Social EntrepreneurshipWeltretter unter sich
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Von Konferenz über Geldgeber bis zur Weltretter-Messe

Ihre Konferenz

Zum sogenannten Vision Summit trifft sich die ganze Branche seit 2007 einmal im Jahr auf dem Campus der Potsdamer Uni; 2012 kamen mehr als 1200 Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Ideen werden hier nicht nur diskutiert, sondern auch in Workshops weiterentwickelt.

Ihre Geldgeber

Als Risikokapitalgeber investieren in Deutschland vor allem der Fonds BonVenture und der Social Venture Fund in Social Start-ups. Zu den größten Förderern gehört die von Aldi gestiftete Auridis gGmbH, die vor allem Bildungsprojekte unterstützt. Unter den deutschen Stiftungen ist die Vodafone-Stiftung die erste, die dieses Jahr ein eigenes Programm für Social Entrepreneurship aufgelegt hat, und die Bundesregierung fördert Sozialunternehmer neuerdings über die KfW-Bank.

Ihre Unternehmensberater

Die Beratung iq consult von Ashoka-Fellow Norbert Kunz berät Sozialunternehmer und gibt Gründern mit dem »Social impact lab« in Berlin sogar einen eigenen, als Co-Working-Space gestalteten Raum. Die Beratungen Spendwerk und Heldenrat sind ebenfalls auf Social Business spezialisiert.

Ihre Bank

Schon 1974 wurde die GLS-Gemeinschaftsbank als erste ökologisch-soziale Universalbank der Welt gegründet, im Lauf der letzten fünf Jahre hat sie ihren Kundenstamm mehr als verdoppelt. Sozialen Start-ups bietet die GLS-Bank neben Geschäftskonten günstige Förderdarlehen und Mikrokredite.

Ihr Büroausstatter

Beim Versandhändler memo bekommen verantwortungsbewusste Gründer alles, vom Recycling-Flipchart-Papier über PVC-freie USB-Kabel bis zu strahlungsarmen Telefonen. Sogar die Versandboxen werden via Pfand-Mehrwegsystem zurückgenommen.

Ihre Rechtsform

Der gemeinnützige Verein darf keine Gewinne machen, das Unternehmen keine steuerfreien Spenden annehmen. Die Rechtsform der gGmbH oder der gAG ermöglicht Sozialunternehmern beides. Das kleine g steht dabei für »gemeinnützig«.

Ihr Geschäftsbericht

In der profitorientierten Wirtschaft zählen finanzielle Kennzahlen, Sozialunternehmer müssen aber auch ihre Wirkung nachweisen können. Hierfür wurde von 2008 an der Social Reporting Standard (SRS) entwickelt und 2010 unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.

Ihre Investments

Sollten sie Geld übrig haben, dann vergeben Sozialunternehmer Mikrokredite in Entwicklungsländer – am liebsten im Peer-to-Peer-Verfahren (von Angesicht zu Angesicht) auf kiva.org oder mymicrocredit.org. Oder sie spenden für andere Projekte auf der Plattform betterplace.org von Vorzeige-Sozialunternehmer Till Behnke.

Ihre Kunden

Wenn Sozialunternehmer Kunden oder Unterstützer suchen, dann hilft ihnen Utopia.de. Die Mischung aus Magazin, Community und Forum wurde 2007 von der ehemaligen Werberin Claudia Langer gegründet und ist mit mehr als 77.000 registrierten Benutzern und 240.000 monatlichen Klicks die größte Plattform für »strategischen Konsum« in Deutschland. »Utopisten« wollen die Welt verändern, indem sie bewusst konsumieren und entscheiden, wem sie ihr Geld geben und wem nicht.

Ihr Wirtschaftsmagazin

Der Besuch des Vision Summit 2008 inspirierte Chefredakteur Thomas Friemel zur Gründung eines eigenen Magazins für nachhaltiges Wirtschaften. enorm erscheint jetzt seit Anfang 2010, inzwischen mit sechs Ausgaben jährlich und einer Auflage von mehr als 20.000 Heften. Mit einem Teil des Erlöses werden wiederum soziale Start-ups unterstützt.

