Jakob FalknerDer Schneekönig

Vom österreichischen Skiort Sölden aus hat Jakob Falkner ein innovatives Alpen-Imperium geschaffen von 

Jack Falkner betritt den Raum, und es geschieht – nichts. Der kleine Mann mit den brav gescheitelten dunklen Haaren, der langen, leicht nach unten gebogenen Nase und der schlichten Brille ist in die Lobby des modernen Bergland-Hotels in Sölden gekommen, um dort an einem Empfang teilzunehmen. Falkner stellt sich an einen der Tische. Niemand hat sich zu ihm umgedreht, keiner blickt in seine Richtung. Es scheint ihn nicht zu wundern. Und doch ist der Herr im dunklen Allerweltsjackett der ungekrönte König des Ötztals, einer der einflussreichsten Männer in Tirol und außerdem für viele ein Vorreiter des alpinen Tourismus. Manchen gilt er als gefährlicher Abenteurer.

Sölden ist als schneesicherer Skiort mit hohem Partyfaktor bekannt. Am Berg beginnt die Fete schon nachmittags mit Oktoberfest-Musik und Hochprozentigem, und unten auf der Hauptstraße geht der Trubel weiter bis tief in die Nacht. Doch das ist nur der eine Teil. Früh hat der österreichische Skiort in moderne Liftanlagen investiert, die Tausende von Touristen flugs auf den Berg befördern und lange Schlangen eliminieren. Beide Gletscher des Ortes wurden für Skifahrer erschlossen und dann mit dem traditionellen Gebiet rund um Gaislachkogel und Gigijoch zu einem eindrucksvollen Areal verbunden, das zugleich Pisten mit Tourenabfahrten, Massenerlebnisse auf Skiautobahnen und die Ruhe des Tiefschnees bietet. Von drei Gipfelplattformen oberhalb von 3.000 Meter Höhe können Besucher die Tiroler Alpen überblicken.

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Geld ist für Falkner vor allem eines: Investitionsmittel

Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern vor allem die strategische Leistung des 56-jährigen Jakob Falkner, der seit Schultagen Jack genannt wird. Er ist nicht Bürgermeister, das würde ihm viel zu viel Diplomatie abverlangen, er ist der unangefochtene Chef und Miteigentümer der Bergbahnen und damit Chefingenieur der Söldener Geldmaschine.

Geld ist für Falkner vor allem eines: Investitionsmittel. In der Mitte des Ötztales haben er und seine Leute ein riesiges Schwimm- und Spa-Zentrum mit angeschlossenem Hotel hingestellt, den Aqua Dome. An den Taleingang nahe der Inntal-Autobahn haben sie für die wärmeren Monate die Area 47 gebaut, eine Erlebnislandschaft, in der die Besucher Bergwände hoch und in Höhlen hineinklettern, sich durch Wildwasser kämpfen und Open-Air-Konzerte hören können. Falkners Ski- und Eventimperium reicht sogar bis in die Niederlande und in die Nähe von Hamburg, wo die Tiroler drei Skihallen betreiben. Nicht jede einzelne Söldener Außenstelle ist profitabel, Hauptsache, sie macht den Ort noch bekannter, lockt mehr Gäste ins Tal. Falkner nennt den Effekt seiner Außenstellen »die Umwegrentabilität«.

So unscheinbar Falkner zunächst auch wirkt, entpuppt sich der Unternehmer im Gespräch als gerade idealtypischer Schöpfer und Zerstörer, der mit den Innovationen vorangeht, wie der österreichische Ökonom Joseph A. Schumpeter gesagt hätte. Falkner ist einer, der Veränderung anstrebt, wenn die anderen noch an der Sicherheit des Status quo hängen. Die Area 47 war so ein Fall. Was soll das, haben viele Söldener gedacht, jetzt dreht der Jack durch. Der sagt, er habe sich nervös und unter Druck gefühlt wie selten zuvor, als der riesige Abenteuerspielplatz vor zweieinhalb Jahren öffnete. Doch die Wachstumsraten seien hoch.

