Auch den Schutz von Versuchstieren in der Wissenschaft stärkt das Gesetz: Demnach dürfen an Menschenaffen wie Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans keine Versuche mehr durchgeführt werden, sofern diese nicht der »Erhaltung dieser Arten oder den Menschenaffen selbst dienen«.

Für den Deutschen Naturschutzbund ist dieses Verbot allerdings nur »halbherzig«, weil es Experimente an einigen anderen Primatenarten, wie etwa Rhesusaffen (Makaken), nicht verbietet. Diese »niedereren« Primatenarten fallen unter das allgemeine Tierschutzgesetz, und das schreibt lediglich vor, dass die Leiden der Tiere »im Hinblick auf den Versuchszweck ethisch vertretbar« sein müssen.

Was allerdings ist ethisch vertretbar? Und wie bedeutsam muss ein Zweck sein, damit er die Mittel heiligt? Diese Grundsatzfrage wird seit Jahren in Bremen verhandelt. Dort tobt der wohl heftigste Streit zwischen Tierschützern und Wissenschaft (ZEIT Nr. 48/08). Denn der Hirnforscher Andreas Kreiter betreibt an der Universität Bremen Grundlagenforschung an Makaken: Er pflanzt ihnen feine elektrische Sonden ins Gehirn, um ihre Wahrnehmung zu studieren.

Tierschützer haben diese Versuche stets bekämpft, die Bremer Gesundheitsbehörde hatte sie zunächst erlaubt – bis die Politik das Thema im Wahlkampf entdeckte. Der politische Druck führte dazu, dass die Gesundheitsbehörde 2008 Kreiter die weitere Genehmigung verwehrte – wogegen der Forscher und die Universität klagten.

Nach jahrelangem Rechtsstreit entschied nun Anfang Dezember das Oberverwaltungsgericht Bremen: Kreiter darf weiterforschen. Unabhängige Gutachten hätten gezeigt, dass die Belastung für die Makaken während der Versuche allenfalls »mäßig« sei; Kreiters Forschung dagegen sei von »außerordentlicher Bedeutung« und besitze »internationalen Rang«. Daher falle die Abwägung zugunsten des Forschers aus.

Beim neuen Tierschutzgesetz ist dagegen das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der jetzige Entwurf muss erst den Bundesrat passieren – für die Tierschützer eine letzte Chance, ihre Einwände vorzubringen. Die wollen sie nutzen: Die Regierung sei mit ihrer »Tiernutzpolitik« und den »Zugeständnissen an die Agrarlobby auf direktem Weg zur roten Laterne in der EU-Tierschutzrangliste«, heißt es in einer Stellungnahme des Tierschutzbundes. Bei der Abstimmung im Bundesrat, fordern die Tierschützer, sollten sich die Länder nicht auf den Kompromiss der Bundesregierung einlassen und den Vermittlungsausschuss anrufen.