WeltverbesserungGesellschaft, was fehlt dir?
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Arbeit für alle


Verändern lässt sich die Gesellschaft am einfachsten, wenn es einen Grundkonsens gibt. Zum Beispiel bei der Durchsetzung der Menschenrechte. In Artikel 23, Absatz 1, heißt es: »Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.« Das muss man sich mal vor Augen halten: Recht auf Arbeit – und nicht etwa auf Schutz bei Arbeitslosigkeit! Wie aber lässt sich das umsetzen? Nicht mit dem Grundeinkommen, das die Spaltung der Gesellschaft nur forciert: in die einen, die sich zu Tode schuften, und die anderen, die sich zu Tode langweilen beziehungsweise amüsieren. Recht auf Arbeit kann also nur heißen: Teilzeitarbeit, auf gesamtgesellschaftlicher Basis.

Können wir uns nicht leisten, lautet der Einwand. Die hohen Lohnnebenkosten! Der Mehraufwand für Koordination! All die Leute, die so unersetzbar sind, dass nur sie allein eine bestimmte Arbeit verrichten können! Und schließlich die Motivation, die Kreativität, die Spitzenleistung: Würden sie nicht unweigerlich sinken, wenn der Einzelne sich bescheiden muss und teilen? Darauf könnte man antworten, dass:

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– die Lohnnebenkosten aufgefangen werden, weil die Kosten der Arbeitslosigkeit entfallen

– die Koordination durch die neuen Kommunikationsmedien erleichtert wird

– vermeintlich unersetzbare Arbeitskräfte ihre Unersetzbarkeit sicherlich auch auf anderen Gebieten ausleben können und

– Spitzenleistungen nicht im Geringsten leiden werden, weil Geld ohnehin nicht deren Motor ist, sondern die Liebe zu einer Tätigkeit.

Muss ein Recht auf Arbeit nicht in ein Zwangssystem münden? Wir empfinden es vielleicht als einen tiefen Einschnitt in unser persönliches Recht, nicht mehr so viel erwerbsarbeiten zu können, wie wir es wollen. Aber so ist das nun mal: Die Rechte des einen beschneiden die des anderen. Auch jetzt beschneidet derjenige, der neunzig Stunden arbeitet, faktisch das Recht eines anderen auf Arbeit. Man muss also abwägen. Und es spricht viel dafür, dass das Recht auf Arbeit für alle zu einem besseren Leben führt als ein Recht auf Profitmaximierung, in deren Genuss nur einige wenige kommen.

Maximilian Probst

Leserkommentare
  1. Nun, dem Inhalt des kurzen Beitrages kann ich schnell zustimmen. Wo aber wird jetzt das öffentliche Gespräch hierüber angestoßen?

    Beiträge, die über den Tellerrand hinausweisen und den Alternativlos-Merkelialismus durchbrechen, tauchen in der Publikumsresse von Zeit zu Zeit - im Krisen-Rhythmus - auf. Leider bleiben Sie immer kurz und folgenlos (eine der rühmlichen ausführlicheren Ausnahmen: Uchatius' "Wir könnten auch anders" http://www.zeit.de/2009/2... ).

    Und wenn ein Frank Schirrmacher sich fragt, ob die Linke doch recht hat ( http://www.faz.net/-0229sx ), dann werden nicht die Inhalte seiner Analyse diskutiert. Sondern nur, dass so einer wie Schirrmacher das schreibt.

    Es fehlt eine breite offene liberale Auseinandersetzung über große und kleine Alternativen zum Alternativlos. Das öffentliche gesellschaftliche Gespräch. Politiker werden Alternativen erst folgen, wenn eine genügende kritsche Masse öffentlich wahrnehmbar in diese Richtung denkt.

    Bedauerlich.

    p. s.: Ist der Titel der Kolumne "Weltverbesserer" eigentlich ironisch gemeint? Und warum steht sie im Ressort "Kultur"?

    8 Leserempfehlungen
  2. Letztlich kann man gar nicht verhindern, daß sie sich verändert. Die Geschichte ist noch lange nicht vorbei, und gerade die junge Generation - die vor allem als Opfer der heutigen Gesellschaft (und der Politik der letzten 20 Jahre) angesehen werden kann - wird sicher nicht zulassen, daß der Status Quo lange beibehalten wird.

