prellen versucht.

    Darum hat M@rkTw@in Recht:
    "Und nun - wer oder was ist denn in diesem Sektor noch gut?"

    Antwort auf "Alt ja – auch gut?"
    • Hokan
    • 28. Dezember 2012 15:09 Uhr

    Wieso bedrängt mich beim Lesen dieses Artikel die Erinnerung an diesen unvermeidlichen ARD-Kommentator auf, wenn es einmal mehr um die Europäischen Royals geht? Es muss das Übermaß an Verständnis für die Nöte und Ängste wie für Freuden und Verdienste der jeweiligen Spezies sein.

    Unser Autor hier scheint durch eine solche Schule gegangen zu sein. Hof... nein, Bankberichterstattung immer in respektvollem Abstand zu den gekrönten Häuptern in Vorstand und Aufsichtsrat. Selbstverständlich. Doch immer auch so viel Nähe andeutend, dass noch ein Abglanz des goldenen Schimmers aus den Tresoren auf ihn selbst fällt. Und wir, das gemeine Volk, darf teilhaben aus der Persektive des Schlüssellochs.

    Oh, habt Dank.

    • Voce
    • 28. Dezember 2012 17:22 Uhr

    Da die schrägen Geschäfte zu Zeiten der Zuständigkeit von Jain getätigt wurden und die Bank sich wohl inzwischen darüber im Klaren geworden war, dass diese letztlich der Öffentlichkeit nicht verborgen bleiben werden, hat sie den Bock zum Gärtner gemacht, wohl wissend, dass sie damit allen Kritikern ihrer ominösen Geschäfte ein Zielobjekt anbieten würde an dem diese sich so richtig abarbeiten können. Ausgang noch offen.

    • Hampara
    • 28. Dezember 2012 18:18 Uhr

    Seit der Ernennung von Fitschen und Jain zu den Nachfolgern von Big Joe und dem Auftauchen der ganzen Schweinereien in der DB frage ich mich, warum eigentlich nie der Name Ackermann bei der Benennung der Schuldigen fällt.

    Hat unsere Kanzlerin wirklich so viel Macht, dass sie noch ihre schützende Hand über ihren einstigen Berater und Günstling halten kann? Immerhin hat sie ihm im Kanzleramt eine gewaltige Party ausrichten lassen zu seinem Geburtstag.

    Alles, was jetzt berichtet wird, mit Ausnahme des Kirch--Prozesses, fiel unter die Ägide Ackermanns. Normalerweise wird doch in solchen Fragen immer dargestellt:
    a) Er wusste davon und ist selbst kriminell
    oder
    b) Er wusste nichts davon und ist daher unfähig, den Laden zu schmeißen.

    aber bei Ackermann kommt anscheinend Variante c) zum Einsatz:
    Er ist kriminell, aber ein Krimineller darf nie im Leben als Berater der Kanzlerin aufscheinen.

    Eine Leserempfehlung
  4. grosse "Tiere" machen grossen Mist,
    kleine "Tiere" machen kleinen Mist,
    Mist machen sie alle...............

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service