Vergangene Woche erklärte Kristina Schröder in der ZEIT, sie werde ihrer Tochter gegenüber das Wort »Negerkönig« nicht verwenden, wenn sie ihr Pippi Langstrumpf vorlese, sondern »synchron übersetzen«. »Zensur!«, riefen viele Kommentatoren daraufhin. Stern- Autor Hans-Ulrich Jörges höhnte, er habe seine Töchter wohl »rassistisch und sexistisch verseucht«, weil er ihnen früher Jim Knopf vorgelesen habe. Dort ist die Rede vom »Negerbaby«.

Tatsächlich überraschen die Äußerungen der CDU-Familienministerin, die bislang eher als Anklägerin von Deutschenfeindlichkeit und nicht als Kämpferin gegen Rassismus jeglicher Couleur hervortrat. Doch scheint der Protest etwas zu schrill, um ihn als reine Abwehrreaktion gegen Schröder abzutun. Die Reflexhaftigkeit lässt vermuten, dass nicht nur die Botin, sondern die Botschaft vielen missfällt.

Was hat die Ministerin denn Falsches gesagt? Sie wolle ihr Kind »davor bewahren, solche Ausdrücke zu übernehmen«, und ihm später erklären, »was das Wort ›Neger‹ für eine Geschichte hat und dass es verletzend ist, das Wort zu verwenden«.

Das ist konsequent und richtig. Steckt in dem momentanen Schröder-Bashing nicht vielleicht auch die Angst der Kritiker, sich von den eigenen, lieb gewonnenen Vorurteilen verabschieden zu müssen? Nach dem Motto: Wo kommen wir denn hin, wenn man nicht mal mehr »Neger« sagen darf? Wenn die Political Correctness bis in die Bücherregale unserer Kinder vordringt?

Dabei ist die Diskussion über rassistische Sprache in Kinder- und Jugendbüchern nicht neu, die Liste der Beispiele ist lang. Maisha-Maureen Eggers, Professorin für Kindheit und Differenz an der Hochschule Magdeburg-Stendal, erklärt in ihrem Aufsatz »Pippi Langstrumpf« – Emanzipation nur für weiße Kinder? anhand einzelner Passagen, wie die Geschichte »schwarze Kinder als stumme, handlungsabhängige Figuren konstruiert« und so das koloniale Bild vom unterwürfigen Eingeborenen am Leben erhält. Tatsächlich finden sich in deutschen Kinderbüchern noch immer nur wenige schwarze Hauptfiguren, die auch als positive Vorbilder fungieren. Doch in dem Maße, wie sich unsere Gesellschaft wandelt, verändert sich auch die Leserschaft.

Diskriminierende Sprache ist nicht länger hinnehmbar, vor allem nicht für die vielen kleinen afrodeutschen Leser. Sie können und wollen sich mit überkommenen Klischees von Exotik oder Rückständigkeit schwarzer Menschen nicht identifizieren und können damit auch nicht länger identifiziert werden. Die heutigen Lebenswelten sehen anders aus, in Afrika und in Deutschland. Wer weiterhin auf der Reproduktion von rassistischen Stereotypen beharrt, verkennt die Realität. Kristina Schröder scheint das verstanden zu haben, ihre Kritiker offenbar nicht.