KunstmarktSchluss mit dem Anlagewahn!
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Was leistet der Galerist für den Künstler?

Friese: Meist verlassen diese Künstler dann aber die Galerien, die sie entdeckt und aufgebaut haben, und wechseln zu den internationalen Großgalerien. In Deutschland werden etwa 700 Millionen Euro im Handel und auf Auktionen mit Kunst und Antiquitäten umgesetzt. Das ist nichts im Vergleich zu den Geldern, die in London oder New York fließen. Sotheby’s und Christie’s machen allein mit ihren sogenannten private sales, also den Kunstverkäufen außerhalb des Auktionssaals, jeweils 700 Millionen Dollar Umsatz im Jahr.

ZEIT: Der teuerste lebende Künstler ist ein Deutscher: Gerhard Richter. Aber seine Multi-Millionen-Gemälde werden heute stets in London und New York verkauft. Wieso ist das so?

Friese: Die Schwäche hat mit dem gewaltsamen Bruch in der Tradition des Kunsthandels in der Zeit des Nationalsozialismus zu tun. Und auch damit, dass Deutschland als erstes Land das Folgerecht eingeführt hat, sodass hier bei einem Kunstverkauf fünf Prozent an den Künstler oder dessen Erben abgetreten werden müssen. Heute ist das international weitgehend angeglichen, wenn auch die Schweiz und die USA gut ohne auskommen. Dieses Jahr konnten wir auch eine Gesetzesänderung abwenden, die zu einer weiteren Schwächung des deutschen Marktes geführt hätte: Die Mehrwertsteuer für Kunst sollte von sieben auf neunzehn Prozent angehoben werden. Jetzt wird sie von 2014 an nur auf etwa zehn Prozent steigen.

ZEIT: Ein amerikanischer Kritiker hat die Galerien kürzlich als die Gewerkschaften der Künstler charakterisiert. Gefällt Ihnen das?

Friese: Wenn es hilft, unseren negativen Ruf zu korrigieren. Normalerweise wird der Künstler als Genie beschrieben, der Galerist hingegen als mit einem gewissen Hautgout behaftet.

ZEIT: Was leistet denn der Galerist für den Künstler?

Friese: Er macht auf seine Arbeit aufmerksam. Er vermittelt sein Werk in Sammlungen und in Museen. Es gibt heute keinen bedeutenden Künstler, der nicht wenigstens in den ersten beiden Jahrzehnten seiner Karriere von einem Galeristen unterstützt wurde. Darauf kann man als Galerist stolz sein.

ZEIT: Was muss sich im nächsten Jahr ändern?

Friese: Die Kunst muss aus den Finanzteilen der Zeitungen verschwinden. Das Bewerten von Kunst allein nach Anlagekriterien, das Gerede von Triple-A-Bildern, muss wieder aufhören.

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Leserkommentare
  1. Die Galeristen verhalten sich gegenüber suchenden Künstlern meist sehr abweisend und überheblich. Könnte dies vielleicht zum negativen Image der Galerien beigetragen haben? Künstler sprechen auch über Galerien. Künstler kennen auch andere Menschen. Meinungen verbreiten sich sehr schnell. Galerien sind meist gut für Künstler und Sammler. Das merkt man aber oft nicht, da die Überheblichkeit aller Beteiligten an der Tagesordnung ist.

    2 Leserempfehlungen
    • Mari o
    • 04. Januar 2013 23:10 Uhr

    in den Siebzigern mussteste so tun als wärste ein Ami.
    dann wurden die Gallerysten sofort devot
    Wenn der Betrug dann auffiel,war das Benehmen
    als überheblich zu bezeichnen noch untertrieben.
    man wurde unsichtbar.Luft.stand im Dunkeln.irgendwo im Nirgendwo.
    Falls die ZEIT mal ein Dossier bringen wollte:Titel:Der Kunstbetrieb aus der Sicht eines an ihm gescheiterten,oder so
    ähnlich.Einfach melden

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