Social Entrepreneurship : Weltretter unter sich

Die Social Entrepreneurs, eine neue Art von Unternehmern, wollen keinen Profit, sondern gesellschaftlichen Mehrwert. Dafür haben sie sich ein eigenes Netzwerk geschaffen. Eine Übersicht über die wichtigsten Akteure

Ihr Leitspruch

Mahatma Gandhi: Be the change you want to see in the world – Sei der Wandel, den du in der Welt sehen willst.

Ihr Star

2008 gewann Muhammad Yunus den Friedensnobelpreis, und er ist immer noch der unangefochtene Star der Szene. Schon 1983 gründete der Wirtschaftswissenschaftler in Bangladesch die Grameen Bank, um Mikrokredite an Menschen in Entwicklungsländern zu vergeben, damit diese ein kleines Business starten und sich selbst aus der Armut befreien können.

Ihre Business Angels

Die von dem ehemaligen McKinsey-Berater Bill Drayton gegründete Organisation Ashoka hat den Begriff »Social Entrepreneur« geprägt und unterstützt seit 1980 weltweit Sozialunternehmer – mit einem dreijährigen Lebenshaltungsstipendium, vor allem aber mit Beratung und Kontakten. Der wohl berühmteste der insgesamt 3000 »Fellows« ist Jimmy Wales, Gründer von Wikipedia. In Deutschland ist Ashoka erst seit 2005 aktiv, inzwischen werden 45 Fellows unterstützt. Erster Fellow wurde Andreas Heinecke, Gründer des Ausstellungskonzepts »Dialog im Dunkeln«, bei dem Blinde Sehende durch ihre eigene Wahrnehmungswelt führen. Auch die von Klaus Schwab, Gründer des Davoser Weltwirtschaftsforums, ins Lebens gerufene Schwab Foundation unterstützt weltweit Sozialunternehmer, in Deutschland kürt sie seit 2006 den »Social Entrepreneur des Jahres«.

Ihre Schulen

Acht Universitäten widmen sich in einem von der Stiftung Mercator geförderten Forscherverbund dem Thema »Innovatives Soziales Handeln – Social Entrepreneurship«. Darunter bietet die Leuphana Universität in Lüneburg sogar einen eigenen Studiengang an. In München wurde eine Social-Entrepreneurship-Akademie gegründet, und an der Berliner Humboldt-Viadrina School of Governance gibt es den Masterstudiengang Public Policy mit einem Fokus auf soziales Unternehmertum. Die European Business School (EBS) baut außerdem ein Kompetenzzentrum für Social Entrepreneurship auf.

Von Konferenz über Geldgeber bis zur Weltretter-Messe

Ihre Konferenz

Zum sogenannten Vision Summit trifft sich die ganze Branche seit 2007 einmal im Jahr auf dem Campus der Potsdamer Uni; 2012 kamen mehr als 1200 Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Ideen werden hier nicht nur diskutiert, sondern auch in Workshops weiterentwickelt.

Ihre Geldgeber

Als Risikokapitalgeber investieren in Deutschland vor allem der Fonds BonVenture und der Social Venture Fund in Social Start-ups. Zu den größten Förderern gehört die von Aldi gestiftete Auridis gGmbH, die vor allem Bildungsprojekte unterstützt. Unter den deutschen Stiftungen ist die Vodafone-Stiftung die erste, die dieses Jahr ein eigenes Programm für Social Entrepreneurship aufgelegt hat, und die Bundesregierung fördert Sozialunternehmer neuerdings über die KfW-Bank.

Ihre Unternehmensberater

Die Beratung iq consult von Ashoka-Fellow Norbert Kunz berät Sozialunternehmer und gibt Gründern mit dem »Social impact lab« in Berlin sogar einen eigenen, als Co-Working-Space gestalteten Raum. Die Beratungen Spendwerk und Heldenrat sind ebenfalls auf Social Business spezialisiert.

