Komponist Arvo PärtIm Wellnessraum der Seele

Was ist von Arvo Pärt zu halten? Ein Versuch über den estnischen Komponisten und seine neue CD "Adam’s Lament" von Volker Hagedorn

Als der Komponist Arvo Pärt für immer die Sowjetunion verließ, 1980, befahlen ihm die Grenzer in Brest, sein Gepäck zu öffnen und, als sie darin Noten und Tonträger fanden, etwas hören zu lassen. Auf seinem Reiseplattenspieler führte er Cantus in Memory of Benjamin Britten vor, aufgenommen vom BBC Symphony Orchestra, eine Streicherstudie in a-Moll, wirklich nichts als a-Moll, wenige Linien in unterschiedlichen Tempi übereinander, sich abwärts bewegend. Einfach, aber nicht simpel, rätselhaft, aber klar. Die Beamten sollen dann gelächelt haben, sowjetische Polizisten! Seine Frau bemerkte ergriffen: »Ich sah, wie die Macht der Musik Menschen verändert.«

Das sagte sie allerdings Jahrzehnte später, als für unzählige Hörer ohnehin kein Zweifel mehr an der Wirkungsmacht von Pärts Musik bestand. Als er vom estnischen Outsider längst zur Heilsgestalt westlicher Seelensucher geworden war. Die einst konsequente Reduktion in seiner Musik hatte sich derweil aufgelöst in einen so umstrittenen wie unverwechselbaren Mix von Gregorianik bis Romantik, der zu den meistverkauften Hervorbringungen zeitgenössischer Musik jenseits des Pop gehört. Falls es nicht doch Pop ist, aber was sollte daran schlimm sein? Vielleicht lassen sich an Pärt die Kriterien beider Lager zusammenführen, zu denen seine Hörer ohnehin zählen.

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»Tabula rasa« ist fast noch langweiliger als Mozarts »Kleine Nachtmusik«

Gerade ist wieder eine von diesen überwältigend cool designten ECM-Platten herausgekommen, Adam’s Lament. Der Text der titelgebenden Komposition stammt, wie wir respektvoll lesen, von einem geheiligten Mönch vom Berge Athos, und bei der Uraufführung in Istanbul vor zwei Jahren regnete es, »als fielen Adams Tränen vom Himmel, um die Stadt zu überfluten«. Wer Musik im Booklettext so inszeniert, setzt auf Kult, auf den Komponisten als Medium zwischen Natur und Transzendenz. Tatsächlich geht Pärt den Mythos Adam geradezu kinoreif an. Über abgründigem Bassgrummeln und schweren punktierten Rhythmen erheben sich die Chorstimmen.

Arvo Pärt

wird am 11. September 1935 in Paide/Estland geboren und gilt als so bedeutender wie umstrittener Komponist seines Landes. Einflüsse von Schostakowitsch, Prokofjew und Bartók sind in seinem Frühwerk unüberhörbar, er experimentiert mit Techniken der Zwölftonmusik und des Serialismus. Nach einer schöpferischen Pause (in der er der russisch-orthodoxen Kirche beitritt) befasst Pärt sich seit den siebziger Jahren vor allem mit der Gregorianik und der Renaissance. Aus dieser Inspiration entwickelt er seinen Tintinnabuli-Stil (von lat. »tintinnabulum« = Glöckchen), der der Musik mit dem »Klingeln« des Dreiklangs eine archaische Anmutung verleiht. 1980 verlässt Pärt auf politischen Druck hin die Sowjetunion, seitdem lebt er in Berlin. 1984 gelingt ihm mit »Tabula rasa« der Durchbruch.

Und die zuerst archaisch oder ostkirchlich anmutenden Intervalle im Unisono münden bald in sattes D-Dur – mit jenem Schritt über die Subdominante, dem »Kirchenschluss«, mit dem schon deutsche Romantiker gern die Aura des »Alten« beschworen. Von da geht es recht spätmozartisch (wenn auch wie von Furtwängler dirigiert) über einen F-Dur-Septakkord nach B-Dur. Die lästige kleine Analyse ist angebracht, da Pärt von den »objektiven akustischen Regeln« der Musik gern so spricht, als setze sich seine musikalische Sprache nicht (auch) aus Stilen unterschiedlichster Epochen und Kulturen zusammen.

