Schwarzes Leder - endlich elegant. Rock von Haider Ackermann für 1359 Euro © Peter Langer

Der schwarze Lederrock war früher einmal etwas Knallenges, das knapp unter dem Hintern endete. Das verschaffte ihm den Ruf von etwas allzu Erotischem. Diesen Herbst ist er in neuer Form zurückgekehrt in die große Mode: als Bleistiftrock.

Er ist knielang und wurde von Christian Dior in den fünfziger Jahren entworfen – ohnehin eng, verjüngt er sich zum Saum noch weiter. Nun zeigt Derek Lam in seiner Herbstkollektion einen Bleistiftrock in schwarzem Nappaleder, und auch bei Valentino , Alexander Wang, Versace , Fendi, Haider Ackermann und Calvin Klein wird Leder wiederentdeckt. Einfach zu tragen ist der Lederrock allerdings nicht. Schwarzes Leder strahlt ja nicht nur Verruchtheit aus, sondern auch eine Rockerhaftigkeit, sodass man am besten einen Kontrast schafft und eine hochgeschlossene Bluse dazu trägt.

Das Archaische besitzt Leder nicht von ungefähr, es ist immerhin das älteste Material, in das Menschen sich gekleidet haben. Lange bevor man gelernt hat, Fasern zu spinnen, zog man schon Tieren das Fell ab. Dabei wärmte Leder nicht nur, man glaubte auch, der Träger übernehme die Fähigkeiten des erlegten Tieres. Leder macht stark: Diese Assoziation gibt es noch heute, weshalb es so gern von Motorradgangs und Piloten getragen wird.

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Der Reiz des Leders in seiner neuen Ausprägung ist ein anderer. Denn es wird zu einem Kleidungsstück geschneidert, das bislang nicht gerade für große Freiheit stand. Schließlich ist der Bleistiftrock auch als Humpelrock bekannt, der seiner Trägerin nur kleine Schritte erlaubt. Gerade deswegen passte er gut in die fünfziger Jahre, denn das war die Ära, in der die Kriegsheimkehrer ihre Frauen zurück an den Herd drängten. Oder eben als sexy Sekretärinnen einsetzten, die im Pencil-Skirt zum Diktat herbeitippelten. Nun jedoch ist der enge, lange Rock seinem ursprünglichen Kontext entfremdet, er wird gewissermaßen unter veränderten Bedingungen zurück in die Wildnis überführt.

Es ist ein Segen, dass das Leder zur Frau zurückfindet. Denn leider sieht Leder an vielen Männern einfach unpassend aus. Man wird nicht zum Bären, nur indem man seine Haut anzieht. Das musste übrigens auch so mancher Steinzeitmensch erfahren.