Stimmt’s?Ist Flüssigseife unwirtschaftlicher und umweltschädlicher als feste Seife?

...fragt Heinz Müller aus Neunkirchen-Seelscheid. von 

Hände Seife Waschen Flüssigseife

Eine Frau in New York wäscht sich die Hände.  |  © Shaul Schwarz/Getty Images for Unilever

An deutschen Handwaschbecken hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Revolution abgespielt. Das oft unansehnliche Stück Seife, das dort lag, ist weitgehend ersetzt worden durch einen Spender für Flüssigseife. Diese Drückflaschen sind ziemlich praktisch. Man muss nicht viel rubbeln, und vor allem klebt der Dreck des vorherigen Händewaschers nicht an der Seife.

Schaut man nur aufs Geld, dann ist die feste Seife natürlich um Größenordnungen billiger. Ein 100-Gramm-Stück, das zum Beispiel 40 Cent kostet, hält Monate, während die für dieses Geld erhältliche Menge Flüssigseife in einer Woche verbraucht sein dürfte.

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Auch unter Umweltgesichtspunkten ist die feste Seife der flüssigen überlegen, und das gleich aus mehreren Gründen.

Erstens ist feste Seife chemisch sehr simpel und wird aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt (die meisten Ingredienzien fallen als Reste bei der Tierschlachtung an). Flüssige Seifen dagegen enthalten mehr bedenkliche Stoffe, so benötigen sie Konservierungsmittel, weil sie ständig feucht sind.

Zweitens neigen wir bei der Flüssigseife dazu, mehr zu nehmen, als wir brauchen – die meisten drücken nicht nur einmal kurz, sondern zwei- oder dreimal auf den Spender. Das ist nicht nur schädlich für die Haut, es gelangen auch mehr Reinigungssubstanzen ins Abwasser.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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Und das dritte Umweltargument: Die Flüssigseife besteht zum größten Teil aus Wasser, es werden also beim Transport große Mengen Wasser durch die Gegend gefahren. Feste Seifenstücke dagegen sind konzentrierte Reinigungskraft.

Das alles sind recht pauschale Argumente – es gibt von fester und flüssiger Seife teure und preiswerte Sorten, und insbesondere bei den Flüssigen unterscheidet sich der Chemiecocktail von Marke zu Marke. Wer zu den ökologischeren Produkten greift, hat auch schon einiges für die Umwelt getan.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Es stimmt schon, daß als Rohstoff für Seife das Fett von Schlachtabfällen verwendet wird.

    Das ist aber der kleinste Anteil. Tierkörperverwertungen verarbeiten hauptsächlich verendete Tiere aus der Aufzucht.
    (Landwirtschaft kann man das ja nicht mehr nennen )

    Aus dem Fett ensteht Seife und der Rest wird als Tiermehl wieder verfüttert.

    Aber solche einfachen Weisheiten will hier keiner lesen.

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  2. ... Hobbykosmetiker machen ihre Flüssigseife aus verschiedenen Ölen (Olive, Traubenkern, Aprikosenkern, Mandel etc.), Kaliumhydroxid, abgekochtem Wasser, ätherischen Ölen und etwas Zitronensäure für den pH-Wert.

    Ist zwar aufwendiger, dafür ist das Resultat aber stabil.

    Beispiele:

    http://schaumzwerg.blogspot.de/2010/12/flussigseife-leichtgemacht.html

    http://nature-beautyrecipe.blogspot.de/2010/06/wie-macht-man-fluigseife-...

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  3. Wer es ganz Öko und sparsam will kann ja ein Seifenmühle verwenden.

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  4. Transportargument leuchtet kaum ein, wenn man sich vor Augen führt, wie wenig Liter flüssige Seife man im Jahr verbraucht. Im Vergleich dazu wie viel Liter für Getränke.
    Also da täte man erheblich mehr für die Umwelt, wenn man mehr Leitungswasser statt Mineralwasser und mehr Tee und Kaffee statt Limo, Cola oder Bier trinken würde.
    Die feste Seife wird oft nicht bis zum Ende verbraucht. Übrig bleibt oft ein glitschiger Rest, bei dem man, wenn er wirklich bis zum Ende verbraucht wird, sehr lange das Wasser laufen lassen muß, bis man die Hände ausreichend eingeschäumt hat.
    Auf die Unfallgefahr durch durchs Drauftreten auf weggeflutschte Seifenreste wurde bereits hingewiesen.
    Die Herkunft der festen Seife aus Schlachtabfällen macht sie mir auch nicht sympathischer.

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    Der Transport von Seife oder Getränke lässt sich nicht direkt vergleichen. Bei den Getränken steht die Frage im Mittelpunkt: "Womit lösche ich meinen Durst?" Da ist die Flüssigkeit entscheidend. Bei der Seife istes die Frage: "Womit bekomme ich meine Hände sauber?" Ist dafür in Seife gebundenes Wasser wichtig? Wenn nicht, dann sollte es auch nicht mit transportiert werden. Auch wenn ich nur relativ wenig verbrauche. Es ist aber für die Aufgabenerledigung falsch eingesetzt und lässt sich vermeiden.

    Bei Umweltfragen kann man sehr viele Argumente einfach aus dem Weg gehen, weil sie vermeintlich vernachlässigbar sind. Es sollte adbei aber nicht vergessen werden dass die Erdbevölkerung stark zunimmmt, und folglich die Auswirkungen der aufsummierten kleinen Effekte durchaus grössere Effekte haben.

    Kurzum: Kleinvieh macht auch Mist!

    • dëfr
    • 05. Januar 2013 10:34 Uhr

    In der aufgeführten Ökobilanz wurde vergessen, dass
    Flüssigseife immer auch Plastikmüll mit sich zieht,
    egal ob neuer Spender oder Nachfüllpackung.
    Feste Seife kommt gewöhnlich in einer Pappe.

    Das war eigentlich mein Hauptargument wieder auf feste Seife umzusteigen.

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    Ich finde, das ist ein wichtiges Argument und hätte im Text nicht fehlen dürfen. Danke fürs Anmerken.

    • Jamml
    • 05. Januar 2013 11:13 Uhr

    ..ist, dass oft palmöl in den seifen enthalten ist. egal ob flüssig oder fest. das sollte auf jeden fall vermieden werden.

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  5. Wie ist es um den Wasserverbrauch beim Verwenden der beiden Seifenformen bestellt? Genauer: in Abhängigkeit von der Art des Wasserhahns. Sensor oder Standard Hebelmischer?

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  6. Die meisten Flüssigseifen lassen sich schlecht von der Haut abwaschen - es bleibt oft ein unangenehm schleimiger Film auf der Haut.

    Eine Seifenmühle zur Wandmontage würde das beste aus zwei Welten vereinen. Wird so etwas noch hergestellt?

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    "Eine Seifenmühle zur Wandmontage würde das beste aus zwei Welten vereinen. Wird so etwas noch hergestellt?"

    Nach einigem Gewühle gefunden: Die <a href="http://www.papierwalther.de/shop/article_Trockenseifen%2520Spender%2520A... Drehspender</a> aus Alu, die man aus den Zugtoiletten kennt. Ansonsten gibt es wohl nix mehr. Ob dieser spezielle Spender auch andere Seifen als die dazu gelieferten frisst/zerreibt, weiß ich nicht.

    Ach so, vergaß in #55: Die Firma Sapor stellt auch Trockenseifenspender in anderen Designs her als die von mir verlinkten.

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