Und dann passiert im japanischen Fukushima auch noch die Atomkatastrophe. In Berlin beschleunigt die Regierung den deutschen Atomausstieg. Und in Stuttgart kommen die Grünen an die Macht – auch an die Macht bei EnBW.

Die Grünen könnten Land und Unternehmen zu einem Musterbeispiel für Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien umbauen – doch sie wissen nicht, wie sie mit ihrer Macht umgehen sollen. Auch beim Regierungspartner SPD scheint sich niemand so richtig damit befasst zu haben, was mit der EnBW geschehen soll. Und einer, der es wissen müsste – der grüne Umweltminister Franz Untersteller –, darf nicht, weil er als Chef der Atomaufsichtsbehörde nicht zugleich Aufsichtsrat der Stromfirma sein kann. Von Aufbruchstimmung und Tatendrang ist wenig zu spüren. In Stuttgart begegnet einem die große Ratlosigkeit.

Aufarbeiten, wer für die dubiosen Geschäfte verantwortlich ist? »Das überlassen wir der Staatsanwaltschaft«, heißt es aus der Partei, die früher nichts ausließ, den Atomkonzern zu kritisieren.

Ist Bykow Vergangenheit? »Wir hoffen es.«

Wie soll der Atomkonzern mit grüner Energie künftig Geld verdienen? »Wir zählen auf den Geist des neuen Vorstandsvorsitzenden.«

Und die Probleme werden größer und größer. In diesem Jahr hat EnBW rund ein Viertel weniger Strom verkauft als im Vorjahr, prestigeträchtige Kunden wie Bosch und Daimler sind schon zuvor abgesprungen. Auf dem Unternehmen lasten acht Milliarden Euro Schulden. Im vergangenen Jahr hat die EnBW einen Verlust gemeldet, weil Beteiligungen zuvor zu teuer gekauft worden waren und zwei der vier Atomkraftwerke nicht mehr laufen. Auch auf dem lokalen Markt tut sich die EnBW schwer – viele Stadtwerke wenden sich ab, sie fühlten sich jahrelang schlecht behandelt und können nun dank Windrädern und Solaranlagen eigene Wege gehen.

Statt die Energiewende voranzutreiben, wird die EnBW von ihr überrollt. Mit der neuen Welt, in der es statt weniger Großanlagen Tausende kleine Kraftwerke in den Gärten und auf den Dächern der Kunden geben wird, weiß die EnBW nicht umzugehen. Strom aus erneuerbaren Quellen hat Vorrang im Netz, die bestehenden Kraftwerke geraten dadurch immer weiter unter Druck; sogar der Preis für Spitzenlaststrom verfällt an der Börse, Pumpspeicher lohnen sich nicht mehr. Beim Umbau auf grünen Strom gab es zuletzt einen Rückschlag, das Unternehmen musste ein Windkraftprojekt in der Nordsee stoppen. »Die alte Welt stirbt schneller ab, als die neue wächst«, sagt ein grüner Politiker. »Und mit ihr die EnBW.«

Auch Andrej Bykow muss sich grämen. Die Schweizer Justiz ließ Gebäude früherer Bykow-Firmen durchsuchen und legte mehrere Hundert Millionen Euro auf Eis. Doch Anfang nächsten Jahres will Bykow in die Offensive gehen. Er wird ein Buch über den Fall EnBW veröffentlichen, »mit der ganzen Wahrheit«, wie er sagt.