Mit seinem religiös motivierten Collagewerk Credo machte er sich 1968 im offiziellen sowjetischen Musikbetrieb unbeliebt. Sein folgendes Verstummen wird gern als Zeit der Läuterung gesehen, nach der dann die Glöckchen läuten, die tintinnabuli seiner Dreiklänge, strukturiert durch mittelalterliche Techniken. Er macht reinen Tisch, Tabula rasa, wie das Titelwerk der legendären CD heißt, die 1984 den Durchbruch im Westen brachte. Man kann das für die langweiligste Instrumentalmusik seit Mozarts Kleiner Nachtmusik halten (deren Materialreduktion freilich ein Spiel der Intelligenz war, keine Bußübung), aber wie sein Cantus für Britten war sie von radikaler Konsequenz.

Die neue CD stützt dagegen den Eindruck, Pärt habe »seinen Polystilismus aus Barock, Klassik, Romantik, Moderne zum gregorianischen Monostilismus homogenisiert«, wie der Musikkritiker Rainer Nonnenmann befand. Für Homogenität sorgt schon der Endlos-Hall der Kirche in Tallinn, den die estnischen und lettischen Musiker unter der Leitung von Tõnu Kaljuste gar nicht nötig haben. Für die sakrale Aura um die heimischen Boxen und die ECM-Kollektion wird er gebraucht. Wobei die Gregorianik diesmal nur am Rande vorkommt, etwa zu Beginn von Statuit ei Dominus, ehe mit Paukendonner und Streicherhieben durch eine Wand aus Chorgesang der alte Carl Orff aus seinem Sarg zu steigen scheint.

Leserkommentare
    • Glik
    • 06. Januar 2013 20:19 Uhr

    Die 'Klassiker' des XX. Jahrhunderts werden zwar mit einigem Ruhm bedacht - nur frage ich mich? Warum eigentlich. Für mich sind die Werke von Schönberg, Webern und Co ein einziger Graus.

    Einzig herausragend: Arvo Paert.

    Nach den m.E. völlig missratenen Sinfonieversuchen in den 60ern hat Paert in den 80ern einen gigantischen Sprung vollzogen.

    Ob 'Litany' (zB mit dem Hilliard-Ensemble), 'fratres' oder die 'Bach-Collage' - das muss man einfach gehört haben. Das ist eine Art Religiosität und Philosophie in Musik! Einfach genial.

    3 Leserempfehlungen
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    Sie reden ein wenig am Artikel vorbei. In aller Kürze (ohne behaupten zu wollen, der Artikel wäre objektiv oder würde von mir vorbehaltlose Zustimmung erfahren): Während Sie Ihre persönliche Ansicht darlegen, die allein durch Ihren Geschmack begründet ist, versucht der Artikel, auf einen Widerspruch zwischen der Selbst- und Werkdarstellung Pärts und seinem Werk Schrägstrich seiner Komponierweise hinzuweisen. Zentral wohl dieser Satz:

    "An solche Reminiszenzen denkt der 77-jährige Pärt wohl eher nicht, wenn er den »Zugang zu den Quellen« ersehnt, »an denen schon alles gesagt ist«."

    Pärt behauptet für sich - das jedenfalls suggeriert der Artikel - eine "quellennahe", ursprüngliche Form der Musik zu schaffen, die gerade wegen ihrer Ursprünglichkeit und Einfachheit so gut ankommt, die so viele Menschen erreicht, weil sie etwas Ursprüngliches im Menschen anspricht. Der Autor weist dagegen darauf hin, dass natürlich auch Pärt in einer musikalischen Tradition steht, dass er geschult und gereift ist am Studium der letzten tausend Jahre Musikgeschichte.

    Pärts Anhänger behaupten für Pärts Musik - das jedenfalls suggeriert der Artikel - eine Offenheit, die den angeblich verkopften Werken anderer zeitgenössischer Komponisten abgeht. Der Autor dagegen vertritt die These, dass - zumindest für den musikalisch Beschlagenen - gerade die Unterkomplexität der Pärtschen Musik eine Offenheit, wie sie etwa Bach, Rihm oder Ligeti schaffen, verhindert.

    Habe mir 'fratres' angehört.
    Ich finde keinen "Zugang". Als ob eine fehlende Dynamik in der Komposition mich "blockt"; fern hält. Ich möchte sogar sagen, mich (als Hörer) abweist. Als möchte die Komposition gar nicht gehört werden.
    Mögen Sie mir Ihren Eindruck anders beschreiben als nur mit "Genial"?