Der Ort

Sölden ist ein altes Bergbauerndorf im Ötztal. Es liegt auf 1.368 Metern und zählt etwa 4.200 Einwohner. Auf die hohen Wiesen kamen Jäger und Hirten schon in der Steinzeit. Das wurde spektakulär durch den Fund des Ötzi belegt. Bis in die 1970er Jahre waren Sommer- und Wintertourismus gleichbedeutend, seither wird der Winter bevorzugt. Der Skiort zählt fast 40 Seilbahnen bei rund 150 Kilometern Piste. Im Jahr kommt er auf fast zwei Millionen Übernachtungen.

Die Expansion

Jack Falkner, 56, ist das zweite von vier Kindern des Bergbahn-Pioniers Hans Falkner. Mit dem Sohn im Management richtete Sölden 1993 erstmals ein Weltcup-Skirennen aus, das mittlerweile jährlich im Herbst auf dem Rettenbach-Gletscher ausgetragen wird. 1998 baute man eine Verbindungsbahn zwischen Winter- und Gletscherskigebiet. Plattformen auf drei Gipfeln von mehr als 3.000 Meter Höhe zieren seit 2004 das Skigebiet (unten im Bild der Gaislachkogel). Im selben Jahr kam die größte Bade- und Saunalandschaft Tirols hinzu. 2006 eröffnete die Skihalle in Bispingen bei Hamburg, 2010 der Erlebnispark Area 47 am Eingang des Ötztales.

Schon die Badelandschaft namens Aqua Dome war ein umstrittenes Wagnis. »Man muss Bewegung ins Gesamtangebot bringen. Den Markt bearbeiten. Vielfältig sein«, hält Falkner seinen Söldener Kritikern entgegen. »Das war richtig.« Einer seiner Lieblingssätze heißt: »Der Tourismus steht nie still.«

Falkner beschreibt sich als gut funktionierenden, freiheitsliebenden Junggesellen. Seine Wohnung hat er im einzigen Fünf-Sterne-Hotel Söldens, dem Central, das von einer seiner beiden Schwestern geführt wird. Die andere ist fürs Bergland verantwortlich.

»Ich lebe bewusst im Hotel«, sagt er am Tag nach dem Empfang. Man lerne neue Geschäftspartner und Freunde kennen, »Sportmanager zum Beispiel, vernünftige Banker auch«. Er sitzt in der kleinen Stube nahe der Bar des Central, in der er oft zu Abend isst und dazu Wein und »Jack-Wasser« trinkt, das er über eine eigene Veredelungsanlage aus der Leitung zapft.

Um sechs steht er morgens auf, setzt sich auf den Hometrainer, liest sein geliebtes Handelsblatt aus Deutschland. Für ihn lesen sich Wirtschaftsnachrichten wie ein spannender, endloser Roman. Was ist los mit der Deutschen Bank? Wie hat sich der Chef des Tourismuskonzerns TUI so lange halten können? Was macht der Peter Löscher bei Siemens? Es gibt wenige deutsche Unternehmer, mit denen man profunder darüber diskutieren könnte.

Dann erzählt er vom Vater.

Hans Falkner war ein Söldener Bäckerssohn, dem das Familiengewerbe schon als Teenager viel zu eng war. Die Preise fürs Mehl und fürs Brot standen mehr oder weniger fest – wo sollte man da unternehmerisch tätig sein? Eines Tages sollte er sich eine zum Verkauf stehende Kuh anschauen und kam zum großen Ärger seines Vaters mit fünf gekauften Tieren zurück. Viehhandel, das wurde sein erstes Geschäft. Und zwar nicht nur im Tal, sondern bald auch mit den Italienern im Süden. Hans Falkner ließ sich nicht aufhalten, und als der einzige Lift am Ort, der alte Einersessellift, Bankrott machte, übernahm er ihn. Aber nicht allein – was nur zu Unfrieden und innerörtlicher Konkurrenz geführt hätte wie später in so vielen Alpenorten. Er beteiligte zwei weitere Familien und legte damit den Grundstein für das heutige Bergbahn-Imperium.