Ihr Newsletter

Christoph Harrach ist ein Pionier der Lohas-Szene, wobei Lohas »Lifestyle of Health and Sustainability« bedeutet. In seinem wöchentlichen Newsletter KarmaKonsum – A new spirit in business versammelt er visionäre Ideen aus aller Welt.

Ihr Marktplatz

Falls Sozialunternehmer Waren herstellen, bieten sie diese meist über Internetplattformen feil: Handgemachtes auf Dawanda.de und ökologische Produkte im Avocadostore.

Ihre Messe

Von Fairtrade-Baumwoll-T-Shirts bis zur öko-sozialen Geldanlage: Auf der Messe Good Goods treffen Verbraucher und Fachpublikum auf die üblichen Verdächtigen. Noch nehmen die Stände nur einen kleinen Teil der Hamburger Messehallen ein, erst 2011 war Premiere.

Ihre Kantine

Sozialunternehmen sind meist klein und haben keine eigene Kantine. Manche abonnieren deshalb eine regionale Gemüsekiste oder Obstkörbe.

Ihr Ausgleichssport: Yoga

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Leserkommentare
  1. Ich würde gern für ein soziales Unternehmen arbeiten. Wo finde ich solche Jobs? Gibt es da spezielle "Jobbörsen"?

    Eine Leserempfehlung
    • politom
    • 03. Februar 2013 19:46 Uhr

    In letzter Zeit entwickeln sich hierzulande einige Jobvermittlungen speziell in diese Richtung wie z.B. talentspender.org oder talents4good.org. Da es in Deutschland aber generell mehr als 100.000 Sozialunternehmen auch im "klassischen" sozialen Bereich gibt, existieren natürlich diverse Jobbörsen dazu. Weitere Übersichten mit "guten" Jobs gibt es - teilweise auch mit fachlichen Schwerpunkten und auch mit unternehmerischem Hintergrund - z.B. auf stiftungen.org, sozialeberufe.de, stellenmarkt-sozial.de, oekojobs.de, greenjobs.de, heldenrat.org und auch in den klassischen Jobbörsen etwas hier auf Zeit Online oder monster.de in den Rubriken "Pädagogik & Soziales bzw. "gemeinnützig". Daneben existieren Einzelprogramme für temporäre Mitarbeit wie z.B. die "World of Difference" von Vodafone.

    Ergänzung zum Artikel: Heldenrat fördert zwar u.a. sozialen Gründergeist und damit auch Social Entrepreneurship/Business. Der Verein ist darauf aber nicht spezialisiert, sondern leistet generell kostenfreie Beratung für soziale Projekte - junge und etablierte.

    3 Leserempfehlungen
  2. Vielleicht ist es fuer einige Leser auch hilfreich zu wissen, dass die anthroposophische GLS-Bank, die sie als DIE Bank dieser Bewegung erwaehnten, auch Privatkunden als Hausbank fuer Girokonten etc offen steht. Laeuft dann als Direktbank.
    Ansonsten ein prima Berich mit einer vielleicht etwas zu spoettischen Ueberschrift. Na ja, geschenkt....

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mikrokredite sind allerdings kein Allheilmittel gegen Armut, sondern mittlerweile durchaus umstritten. Kritiker werfen der Mikrofinanz nämlich vor, dass sie die wahren Ursachen von Armut nur zudeckt.
    [...]
    Gekürzt. Bitte verzichten Sie in den Kommentarbereichen auf jegliche Form von Werbung. Auf Ihr privates Blog können Sie in Ihrem Profil einen Hinweis platzieren. Danke, die Redaktion/jk

    • Xdenker
    • 03. Februar 2013 23:59 Uhr

    Was ist das Neue, Besondere, Berichtenswerte?