  1. Sie reden ein wenig am Artikel vorbei. In aller Kürze (ohne behaupten zu wollen, der Artikel wäre objektiv oder würde von mir vorbehaltlose Zustimmung erfahren): Während Sie Ihre persönliche Ansicht darlegen, die allein durch Ihren Geschmack begründet ist, versucht der Artikel, auf einen Widerspruch zwischen der Selbst- und Werkdarstellung Pärts und seinem Werk Schrägstrich seiner Komponierweise hinzuweisen. Zentral wohl dieser Satz:

    "An solche Reminiszenzen denkt der 77-jährige Pärt wohl eher nicht, wenn er den »Zugang zu den Quellen« ersehnt, »an denen schon alles gesagt ist«."

    Pärt behauptet für sich - das jedenfalls suggeriert der Artikel - eine "quellennahe", ursprüngliche Form der Musik zu schaffen, die gerade wegen ihrer Ursprünglichkeit und Einfachheit so gut ankommt, die so viele Menschen erreicht, weil sie etwas Ursprüngliches im Menschen anspricht. Der Autor weist dagegen darauf hin, dass natürlich auch Pärt in einer musikalischen Tradition steht, dass er geschult und gereift ist am Studium der letzten tausend Jahre Musikgeschichte.

    Pärts Anhänger behaupten für Pärts Musik - das jedenfalls suggeriert der Artikel - eine Offenheit, die den angeblich verkopften Werken anderer zeitgenössischer Komponisten abgeht. Der Autor dagegen vertritt die These, dass - zumindest für den musikalisch Beschlagenen - gerade die Unterkomplexität der Pärtschen Musik eine Offenheit, wie sie etwa Bach, Rihm oder Ligeti schaffen, verhindert.

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    Warum darf ein Kommentar nicht einfach subjektiv sein und Begeisterung über die Arbeit Pärts vermitteln?

    Vielleicht hätte Herr Hagedorn das ja auch tun sollen, anstatt einen wortreichen und geschraubten Verriss zu versuchen. Formulierungen wie „die langweiligste Instrumentalmusik seit Mozarts Kleiner Nachtmusik“, „sakrale Aura um die heimischen Boxen“ und die herbei geschriebene Wiederauferstehung Carl Orffs (dessen Werk zu seinen Lebzeiten auch umstritten war) deuten ja nicht gerade den Wunsch nach objektiver (sachlicher) Auseinandersetzung mit Pärts Werk an.

    Für meinen Teil müssen große Komponisten nicht erst das Zeitliche segnen, bevor man sie angemessen würdigt.

    • Glik
    • 07. Januar 2013 5:35 Uhr

    Dass ich an dem Artikel 'ein wenig vorbeigeredet' habe ist nicht unbeabsichtigt.

    Der ist in seiner musikoberlehrerhaften Schreibweise nämlich nicht dazu angetan, den Leser für Paerts Werke zu begeistern; ich halte das für wichtiger als .. " ...auf den Widerspruch zwischen der Selbst- und Werkdarstellung Pärts und seinem Werk Schrägstrich seiner Komponierweise hinzuweisen. "

    Wenn man so an Musik herangeht, kann man unter Umständen sogar die emotionslosen Geräusche und Ohrenquäler der Zwölftöner und Folgender erklären (jawohl - Subjektivitätskeule drauf ;-), aber das tiefere Wesen von Musik nicht ergründen.

    Paert und Paerts Werke sind sicher nur einer Randgruppe in der Bevölkerung bekannt (1% - wer schätzt anders?). Da kann es nicht schaden, durch subjektive! Begeisterung den einen oder anderen dazu zu bringen, da mal reinzuhören. Vielleicht hat er ja ein Aha-Erlebnis (so wie ich vor einigen Jahren).

    Man sollte seine Werke vor den 70ern allerdings lieber vermeiden, sonst könnte man einen falschen Eindruck bekommen.

