Lana del Rey"Ich spiele keine Lolita-Rolle"

Die Retro-Pop-Queen Lana Del Rey über Secondhand-Klamotten, ältere Männer und ihre Liebe zur amerikanischen Flagge. von Jürgen Ziemer

Ihre Lippen und der Schlafzimmerblick machten Lana Del Rey weltberühmt.

Ihre Lippen und der Schlafzimmerblick machten Lana Del Rey weltberühmt.  |  © Nicole Nodland

DIE ZEIT: In Videos wirken Sie oft wie die tragische Heldin eines Hollywoodmelodrams der frühen Sechziger. Ihre Songs sind mit schwülen Streichern gesättigte Fantasien einer anderen Zeit. Lebt Lana Del Rey in der Gegenwart?

Lana Del Rey: Ich mag Dinge aus der Vergangenheit, weil sie mich dorthin zurückbringen. Trotzdem ziehe ich daraus nicht so viel Inspiration, wie Sie vielleicht glauben. Das alte Hollywoodkino ist nur ein Einfluss unter vielen, ein traditionelles Make-up, das ich trage. Mir gefällt aber, wie diese Filme gemacht sind: so episch, hinreißend. Ich wünschte mir, das echte Leben wäre genauso.

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ZEIT: Ist es das nicht für Sie? Ihr Debütalbum Born to Die hat sich allein in Deutschland 400.000-mal verkauft.

Lana del Rey

1986 wurde Elizabeth Grant, die sich später den Künstlernamen Lana Del Rey gab, in New York geboren

2004 trat sie zum ersten Mal in New Yorker Clubs auf

2011 wurde ihr Lied »Video Games« zum YouTube-Hit mit über 20 Millionen Klicks

2012 verkaufte sich ihr Album »Born to Die« weltweit 2,8 Millionen Mal

Del Rey: Wenn ich nach Paris oder Berlin komme, atme ich tatsächlich durch und denke: Alles ist wundervoll, die Menschen mögen mich und meine Musik. Dabei dachte ich lange, dass sie niemanden interessiere. Immer wieder hieß es: Diese Songs sind zu sonderbar, um Geld darin zu investieren, zu seltsam, um im Radio gespielt zu werden.

ZEIT: Und nun wirbt sogar die Nobelmarke Jaguar mit einem Ihrer Lieder.

Del Rey: Ja, Burning Desire ist ein sehr männliches Stück, es geht darum, schnell zu fahren.

ZEIT: In den Sechzigern fuhr auch James Bond Jaguar. Würden Sie gern mal den Titelsong eines Bond-Films singen?

Del Rey: Das wäre früher bestimmt ein Spaß gewesen, und die meisten meiner Songs sind dafür geeignet. Doch inzwischen sind diese Filme gigantische Spektakel. Um den Titelsong zu bekommen, muss man sehr prominent sein und nicht kontrovers.

ZEIT: Sind Sie denn gern kontrovers?

Del Rey: Nein, ich mag keinen Streit. Ich wäre glücklich, wenn ich eine normale Sängerin sein könnte. Aber ausgerechnet in Amerika schreiben mir Journalisten seit der Veröffentlichung von Born to Die Hassmails, als hätten sie darauf gewartet, mich fertigzumachen.

ZEIT: Aber Sie haben doch auch gute Kritiken bekommen – zum Beispiel in der New York Times.

Del Rey: Ja, dort hat aber auch ein Autor namens Jon Caramanica das ganze Album in den Dreck gezogen. Die Dinge, die er über meine Familie geschrieben hat, waren unverschämt und unwahr!

ZEIT: Sie behaupten also, unter amerikanischen Journalisten gebe es eine Verschwörung gegen die Popsängerin Lana Del Rey?

Del Rey: So kann man das sehen. Ein Teil der Journalisten hat später meine Presseagentur kontaktiert und sich entschuldigt: Sie hätten sich gelangweilt und ein aufregendes Thema gesucht. Diese Kampagne ist eher ein Kommentar zum Journalismus in den USA als zu meiner Performance. Es ging nicht nur um eine falsche Tonart in der TV-Show Saturday Night Live – es ging um etwas anderes.

ZEIT: Vielleicht um die freizügige Art und Weise, wie Sie sich mit den USA auseinandersetzen? »My pussy tastes like Pepsi Cola«, heißt es in Cola, einem Song auf Ihrer soeben erschienenen EP Paradise.

Del Rey: Na und? Ich finde die Zeile witzig. Mein Freund ist Schotte, er hält amerikanische Mädchen für etwas sehr Exotisches. Einmal sagte er zu mir: »Ihr amerikanischen Mädchen lauft rum, als würde eure Pussy nach Coca-Cola schmecken, als würdet ihr euch zum Schlafen in amerikanische Flaggen wickeln.« Er hält uns alle für sehr patriotisch.

ZEIT: Die amerikanische Flagge fehlt tatsächlich in kaum einem Ihrer Videos, auf Fotos kuscheln Sie sich manchmal sogar darin ein.

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