PersonenrätselLebensgeschichte

von Wolfgang Müller

Die ringellockige Kleine im rosa Satinkleidchen stampfte vor Wut mit dem Fuß auf, weil sie nicht im Rampenlicht stand. Erst als die Scheinwerfer auf sie gerichtet waren, intonierte sie mit verblüffend tiefer Stimme einen Gassenhauer und führte ein Tänzchen auf. Ihr Bühnendebüt war ein voller Erfolg. Die Eltern fühlten sich bestätigt, dass Schule nicht wirklich weiterbringt, Tanzunterricht und Prinzessinnenkleider (die Mutter), Muskeltraining und Erfahrungen in der Halbwelt (der Vater) hingegen schon. Mit dreizehn Jahren war Schluss mit dem Bildungsunfug, der sie nur von ihrer Arbeit abhielt, mit der sie die Familie ernährte. Stattdessen lernte sie das Leben, spielte, sang, tanzte und konnte angeblich drei Männer auf den Schultern tragen. Mit achtzehn heiratete sie heimlich einen Bühnenpartner, bereute es aber schon nach wenigen Tagen und schloss den Gatten im Hotel ein, um auszugehen und nach ihrer Fasson Spaß zu haben. Das Recht einer Frau auf ein lustvolles Leben wurde ihre Mission. In einer Zeit, in der der Widerspruch zwischen den gesellschaftlich hochgehaltenen Werten und der Lebenspraxis noch kaum diskutiert wurde, mehr als eine Provokation. Als sie dazu überging, sich die Rollen für ihre stilisierte "Persönlichkeit" auf den Leib zu schreiben, brachte ihr das umgehend einen aufsehenerregenden Prozess und zehn Tage Gefängnis ein. Aber was war das schon, wo doch die Kasse nur umso lauter klingelte! Und so nahm sie sich in den folgenden Stücken noch skandalträchtigerer Themen an. "Unsäglicher Schmutz", wetterte die Kritik, aber das Publikum lag ihr zu Füßen.

"Es geht nicht darum, was du machst, sondern wie!", kommentierte sie ihren Erfolg. Dieses "Wie" sei hypnotisch, hieß es anderswo, denn mit ihren lasziv trägen Bewegungen mache sie eigentlich gar nichts. Ihr Gehirn muss jedoch umso flinker gearbeitet haben, um die treffsicheren Pointen zu liefern, mit denen die Nachwelt sie bis heute zitiert. "Ich habe die Geschichte selbst geschrieben", sagte sie etwa, wobei ihre Geschichten sich mehr oder weniger alle glichen, denn immer ging es "um ein Mädchen, das seinen guten Ruf verloren und nie vermisst hat". Wer war’s?

Anzeige

Lösung aus Nr. 52:

Israel "Brudda Iz" Kamakawiwo ’ole (1959 bis 1997), an Adipositas leidender Sänger und Ukulele-Spieler aus Hawaii, stürmte 2010 mit "Over the Rainbow" die deutschen Charts – 13 Jahre nach seinem Tod

Zur Startseite
 
  • Schlagworte Adipositas | Eltern | Gefängnis | Gehirn | Geschichte | Hotel
Service