  2. Warum darf ein Kommentar nicht einfach subjektiv sein und Begeisterung über die Arbeit Pärts vermitteln?

    Vielleicht hätte Herr Hagedorn das ja auch tun sollen, anstatt einen wortreichen und geschraubten Verriss zu versuchen. Formulierungen wie „die langweiligste Instrumentalmusik seit Mozarts Kleiner Nachtmusik“, „sakrale Aura um die heimischen Boxen“ und die herbei geschriebene Wiederauferstehung Carl Orffs (dessen Werk zu seinen Lebzeiten auch umstritten war) deuten ja nicht gerade den Wunsch nach objektiver (sachlicher) Auseinandersetzung mit Pärts Werk an.

    Für meinen Teil müssen große Komponisten nicht erst das Zeitliche segnen, bevor man sie angemessen würdigt.

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    "Warum darf ein Kommentar nicht einfach subjektiv sein und Begeisterung über die Arbeit Pärts vermitteln?"

    Wo habe ich denn geschrieben, dass ein Kommentar nicht einfach subjektiv sein darf? Zeigen Sie mir bitte die Stelle in meinem Beitrag. Ich habe lediglich festgestellt, dass sich der Kommentator auf einem anderen Diskussionslevel (und das ist nicht wertend, sondern deskriptiv zu verstehen) bewegt als der Autor. Oder, ums mal in Ihren Worten zu versuchen: Warum darf ein Kommentar nicht einfach mal darauf hinweisen, dass Autor und Vorkommentator aus unterschiedlichen Blickwinkeln über eine Sache reden?

    "Vielleicht hätte Herr Hagedorn das ja auch tun sollen, anstatt einen wortreichen und geschraubten Verriss zu versuchen. Formulierungen wie „die langweiligste Instrumentalmusik seit Mozarts Kleiner Nachtmusik“, „sakrale Aura um die heimischen Boxen“ und die herbei geschriebene Wiederauferstehung Carl Orffs (dessen Werk zu seinen Lebzeiten auch umstritten war) deuten ja nicht gerade den Wunsch nach objektiver (sachlicher) Auseinandersetzung mit Pärts Werk an."

    Was denn nun - soll er nun subjektiv schreiben oder objektiv (sachlich)? Oder, um es mal in Ihren Worten zu versuchen: Warum darf ein Artikel nicht einfach polemisch sein und naserümpfend ein als flach empfundenes Phänomen der zeitgenössischen Musikkultur verreißen?

    (Wobei - wenn dieses Zupfen an Pärt für Sie schon ein Verriss ist, haben Sie wohl noch nie einen richtigen gelesen.)

  3. "Warum darf ein Kommentar nicht einfach subjektiv sein und Begeisterung über die Arbeit Pärts vermitteln?"

    Wo habe ich denn geschrieben, dass ein Kommentar nicht einfach subjektiv sein darf? Zeigen Sie mir bitte die Stelle in meinem Beitrag. Ich habe lediglich festgestellt, dass sich der Kommentator auf einem anderen Diskussionslevel (und das ist nicht wertend, sondern deskriptiv zu verstehen) bewegt als der Autor. Oder, ums mal in Ihren Worten zu versuchen: Warum darf ein Kommentar nicht einfach mal darauf hinweisen, dass Autor und Vorkommentator aus unterschiedlichen Blickwinkeln über eine Sache reden?

    "Vielleicht hätte Herr Hagedorn das ja auch tun sollen, anstatt einen wortreichen und geschraubten Verriss zu versuchen. Formulierungen wie „die langweiligste Instrumentalmusik seit Mozarts Kleiner Nachtmusik“, „sakrale Aura um die heimischen Boxen“ und die herbei geschriebene Wiederauferstehung Carl Orffs (dessen Werk zu seinen Lebzeiten auch umstritten war) deuten ja nicht gerade den Wunsch nach objektiver (sachlicher) Auseinandersetzung mit Pärts Werk an."

    Was denn nun - soll er nun subjektiv schreiben oder objektiv (sachlich)? Oder, um es mal in Ihren Worten zu versuchen: Warum darf ein Artikel nicht einfach polemisch sein und naserümpfend ein als flach empfundenes Phänomen der zeitgenössischen Musikkultur verreißen?

    (Wobei - wenn dieses Zupfen an Pärt für Sie schon ein Verriss ist, haben Sie wohl noch nie einen richtigen gelesen.)