Ihre Bank

Schon 1974 wurde die GLS-Gemeinschaftsbank als erste ökologisch-soziale Universalbank der Welt gegründet, im Lauf der letzten fünf Jahre hat sie ihren Kundenstamm mehr als verdoppelt. Sozialen Start-ups bietet die GLS-Bank neben Geschäftskonten günstige Förderdarlehen und Mikrokredite.

Ihr Büroausstatter

Beim Versandhändler memo bekommen verantwortungsbewusste Gründer alles, vom Recycling-Flipchart-Papier über PVC-freie USB-Kabel bis zu strahlungsarmen Telefonen. Sogar die Versandboxen werden via Pfand-Mehrwegsystem zurückgenommen.

Ihre Rechtsform

Der gemeinnützige Verein darf keine Gewinne machen, das Unternehmen keine steuerfreien Spenden annehmen. Die Rechtsform der gGmbH oder der gAG ermöglicht Sozialunternehmern beides. Das kleine g steht dabei für »gemeinnützig«.

Ihr Geschäftsbericht

In der profitorientierten Wirtschaft zählen finanzielle Kennzahlen, Sozialunternehmer müssen aber auch ihre Wirkung nachweisen können. Hierfür wurde von 2008 an der Social Reporting Standard (SRS) entwickelt und 2010 unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.

Ihre Investments

Sollten sie Geld übrig haben, dann vergeben Sozialunternehmer Mikrokredite in Entwicklungsländer – am liebsten im Peer-to-Peer-Verfahren (von Angesicht zu Angesicht) auf kiva.org oder mymicrocredit.org. Oder sie spenden für andere Projekte auf der Plattform betterplace.org von Vorzeige-Sozialunternehmer Till Behnke.

Ihre Kunden

Wenn Sozialunternehmer Kunden oder Unterstützer suchen, dann hilft ihnen Utopia.de. Die Mischung aus Magazin, Community und Forum wurde 2007 von der ehemaligen Werberin Claudia Langer gegründet und ist mit mehr als 77.000 registrierten Benutzern und 240.000 monatlichen Klicks die größte Plattform für »strategischen Konsum« in Deutschland. »Utopisten« wollen die Welt verändern, indem sie bewusst konsumieren und entscheiden, wem sie ihr Geld geben und wem nicht.

Ihr Wirtschaftsmagazin

Der Besuch des Vision Summit 2008 inspirierte Chefredakteur Thomas Friemel zur Gründung eines eigenen Magazins für nachhaltiges Wirtschaften. enorm erscheint jetzt seit Anfang 2010, inzwischen mit sechs Ausgaben jährlich und einer Auflage von mehr als 20.000 Heften. Mit einem Teil des Erlöses werden wiederum soziale Start-ups unterstützt.

Ihr Newsletter

Christoph Harrach ist ein Pionier der Lohas-Szene, wobei Lohas »Lifestyle of Health and Sustainability« bedeutet. In seinem wöchentlichen Newsletter KarmaKonsum – A new spirit in business versammelt er visionäre Ideen aus aller Welt.

Ihr Marktplatz

Falls Sozialunternehmer Waren herstellen, bieten sie diese meist über Internetplattformen feil: Handgemachtes auf Dawanda.de und ökologische Produkte im Avocadostore.

Ihre Messe

Von Fairtrade-Baumwoll-T-Shirts bis zur öko-sozialen Geldanlage: Auf der Messe Good Goods treffen Verbraucher und Fachpublikum auf die üblichen Verdächtigen. Noch nehmen die Stände nur einen kleinen Teil der Hamburger Messehallen ein, erst 2011 war Premiere.

Ihre Kantine

Sozialunternehmen sind meist klein und haben keine eigene Kantine. Manche abonnieren deshalb eine regionale Gemüsekiste oder Obstkörbe.

