Liebeskolumne Darf sie auch mal Schnee räumen?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Darf sie auch mal Schnee räumen?
© Joerg Koch/dapd

Eine Frau schippt Schnee im Hofgarten in München.
Die Frage: Seit Georg und Elinor eine Tochter haben, gibt es immer wieder Streit zwischen ihnen. Elinor sagt, dass Georg nur an sich denkt; Georg kontert, dass Elinor keine klare Ansage macht und sich nachher beklagt. Er erzählt gleich ein Beispiel. Die beiden leben in einem Haus auf dem Land. Bei Schneefall muss die Auffahrt geräumt werden, damit Susanne in den Kindergarten gebracht werden kann. Georg geht nach dem Frühstück hinaus und schaufelt, während Elinor dem Kind die warmen Socken und Stiefel anzieht.
Nachher sagt Elinor vorwurfsvoll: »Du denkst nicht an mich. Ich würde auch gerne einmal schaufeln, die Bewegung an der frischen Luft täte mir gut, du könntest Susi anziehen!« – »Dir kann man es nicht recht machen«, sagt Georg beleidigt. »Warum hast du nichts gesagt?«
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Der scheinbar harmlose Streit verbirgt ein ernstes Problem: den Kontrast zwischen Handlungsdialog und Einfühlungsdialog. Er macht sich oft erst in seiner ganzen Brisanz bemerkbar, wenn ein Kind in die Zweierbeziehung kommt.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Elinor erwartet, dass sich Georg in sie hineinversetzt und sich dafür interessiert, wie es ihr geht. Georg erwartet klare Ansagen und ein Dankeschön, wenn wieder eine Arbeit abgehakt ist.
Wenn sich solche Szenen häufen, werden die Partner einander immer fremder. Georg sollte Elinor nicht ausschimpfen, weil sie nicht klar sagt, was sie will. Er müsste versuchen, den dunklen Kontinent ihrer Bedürfnisse zu erforschen. Elinor hingegen sollte die Kritik an seinem Aktionismus sorgsam in Lob für seine Tüchtigkeit verpacken.
- Die Liebeskolumne
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Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.
Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de
- Datum 27.12.2012 - 07:00 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle ZEITmagazin, 27.12.2012 Nr. 01
- Kommentare 6
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Welchen Grund gibt es, die Analyse des Herr Schmidbauer nicht exakt umgekehrt anzuwenden? Die Ehefrau erfühlt, dass ihr Mann statt die anstrengende, langweilige Schipperei zu erledigen (Aktivismus?!) viel lieber das Kind versorgen möchte und sie tut dies, weil sie sich emotional um ihn kümmert und weil Frau doch genauso gerne wie Männer kräftig zulangen? Da Frauen angeblich auch kommunikativ begabter sind, könnte sie auch auch ganz einfach sagen, dass sie glaubt, er möchte sich viel lieber dem Kind als der Schaufel widmen. Erliegt Herr Schmidbauer nicht einer alten Rollenzuteilung und verteilt damit jegliche Fürsorgepflicht einseitig?
... dass die Analyse auch umgekehrt anwendbar ist. Ich denke aber nicht, dass es Georgs Bedürfnis ist, unbedingt Schnee zu fegen. Ich denke er möchte einfach, dass anfallende Arbeiten erledigt werden. Was aber sein tiefstes Bedürfnis ist, ist eben, klare Ansagen von Elionor zu bekommen. Elionor fühlt sich diesbezöglich umgekehrt nicht in Georg ein. Herr S. sieht die Aufgabe sich in den anderen einzufühlen auf seiten Georgs, des Mannes. Aber, wer sich in wen einzufühlen hat, ist häufig eine Frage der Dominanz. Der Untergordnete muss sich in den Höhergestellten einfühlen, der Übergeordnete spricht daher häufig indirekt, gibt somit Rätselaufgaben, das Verstehen erfordert damit ein Einfühlen, oder wie hier, macht dem anderen einfach Vorwürfe über mangelndes Einfühlungsvermögen, und Herr S. bezieht in dieser Frage wieder einmal Stellung zugunsten der Frau ...
... dass die Analyse auch umgekehrt anwendbar ist. Ich denke aber nicht, dass es Georgs Bedürfnis ist, unbedingt Schnee zu fegen. Ich denke er möchte einfach, dass anfallende Arbeiten erledigt werden. Was aber sein tiefstes Bedürfnis ist, ist eben, klare Ansagen von Elionor zu bekommen. Elionor fühlt sich diesbezöglich umgekehrt nicht in Georg ein. Herr S. sieht die Aufgabe sich in den anderen einzufühlen auf seiten Georgs, des Mannes. Aber, wer sich in wen einzufühlen hat, ist häufig eine Frage der Dominanz. Der Untergordnete muss sich in den Höhergestellten einfühlen, der Übergeordnete spricht daher häufig indirekt, gibt somit Rätselaufgaben, das Verstehen erfordert damit ein Einfühlen, oder wie hier, macht dem anderen einfach Vorwürfe über mangelndes Einfühlungsvermögen, und Herr S. bezieht in dieser Frage wieder einmal Stellung zugunsten der Frau ...