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    können Sie nicht mal locker lassen ? Wielviele Zeilen benötigten Sie, wenn hier Mozart Haupttehma were ? Wer was wie hier auffasst, ist doch persönlicher Kommentar. Sie kritisieren, das ein Kommentator einen Artikel anders aufasst, als man ihn auffassen müßte. Mit 14 war ich genauso, inzwischen habe ich gelernt, einfach zu denken und zu schreiben (zählen Sie die Rechtschreibfehler).

  4. "Für meinen Teil müssen große Komponisten nicht erst das Zeitliche segnen, bevor man sie angemessen würdigt."

    Nett, dass Sie uns das mitteilen. Ich glaube, da stimmen wir alle überein. Herr Hagedorn z.B. scheint Wolfgang Rihm zu schätzen (zurecht, will ich meinen).

    Herr Hagedorn hätte natürlich auch schreiben können: "Arvo Pärt wird zwar mit einigem Ruhm bedacht - nur frage ich mich: Warum eigentlich? Für mich sind seine Werke ein einziger Graus.

    Nach den m. E. ziemlich missratenen Sinfonieversuchen in den 60ern hat Pärt in den 80ern noch mal einen gigantischen Fall nach unten durchgemacht.

    Ob 'Litany' (z.B. mit dem Hilliard-Ensemble), 'fratres' oder die 'Bach-Collage' - das kann man einfach nicht ertragen. Das ist Musik an der Grenze zum Gedudel und Spiritualität an der Grenze zum Kitsch! Einfach schrecklich."

    Wäre das ein ehrlich subjektiver und der ZEIT angemessener Artikel in Ihrem Sinne? Nein? Wieso erheben Sie dann Einspruch gegen meinen erklärenden Beitrag und nicht gegen den Pärt-Hochlebenlasser in Kommentar Nr. 1?

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    • Glik
    • 07. Januar 2013 7:04 Uhr

    eigentlich hatte ich ja schon Ihre #2 kommentiert - aber einen kleinen Nachschlag kann sich der "Pärt-Hochlebenlasser" nicht verkneifen.

    Warum reagieren Sie denn so aggressiv auf #3? Letztlich ist das doch Geschmackssache, wem was gefällt.

    Wenn Leute Zugang zu den Neintönern (oder heissen die Neutöner, Neuntöter? ;-) haben, ist ja in Ordnung. Wenn es jemandem Spass macht, solches analytisch aufzudröseln - wunderbar. Für den Aufdrösler jedenfalls.

    Wenn Leute beim 'Mutantenstadl' begeistert immer auf die Eins klatschen und dabei Glück empfinden, ist das genauso in Ordnung und genau deshalb nicht zu kritisieren.

    Musik ist weitgehend Empfindung und erst nachrangig Analyse. Sinnvoll etwa, um ein Stück besser zu verstehen und dadurch besser zu empfinden (zB Nielsens Helios-Ouvertüre).

    Man kann ein Sonnenblumenfeld gewiss unter biologischen, ökologischen, ökonomischen, pedologischen Aspekten betrachten - und den Bauern gleich mit dazu. Man kann sich aber auch einfach nur an einem Sommerabend an den Feldrand setzen und die Welt geniessen.

    Wieder auf die Musik zurück: Den Unterschied kennt der Artikelautor scheint's nicht. Da liegt er trefflich in einer Linie mit meinen ehemaligen Musiklehrern. Aber drum sind die ja auch Lehrer geworden und nicht Musiker ...;-)

  5. Musik von Avo Pärt als Liebhaber klassischer Musik einfach nur grandios. Wenn ich seine Musik höre, dann läuft mir ein kalter Schauer nach dem anderen den Rücken herunter. Und nur das zählt für mich. Die Interpretationen von von Experten interessieren mich dabei nicht die Bohne. Ich höre, genieße und bin dankbar für solch ergreifende Musik.

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  6. Habe mir 'fratres' angehört.
    Ich finde keinen "Zugang". Als ob eine fehlende Dynamik in der Komposition mich "blockt"; fern hält. Ich möchte sogar sagen, mich (als Hörer) abweist. Als möchte die Komposition gar nicht gehört werden.
    Mögen Sie mir Ihren Eindruck anders beschreiben als nur mit "Genial"?

    Antwort auf "Der Mann ist genial"
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    • Glik
    • 07. Januar 2013 6:08 Uhr

    "Mögen Sie mir Ihren Eindruck anders beschreiben als nur mit "Genial"?"

    zugegeben - mein 'genial' (in #1) klingt etwas läppisch. #6/'ratlos49' hat das wesentlich besser getroffen.

