Was Annette Schavan selbst tun konnte, um ihre Zukunft zu retten, hat sie getan. Es hat, wie es scheint, nicht gereicht. Kämpfen wolle sie und sich verteidigen. Das hatte die CDU-Politikerin versprochen, als im Oktober ein Gutachten bekannt wurde, das ihr eine »leitende Täuschungsabsicht« beim Abfassen ihrer Dissertation bescheinigte.

Voller Selbstbewusstsein und ausgestattet mit der Rückendeckung großer Namen aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb, zog sie vor den Promotionsausschuss der Universität Düsseldorf, um ihre akademische Lauterkeit zu bezeugen. Das Gremium zeigte sich unbeeindruckt: Letzte Woche empfahl es der Fakultät, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen. Nun liegt, welche Ironie, das Schicksal der Wissenschaftsministerin allein in den Händen der Wissenschaft.

Bleibt es bei der vorliegenden Beweislage, muss der Fakultätsrat Schavan ihren Titel fast zwingend entziehen. Um der eigenen Glaubwürdigkeit willen. Um sich unabhängig von allem politischen Druck zu zeigen. Um den eigenen Vizedekan nicht zu desavouieren, der die vernichtende Expertise über die Dissertation verfasst hat – und der selbst im Gremium sitzt.

Retten kann die Ministerin nur ein weiteres Gutachten, das zu anderen Schlüssen kommt. Entlastende Argumente gibt es durchaus. Das stärkste: Bei den inkriminierten Stellen der Dissertation handele es sich nicht um Plagiate, sondern um Unsauberkeiten, die nach den damaligen Maßstäben – die Arbeit entstand ja vor 30 Jahren – gängig waren. Auf eine solche zweite Meinung hat Annette Schavan einen Anspruch. Nicht als Ministerin, sondern als Person – und als Wissenschaftlerin.