    Außerdem muß man nur mal 10-15 Jahre zurückdenken und überlegen, wie sehr sich die Welt seitdem verändert hat, um zu sehen, daß gewaltige Veränderungen im Gange sind.

    4 Leserempfehlungen
    • Hagmar
    • 05. Januar 2013 20:27 Uhr

    ein überraschender, nahezu frech zu nennender Jessen-Beitrag: "Denn alles, was groß und herrlich ist am Menschen, formiert sich im Widerstand gegen die Mehrheit."

    Trete ich deshalb so sehr in Resonanz, weil ich in der Schweiz lebe und Dänemark ein bisschen kenne? Jedenfalls sind Herrn Jessens Gedanken mehr als die "schöne Kleinigkeit" auf dem Abendbrottisch bei Frau von Thadden. Gefährlicher Sprengstoff quasi. Oder das Salz in der Demokratiesuppe.

    6 Leserempfehlungen
    • Chali
    • 05. Januar 2013 20:42 Uhr

    von einer Untermenge von Menschen, die nicht bis drei zählen können; ja, es nicht einmal bis zwei schaffen

    2 Leserempfehlungen
  3. Jetzt wundert es mich nicht mehr, dass Marx als armes Schwein gestorben ist.

  4. Vor allem #9 finde ich super:

    Auch ich wünsche mir in unserem Land eine intelligente Arbeitsaufteilung, die möglichst vielen Mitbürgern ein erfülltes, angenehmes und menschenzugewandtes Leben und Miteinander ermöglicht.

    Auch ich denke, dass die Koordination einer intelligenten Arbeitsteilung mithilfe der neuen Technologien möglich wäre. Es ist nur eine Frage der guten Organisation und des gemeinsamen Wunsches.

    ...obwohl ich #19 auch ganz nett finde, bedeutet das doch, dass vor 19 Uhr Feierarbend ist...

    3 Leserempfehlungen
  5. 7. [...]

    Auf Wunsch des Users entfernt. Die Redaktion/au

  6. Leider sieht der Mittelschichtsalltag ganz anders aus als bei einer Griffel schwingenden Journalistin. Um 6 Uhr geht es ohne Frückstück los, damit man um 7:30 pünktlich die Stechuhr stechen kann. Um 17:30 geht es zum Zweitjob, und während die Journalistin noch über Dellen sinniert, muss man sich auf dem Weg nach Hause wachhalten, damit man die Haltestelle nicht verpasst. Abendbrot fällt flach. Nach dem Power Napping vorm Fernseher geht man Schlafen, damit am nächsten Morgen wieder um 5 Uhr wach wird.

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    <<< Von 7 bis 19 Uhr
    Leider sieht der Mittelschichtsalltag ganz anders aus als bei einer Griffel schwingenden Journalistin. Um 6 Uhr geht es ohne Frückstück los, damit man um 7:30 pünktlich die Stechuhr stechen kann. Um 17:30 geht es zum Zweitjob, und während die Journalistin noch über Dellen sinniert, muss man sich auf dem Weg nach Hause wachhalten, damit man die Haltestelle nicht verpasst. Abendbrot fällt flach. Nach dem Power Napping vorm Fernseher geht man Schlafen, damit am nächsten Morgen wieder um 5 Uhr wach wird. <<<

    Schön, leben um zu arbeiten, wie vor 100 Jahren, geändert hat sich nur der Name des Grundes: Statt Kapitalismus nennt man es heute Marktwirtschaft.
    Aber solange das bei denjenigen, die darunter leiden, vorrangig dazu führt, dass denen die Arbeitslos sind, gefälligst die Sozialhilfe gekürzt werden soll, damit die perfide "Leistungsgerechtigkeit" innerhalb eines ungerechten Systems aufrechterhalten wird, wird sich da garantiert nichts dran ändern, außer, dass der Mittelschichtsalltag in Zukunft statt von 7-19, von 6-20 Uhr durch Gelderwerb geprägt sein wird, um die mickrige Existenz aufrecht zu erhalten...
    Aber blos nicht das Hamsterrad in dem man läuft infrage stellen.

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