Euro-KriseDie richtigen und die falschen Signale

Kann Europa das Krisenvirus im neuen Jahr überwinden? von 

Die Aktien auf Fünfjahreshoch – fast könnte man denken, die Krise sei vorüber. Doch in dieser schon mehr als fünf Jahre währenden Ausnahmesituation ist wenig, wie es scheint. Was im Jahr 2012 als großer Erfolg verbucht wurde, ist im Gegenteil eine Anleihe auf die Zukunft. Die wirklichen Fortschritte werden hingegen kaum als solche wahrgenommen.

Das Börsenfeuerwerk zündete die Europäische Zentralbank, als sie ankündigte, notfalls unbeschränkt Anleihen kriselnder Euro-Länder zu kaufen. Bloß, was heißt das? Indem Zentralbankchef Mario Draghi seine »Bazooka« hervorholte, sagte er in Wahrheit: Die Staaten haben die Krise nicht im Griff und zwingen mich, wenn nötig die denkbar größte Sünde zu begehen – Geld zu drucken. Doch das heißt nicht, dass Draghi persönlich haftet. Das Risiko bürdet er den europäischen Steuerzahlern auf, die für Verluste seiner Bank, die in Wirklichkeit unser aller Bank ist, haften würden. Gefährlich wird es auch für Sparer und Verbraucher, weil sie nun auf Jahre hinaus mit künstlich niedrigen Zinsen leben müssen – und mit der Gefahr wachsender Inflation obendrein.

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Die sogenannte Rettung ist also ein Ausdruck großer Gefahr. Dagegen hat der viel kritisierte Spar- und Reformdruck, den vor allem Berlin auf die Krisenstaaten ausgeübt hat, Europa weitergebracht. Irland, Spanien, Portugal und sogar Griechenland werden produktiver. Ihre Arbeitskosten sinken, gemessen an denen anderer Länder, sodass sie mehr Waren exportieren. Je mehr sie ins Ausland ausführen, desto weniger neue Schulden müssen sie dort aufnehmen. Man kann es auch so sagen: Diese Länder schwitzen das Krisenvirus aus.

Worauf ist also 2013 zu achten? Erstens: Wenn Draghi seine »Bazooka« wirklich abfeuert, steigt der Preis für die Krisenbekämpfung weiter. Zweitens: Es kann gut sein, dass die ersten Krisenländer es aus eigener Kraft auf die Füße schaffen und damit zeigen, dass sich Opfer lohnen. Drittens: Die zwei größten Mittelmeeranrainer hängen weit zurück. Das größte Hoffnungszeichen wäre es, wenn Franzosen und Italiener ihren Hartz-IV-Moment erlebten und ihre eigene Agenda 2020 ausriefen. Und viertens: Läuft die Konjunktur in Europa so schlecht, wie viele Ökonomen vorhersagen, wird es schwer für die Alte Welt. Doch neueste Wachstumssignale aus Asien und den USA könnten helfen – sofern die Amerikaner nicht über ihr fiscal cliff stolpern.

Es bleibt aufregend, oder besser: 2013 wird’s richtig spannend.

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    • Schlagworte Euro-Krise | Europäische Zentralbank | Staatsanleihe
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