Ich würde Georg Recht geben. Wenn sie sieht, dass er zum Schneeschippen rausgeht, kann sie ihm doch ganz einfach sagen, dass sie das diesmal gerne machen würde und ihn bitten, mit ihr zu tauschen. Das kann doch kein Problem sein. Warum sagt sie ihm das erst hinterher, wenn daran nichts mehr zu ändern ist? Das lässt mich ernsthaft an ihrer Aufrichtigkeit zweifeln. Wenn es ihr wirklich wichtig ist,den Schnee zu schieben, warum sorgt sie dann nicht rechtzeitig dafür, dass sie dies auch tun kann, sondern beschwert sich erst, wenn es zu spät ist? Mir klingt das, als ob sie gerne die Opferrolle spielt.
Ich selbst bin auch weiblich und ich kenne das Problem auch von Elinors Seite. Ich wünsche mir auch, dass mein Partner sich in mich hineinversetzen kann und dass er weiß, was ich mir wünsche, ohne dassich es sagen muss - besonders bei sehr intimen oder gefühlsgeladenen Situationenn wie beim Sex. Ich will zum Beispiel auch nicht sagen müssen, dass ich getröstet werden will, wenn ich unglücklich bin. Trost ist auch nichts, dass maan auf Befehl spenden kann, aber generell würde ich trotzdem sagen: Im Zweifelsfall sollte man immer sagen, was man will - selbst wenn es Trost ist, und zwar rechtzeitig nicht erst hinterher - so umgeht man erstens die Opferfalle und zweitens gibt man seinem Partner überhaupt erst eine Chance, zu lernen was man sich in den verschiedenen Situationen wünscht
Ich denke, das Problem liegt hauptsächlich darin, dass zu dem Glauben erzogen wurden, dass Wünsche und Ansprüche zu stellen etwas Schlechtes wäre. Liebe Kinder sind bescheiden. Also behält man seine Wünsche für sich, steckt lieber zurück und nachher ist man trotzdem sauer. Das ist aber kein guter Weg für eine funktionierende Zusammenarbeit.
Es sind zwei Dinge, die auf Dauer eine Ehe belasten: 1. Es immer so machen wie gehabt und Rollen dabei festschreiben und 2. sich nicht verständigen über Ideen und Wünsche. Alles erstarrt. Gerade Kinder sind ein guten Grund, es genau anders zu machen. Sie sind Ausdruck der gemeinsamn Liebe und werden eine lebendige Partnerschaft als Basis für ihr Vertrauen in das Leben nehmen. Solche Kinder werden so, wie es alle wohl wünschen: sicher, freundlich und neugierig auf das, was kommen wird. Also Eltern: seid beweglich und redet. Nur Mut.
... dass die Analyse auch umgekehrt anwendbar ist. Ich denke aber nicht, dass es Georgs Bedürfnis ist, unbedingt Schnee zu fegen. Ich denke er möchte einfach, dass anfallende Arbeiten erledigt werden. Was aber sein tiefstes Bedürfnis ist, ist eben, klare Ansagen von Elionor zu bekommen. Elionor fühlt sich diesbezöglich umgekehrt nicht in Georg ein. Herr S. sieht die Aufgabe sich in den anderen einzufühlen auf seiten Georgs, des Mannes. Aber, wer sich in wen einzufühlen hat, ist häufig eine Frage der Dominanz. Der Untergordnete muss sich in den Höhergestellten einfühlen, der Übergeordnete spricht daher häufig indirekt, gibt somit Rätselaufgaben, das Verstehen erfordert damit ein Einfühlen, oder wie hier, macht dem anderen einfach Vorwürfe über mangelndes Einfühlungsvermögen, und Herr S. bezieht in dieser Frage wieder einmal Stellung zugunsten der Frau ...
So ein altes Rollendings gefällt mir immer dann ganz gut, wenn es mich in meinem lauschigen Wohlfühleckchen belässt. Wer will denn schon Schnee schippen, wenn's draußen saukalt ist? Andererseits ist es doch mal eine willkommene Abwechslung, sich an die frische Luft zu schmeißen und dabei noch überschüssige Kalorien zu verbrennen und mal etwas Abstand zum nörgelnden Balg zu haben....
Herrlich.
Ich mag diese atemberaubende Möglichkeit, sich per Knopfdruck oder Gedankenklick eine neue Sichtweise zu erschaffen...
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