»Mein Vater war der Patriarch, ich der Prokurist«

Als Hans Falkner in den siebziger Jahren eine Straße zum Gletscher bauen ließ und zum Pionier des Sommerskilaufs wurde, war sein zweites Kind Jack noch »ein junger Typ, der die Nacht zum Tag machte«. Ärger und Ohrfeigen (»Watschn«) gab es zu Hause, doch zum Bruch mit dem bewunderten Vater, »der so viel aufgebaut hat, aber immer ein einfacher Mensch blieb«, kam es nie. Sein Geld verdiente der junge Sohn mit Jobs am Lift und im Kartenverkauf. Irgendwann wurde er ruhiger, mit 26 trat er ins Management der Bergbahnen ein. Ein paar Jahre später war klar: Jack würde der nächste Chef. »Mein Vater war der Patriarch, ich der Prokurist.«

Die Lust am Zeitunglesen hat er vom Vater. Und das Fernweh. »Ich bin noch nie dümmer zurückgekommen«, sagte Hans Falkner immer. Sein Sohn Jack auch nicht. Als er Mitte 30 war, gründete er seine Zukunftsrunde mit Hoteliers, Seilbahnern und Sportartikelherstellern wie Salomon. Dessen Geschäftsführer ist ebenso dabei wie der Tourismuschef von Kitzbühel und der Erbe des Weltmarktführers bei Seilbahnen, Doppelmayr. Einmal im Winter und einmal im Sommer reist die Runde in andere Gebiete, in die französischen Alpen, die spanischen Pyrenäen oder die amerikanischen Rocky Mountains, um nachzusehen, wohin sich der Tourismus bewegt.

Leserkommentare
    • Sogo
    • 05. Januar 2013 21:34 Uhr

    aus der - in Deutschland heftig kritisierten - Pifke Saga ist nichts weiter als die Verklärung einer ruhmreichen und einfachen Vergangenheit und in den 80iger Jahren war es schon schlimm.
    Sölden ist unerträglich, und Herr Falkner das beste Beispiel, wie öffentliche Gelder für den eigenen Profit genutzt werden.

    Sölden - ein Alptraum!

    3 Leserempfehlungen
  1. Abgesehen von dem fehlenden Hinweis, das es sich beim Artikel um Werbung handelt....hinter der "Heile Welt" Fassade aus einem an Niveaulosigkeit nicht zu unterbietenden Massentourismus, wo es den Verantwortlichen dann völlig egal ist, wie sehr man die Natur oder die Menschen dabei zerstört; ales andere wird bekanntlich ja unter eine Planierraupe gekehrt; ob man nunmehr mordet oder nicht; ist völlig irrelevant und so wie man dann ist; verroht grobschlaechtig und jenseits jeder humanistischen Ausprägung; dahingehend arbeitet und lebt man dann diesem Tirol, in einer entkultivierten Seichtigkeit, aufgebaut der Liderlichkeit, Verlogenheit und Unmenschlichkeit.

    Das hinter dem Tourismus-Motor diesem Tirol ein unglaublich widerlicher Menschenschlag steht; welche skrupelloser als jeder Finanzakrobat es jemals könnte, über unschuldiger Menschen- und Kinderleben, mit ihrer Planierraupe darüberfahren; über die Schattenseiten dieses Hochglanzprospekt, wo jeder ethische, moralische oder gar menschliche Aspekt ansatzlos zerstört wird; darüber schreibt nie irgendjemand....denn immerzu 24stündiger Sonnenschein für eine menschlich restlos verkommenen Clique monströser Tourismusmanager, deren persönliche Erbärmlichkeit, nur noch von ihrer Armseligkeit dann übertroffen wird; als der Totengräber Tirols immerzu als der besten Menschen zu erscheinen....

    3 Leserempfehlungen
    • inecht
    • 07. Januar 2013 8:10 Uhr
    3. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

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