Die Frage: Seit Georg und Elinor eine Tochter haben, gibt es immer wieder Streit zwischen ihnen. Elinor sagt, dass Georg nur an sich denkt; Georg kontert, dass Elinor keine klare Ansage macht und sich nachher beklagt. Er erzählt gleich ein Beispiel. Die beiden leben in einem Haus auf dem Land. Bei Schneefall muss die Auffahrt geräumt werden, damit Susanne in den Kindergarten gebracht werden kann. Georg geht nach dem Frühstück hinaus und schaufelt, während Elinor dem Kind die warmen Socken und Stiefel anzieht.

Nachher sagt Elinor vorwurfsvoll: "Du denkst nicht an mich. Ich würde auch gerne einmal schaufeln, die Bewegung an der frischen Luft täte mir gut, du könntest Susi anziehen!" – "Dir kann man es nicht recht machen", sagt Georg beleidigt. "Warum hast du nichts gesagt?"

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Der scheinbar harmlose Streit verbirgt ein ernstes Problem: den Kontrast zwischen Handlungsdialog und Einfühlungsdialog. Er macht sich oft erst in seiner ganzen Brisanz bemerkbar, wenn ein Kind in die Zweierbeziehung kommt.

Elinor erwartet, dass sich Georg in sie hineinversetzt und sich dafür interessiert, wie es ihr geht. Georg erwartet klare Ansagen und ein Dankeschön, wenn wieder eine Arbeit abgehakt ist.

Wenn sich solche Szenen häufen, werden die Partner einander immer fremder. Georg sollte Elinor nicht ausschimpfen, weil sie nicht klar sagt, was sie will. Er müsste versuchen, den dunklen Kontinent ihrer Bedürfnisse zu erforschen. Elinor hingegen sollte die Kritik an seinem Aktionismus sorgsam in Lob für seine Tüchtigkeit verpacken.