DIE ZEIT: Herr Lafontaine , wie lange hält Rainer Brüderle es noch aus, nicht Vorsitzender der FDP zu sein?

Oskar Lafontaine:(überlegt lange)

Rainer Brüderle: Also ...

ZEIT:Herr Lafontaine ?

Lafontaine: Wenn die FDP nicht bald zulegt, wird es wohl nach der Niedersachsen-Wahl Mitte Januar einen Wechsel an der Spitze geben. Und dann wird Rainer Brüderle ranmüssen. Ich zweifle aber, ob ich ihm das wünschen soll.

ZEIT: Weil er zu sympathisch ist, als dass man ihm die FDP an den Hals wünschen sollte?

Lafontaine: Der Parteivorsitz ist ein äußerst schwieriges und sehr belastendes Amt. Ich habe zwei Parteien geführt, ich bin da gewissermaßen Experte. Jeder muss sich überlegen, ob er so eine Aufgabe übernimmt. Aber um Rainer Brüderle die Zukunft nicht ganz zu verbauen: Jung genug dafür wäre er. Ich habe kürzlich gesehen, wie Mick Jagger noch seine Show abzieht. Wenn ein 69-Jähriger die Bühne rocken kann, dann kann ein 67-Jähriger sicherlich die FDP führen.

ZEIT: Herr Brüderle, wie lange halten Sie es noch aus, nicht Vorsitzender der FDP zu sein?

Brüderle:(lacht) Mindestens die nächsten 50 Jahre. Ich bin bereits Vorsitzender – der FDP-Bundestagsfraktion.

Lafontaine: Man stützt einen Vorsitzenden, oder man stürzt ihn. Das ist eine bittere politische Wahrheit, aber so ist es nun mal. Und wenn man einen Wechsel an der Spitze will, dann muss man ihn eben durchführen. Darüber zu quatschen oder in illustrer Runde ständig über »den da« herzuziehen, schadet nicht nur dem Vorsitzenden, sondern der ganzen Partei.

ZEIT: Wie wird man einen ungeliebten Parteivorsitzenden los?

Lafontaine: Na ja, ich habe mal eine Rede gehalten ... Das war allerdings – im Gegensatz zu dem, was öffentlich immer behauptet wird – kein geplanter Putsch. Sie führte bloß dazu, dass die SPD einen neuen Mann an ihrer Spitze wollte. Ob Rainer Brüderle sich daran orientieren wird, muss er selbst wissen.

ZEIT: Werden Sie, Herr Brüderle? Beim Dreikönigstreffen am 6. Januar reden Sie ja.

Brüderle: Ich muss Sie enttäuschen: Ich unterstütze Philipp Rösler als Vorsitzenden meiner Partei, und ich werde das auch nach der Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar tun.