Lana del Rey : "Ich spiele keine Lolita-Rolle"
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"Ich mag die Idee des Amerikanischen Traums"

Del Rey: Ja, weil es einfach gut aussieht. Ich mag aber auch das, was hinter dieser Fahne steht: die Idee des Amerikanischen Traums.

ZEIT: Wenn man das Video zu Ride betrachtet, ähnelt Ihr Amerikanischer Traum den radikalen Außenseitergeschichten, die das amerikanische Independent-Kino der siebziger Jahre erzählt hat. In einem langen Monolog am Anfang heißt es: »I was in the winter of my life, and the men I met along the road were my only summer...«

Del Rey: Das ist autobiografisch! Es gab eine Zeit, in der ich mich fragte: Was tust du, wenn all deine Träume nicht wahr werden? Damals habe ich tatsächlich Schutz und Sicherheit bei Männern gesucht. Aber Ride ist nicht die Geschichte eines Opfers. Und es soll auch kein Kommentar zum Thema Prostitution sein, wie amerikanische Medien vermuten. Es geht um mein eigenes Leben: Was passiert, wenn man eine großartige Sängerin sein möchte, aber das eigene Heimatland sagt: »Nein, das bist du nicht«?

ZEIT: Die Männer im Video sehen aus wie Mitglieder der Hells Angels...

Del Rey: Ich fühlte mich schon immer als Outlaw und Biker – seit meinem 15. Geburtstag fahre ich hinten auf Motorrädern mit. Seitdem verabrede ich mich auch mit deutlich älteren Männern. Ich hatte das Schreiben früh für mich entdeckt und war fest davon überzeugt, dass ich als Autorin Erfolg haben würde. Doch es kam anders. Nachdem ich mit 18 Jahren aufgehört habe zu trinken – ich hatte ein Alkoholproblem –, suchte ich eher den Kontakt zu Leuten, die ein etabliertes Leben führten.

ZEIT: 2012 hat sich doch eine ganze Menge in Ihrem Leben verändert.

Del Rey: Um mich herum haben sich Dinge verändert. Immerhin gibt es nun Menschen, die meine Musik hören und mögen.

ZEIT: Sie bezeichnen amerikanische Freidenker wie Walt Whitman und Allen Ginsberg als wichtige Einflüsse. Sind Beat-Gedichte wie Howl denn heute noch aktuell?

Del Rey: Für mich schon, ich trage Howl immer bei mir, in meiner Geldbörse! Nachdem ich Ginsberg gelesen hatte, veränderte sich für mich die Welt. Die Art, wie er mit Worten Bilder malt, hat mich tief beeindruckt. Ich träumte davon, dass die Leute auch über meine Texte sagen: Mein Gott, was für ein wunderschönes Bild sie da gemalt hat!

ZEIT: Wie verstehen Sie sich eigentlich mit Feministinnen? Beim Video zu Ride haben sich einige an Ihrem Lolita-Look gestört.

Del Rey: Ich spiele keine Lolita-Rolle! Ich mag nur den Text! Viele Popstars spielen mit dem Lolita-Ding, tragen kaum Kleidung. Bei mir ist das anders, wenn ich nur wüsste, wie ich das erklären soll... Es geht nicht darum, eine Lolita zu sein, es ist eher eine Haltung, als entscheide man sich für Polygamie, für freie Liebe oder für was auch immer. Es ist meine Entscheidung! Mir geht es nicht um die Frauenbewegung, und meine Songs sind auch kein Kommentar zur heutigen Popmusik.

ZEIT: Sondern eine Mischung aus Tagebuch und persönlichem Bekenntnis?

Del Rey: Ich möchte einfach die Welt aus meiner Perspektive beschreiben. Eigentlich ist es immer dasselbe Schema. Nehmen wir den Song Born to Die: In der autobiografischen Strophe geht es darum, nicht aufzugeben, ein guter Mensch zu sein. Ich war damals mit einem Mann zusammen, der sich treiben ließ. Gemeinsam fassten wir den Entschluss, ein drogenfreies Leben zu führen. Doch dann ist er mehr oder weniger davongelaufen. Und alles, was ich für ihn tun konnte, war beten. Im Refrain öffnet sich dann alles in einer leidenschaftlichen Fantasie: (singt) »Come and take a walk on the wild side. Let me kiss you hard in the pouring rain.« Letztlich ist es eine Flucht in die Romantik.

ZEIT: Wenn Ihre Songs so stark autobiografisch sind: Gibt es dann überhaupt einen Unterschied zwischen Ihnen, Lizzy Grant, und Ihrer Kunstfigur Lana Del Rey?

ZEIT: Nein, es ist nur ein anderer Name. Für mich fühlt sich beides gleich an.

ZEIT: Man erwartet einen bestimmten Typ, wenn man Ihre Musik hört...

Del Rey: Das glaube ich gern...

ZEIT: ...eine Figur aus einem Film noir vielleicht.

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