Ihr Ausgleichssport: Yoga

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15 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Mikrokredite sind umstritten

Mikrokredite sind allerdings kein Allheilmittel gegen Armut, sondern mittlerweile durchaus umstritten. Kritiker werfen der Mikrofinanz nämlich vor, dass sie die wahren Ursachen von Armut nur zudeckt.
[...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie in den Kommentarbereichen auf jegliche Form von Werbung. Auf Ihr privates Blog können Sie in Ihrem Profil einen Hinweis platzieren. Danke, die Redaktion/jk

Ohne unternehmerisches Denken geht es nicht

Auch Unternehmen/Organisationen ohne Gewinnerzielungsabsicht müssen effizient wirtschaften und brauchen daher unternehmerisches Denken. Schließlich müssen auch sie mit den Ressourcen (Kapital, Personal) auskommen, über die sie verfügen, und das Bestmögliche daraus machen. Sie unterscheiden sich von den übrigen Unternehmen nur in ihrer Zielsetzung!

Unternehmerisches Denken und Handeln

... bedeutet Chancen erkennen und effizient nutzen. Das ist eine (oder DIE) wesentliche Erfolgsvoraussetzung für jedes wirtschaftliche Handeln, also jedes Unternehmen, egal welche Mission und Zielsetzung es verfolgt. Wer als "Sozial-Unternehmer" eine "soziale" Mission verfolgt, muss halt die sozialen, ökonomischen und sonstigen Bedingungen dieses Tätigkeitsbereichs besonders gut verstehen, damit er sie mit den verfügbaren Ressourcen bestmöglich (effizient und effektiv) erfüllen kann. Außerdem kann er im Gegensatz zu anderen Unternehmern mit einem dauerhaften Null-Gewinn oder ggf. sogar Dauerverlust überleben, wenn und so lange die Kapitalgeber das tolerieren.

Der eigentliche Punkt ist, dass manche Manager solcher Unternehmen (wie wohl auch ein Teil der Leserschaft hier) sich wegen der (ich nenne es mal:) Großzügigkeit der Kapitalgeber der unternehmerischen Herausforderung nur unzureichend bewusst sind, ihr demzufolge nicht gerecht werden und deswegen Schiffbruch erleiden. Einen der diesbezüglich prominentesten und größten Fälle lieferte das Gewerkschaftsunternehmen Neue Heimat.

Unterschied zwischen Profit und Social Business

In der Geschäftswelt gibt es letztlich nur einen Grund für Unternehmen weshalb sie existieren: zahlende Kunden.
Und für Social Business gibt es ebenso nur einen Grund warum sie da sind: Menschen (bzw. Umwelt, Tiere), die Hilfe brauchen.

Und genau hier unterscheiden sie sich: ein Social Business hat immer zwei "Kunden": einen für den es Leistungen bereit stellt und einen, der dies bezahlt. Beim Profitunternehmen fällt dies in einer Person/Kunden zusammen.
Daher ist die Durchführung einer Social Profit Unternehmens wesentlich komplexer, weil zwei Arten von Kundenwünschen befriedigt werden müssen.

Dies ist in der Tat nichts neues, klassische Wohlfahrtsverbände agieren so schon immer. Neu ist, dass als Geldgeber nicht mehr nur der Staat aufkommt. Sondern mehr und mehr private Geldgeber und Plattformen (Stiftungen, Sozial Fonds, betterplace, etc.) stehenn als "Bezahlkunde" für Soziale Unternehmen bereit.

Und parallel wie in der heutigen Geschäftswelt die Startups boomen, haben junge Menschen mit neuen sozialen Innovationen dank dieser Auswahl an Geldgebern mehr Möglichkeiten als Gründer ihre Ideen zu verwirklichen. Und müssen nicht bei den oft verbürokratisierten Wohlfahrtsverbänden anklopfen - und auch dies Phänomen ist sehr ähnlich in der Wirtschaft anzutreffen.

Social Business vs. Gemeinnützige Organisationen

Ich finde den Artikel übersichtlich gestaltet. Er informiert kompakt über die Szene der Sozialunternehmer. Kritikpunkte, dass die Sozialunternehmerbranche keine Neuigkeiten mitsichbringt, kann ich nicht verstehen. In meinem Blog http://www.do-change.com/... schreibe ich auch öfter über den Social Business-Ansatz von Muhammad Yunus. Dort finden sich auch Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen karitativen Organisationen und Sozialunternehmern - besonders aus der Sicht eines Start-Up Social Business.