ZEIT: Wo kommt dieses Wachstum her?

Lagarde: Etwas Unterstützung wird es von außen geben. Wir glauben, dass die weltwirtschaftliche Dynamik anzieht. Aus den USA, aus China und aus den anderen Schwellenländern kamen zuletzt wieder positivere Konjunktursignale. Aber die Europäer müssen ihre Hausaufgaben erledigen.

ZEIT: Welche sind das?

Lagarde: Die Währungspolitik muss weiterhin hilfreich zur Seite stehen. Das Anleiheprogramm der EZB muss voll funktionsfähig sein und die Bankenunion vollendet werden. Zudem sollte die Fiskalunion auf den Weg gebracht werden.

ZEIT: Danach sieht es doch aber im Moment nicht aus. Man hat sich zwar auf eine gemeinsame Finanzaufsicht verständigt, doch der von vielen Experten geforderte Abwicklungsfonds für kriselnde Institute ist nicht in Sicht.

Lagarde: Ich bin eine Optimistin und glaube an Europa – und daran, dass die Reise, die unsere Vorgänger begonnen haben, als sie den Euro einführten, noch nicht zu Ende ist. Es ist Schwung in die Sache gekommen. Das muss man ausnutzen. Die Aufsicht ist etabliert, ein grenzüberschreitendes Abwicklungsregime wird der nächste Schritt sein. Auch das wird harte Arbeit sein, aber ich glaube, sie wird zu guten Ergebnissen führen. Auf unsere Unterstützung können die Europäer in dieser Frage zählen.

ZEIT: Wie lange wird sich der IWF noch in Europa engagieren?

Lagarde: Wir haben viele Rollen: wirtschaftspolitische Beratung, technischer Beistand und die Vergabe von Krediten. Wir haben uns an der Finanzierung der Hilfsprogramme beteiligt, weil wir das für richtig hielten. Das war auch eine Herausforderung, weil wir gemeinsam mit europäischen Institutionen handeln und einen Konsens finden mussten.

ZEIT: Und jetzt haben Sie genug?

Lagarde: Das habe ich nicht gesagt. Aber wir müssen uns nicht unbedingt in allen Fällen finanziell engagieren. Es kann auch Fälle geben, in denen wir uns stärker darauf konzentrieren, bei der Entwicklung und Überwachung von Anpassungsprogrammen zu helfen. Ich habe den Eindruck, dass viele Staaten unsere Unabhängigkeit und Expertise bei der Bewältigung von Krisen schätzen.