    Kurz zu 'fratres':
    "... als ob eine fehlende Dynamik in der Komposition mich "blockt"; fern hält. Ich möchte sogar sagen, mich (als Hörer) abweist. Als möchte die Komposition gar nicht gehört werden."

    Gut beobchtet. So habe ich das noch nie gesehen/gehört und muss sagen - das stimmt irgendwie. Vielleicht ist es sogar genau das, was mich daran so begeistert - so eine Art Weltabgewandtheit, freischwebend und von starrer Form gelöst.

    Zugegeben - man muss es mögen wie jede Musik. Meine mehrfachen Ansätze, Werbern, Schönberg, Nono, Rihm etc. näherzukommen, sind alle schon nach wenigen Takten in gesträubten Haaren erstickt. Meine klassisch-musikalische Welt sind eigentlich Barock- und älter.

    'fratres' habe ich inzwischen in 14 Interpretationen. Vielleicht versuchen Sie mal die der '12 Cellisten der Berliner Philharmoniker'.
    http://www.youtube.com/watch?v=GFgAKevBTNc

    Man muss allerdings in der richtigen Stimmung dazu sein. Ein wenig Weltschmerz, ein Hauch von Herbstdepression, vielleicht weite Landschaft im Blick, philosophische Denkphase etc...

    P.S.
    obwohl das nicht Paert ist - ich bin beim Youtube-Stöbern gerade darüber gestossen: Ein Tip, weil ich's so überirdisch finde - das muss ich jetzt einfach empfehlen: Tallis/Garbarek/Hilliard
    http://www.youtube.com/watch?v=SLbEZkuIRBk

    • Glik
    • 07. Januar 2013 5:35 Uhr

    Dass ich an dem Artikel 'ein wenig vorbeigeredet' habe ist nicht unbeabsichtigt.

    Der ist in seiner musikoberlehrerhaften Schreibweise nämlich nicht dazu angetan, den Leser für Paerts Werke zu begeistern; ich halte das für wichtiger als .. " ...auf den Widerspruch zwischen der Selbst- und Werkdarstellung Pärts und seinem Werk Schrägstrich seiner Komponierweise hinzuweisen. "

    Wenn man so an Musik herangeht, kann man unter Umständen sogar die emotionslosen Geräusche und Ohrenquäler der Zwölftöner und Folgender erklären (jawohl - Subjektivitätskeule drauf ;-), aber das tiefere Wesen von Musik nicht ergründen.

    Paert und Paerts Werke sind sicher nur einer Randgruppe in der Bevölkerung bekannt (1% - wer schätzt anders?). Da kann es nicht schaden, durch subjektive! Begeisterung den einen oder anderen dazu zu bringen, da mal reinzuhören. Vielleicht hat er ja ein Aha-Erlebnis (so wie ich vor einigen Jahren).

    Man sollte seine Werke vor den 70ern allerdings lieber vermeiden, sonst könnte man einen falschen Eindruck bekommen.

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    Es handelt sich einfach um zwei unterschiedliche Herangehensweisen an Musik, und ich denke, dass beide ihre Berechtigung haben. Tatsächlich kenne ich auch von mir das Phänomen, dass man, wenn man sich länger mit einer Kunstform, hier eben mit der Musik beschäftigt, man tiefer vordringen und ihr neue Aspekte abgewinnen kann, mit der Zeit aber andere Musik, die man sich vorher gut anhören konnte, als flach und kitschig empfindet. Das heißt ja nicht, dass sie für andere Menschen nicht mehr schön und inspirierend sein kann.

    Wenn man nun den Eindruck hat, dass um diese als flach und kitschig empfundenen Musik eine Aura geschaffen wird, die ihr unangemessen ist, dann darf man das natürlich feststellen. Wenn hier die Forderung nach ehrlicher Subjektivität erhoben wird (wie in Kommentar Nr. 3), dann verkennt das, dass es einen Unterschied gibt zwischen "einfach mal seine persönliche Meinung sagen" und "seine persönliche Meinung darlegen und begründen", und dass man mit der ersten Variante keine Zeitung füllen kann. Dass die zweite Variante hier teilweise nicht gut gelungen ist, darauf weist ein anderer Kommentator (Nr. 14/15) hin.

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