    Organisationen ohne Erwerbszweck bzw. ohne Gewinn erzielungsabsicht (Gemeinnützige Unternehmen, caritative Einrichtungen, ...) gibt es seit langem und in großer Zahl.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Xdenker, Sie sind vermutlich gut informiert.

    Mir hat dieser Artikel allerdings einen neuen und kompakten Überblick mit konkreten Anlaufstellen geliefert. Somit hat der Artikel mindestens einem Leser genützt. Vielen Dank dafür an Frau Werdes und die Redaktion.

    /LB

    @Xdenker: Der Punkt bei Social Entrepreneurs ist aber gerade, dass sie (auch) unternehmerisch denken und nicht wie karitative Organisationen und gemeinnützige Unternehmen von Almosen abhängig sind - und dass Social Entrepreneurs sich auf nachhaltige Lösungsansätze (z.B. zur Jobbeschaffung) konzentrieren.

    Ich finde den Artikel übersichtlich gestaltet. Er informiert kompakt über die Szene der Sozialunternehmer. Kritikpunkte, dass die Sozialunternehmerbranche keine Neuigkeiten mitsichbringt, kann ich nicht verstehen. In meinem Blog http://www.do-change.com/... schreibe ich auch öfter über den Social Business-Ansatz von Muhammad Yunus. Dort finden sich auch Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen karitativen Organisationen und Sozialunternehmern - besonders aus der Sicht eines Start-Up Social Business.

  3. Xdenker, Sie sind vermutlich gut informiert.

    Mir hat dieser Artikel allerdings einen neuen und kompakten Überblick mit konkreten Anlaufstellen geliefert. Somit hat der Artikel mindestens einem Leser genützt. Vielen Dank dafür an Frau Werdes und die Redaktion.

    /LB

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Und weiter?"
  4. @Xdenker: Der Punkt bei Social Entrepreneurs ist aber gerade, dass sie (auch) unternehmerisch denken und nicht wie karitative Organisationen und gemeinnützige Unternehmen von Almosen abhängig sind - und dass Social Entrepreneurs sich auf nachhaltige Lösungsansätze (z.B. zur Jobbeschaffung) konzentrieren.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Und weiter?"
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    • Xdenker
    • 04. Februar 2013 11:47 Uhr

    Auch Unternehmen/Organisationen ohne Gewinnerzielungsabsicht müssen effizient wirtschaften und brauchen daher unternehmerisches Denken. Schließlich müssen auch sie mit den Ressourcen (Kapital, Personal) auskommen, über die sie verfügen, und das Bestmögliche daraus machen. Sie unterscheiden sich von den übrigen Unternehmen nur in ihrer Zielsetzung!

    • Xdenker
    • 04. Februar 2013 11:54 Uhr

    Das gilt auch für gemeinnützige und caritative Einrichtungen. Das gilt grundsätzlich immer, wenn gewirtschaftet werden muss, was grundsätzlich immer der Fall ist, wenn die benötigten Ressourcen (v.a. Kapital) nicht beliebig vermehrbar sind.

    • Xdenker
    • 04. Februar 2013 11:47 Uhr

    Auch Unternehmen/Organisationen ohne Gewinnerzielungsabsicht müssen effizient wirtschaften und brauchen daher unternehmerisches Denken. Schließlich müssen auch sie mit den Ressourcen (Kapital, Personal) auskommen, über die sie verfügen, und das Bestmögliche daraus machen. Sie unterscheiden sich von den übrigen Unternehmen nur in ihrer Zielsetzung!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Grundsätzlich vielleicht, aber die Schwerpunkte verlagern sich z.T. markant, ob man selber Einnahmen generieren muss oder ob man von der öffentlichen Hand bzw. vom Staat finanziert ist. Die Übergänge sind fliessend, Unterschiede gibt es aber trotzdem.

    Siehe z.B. http://thestartupgarage.c....

    • Xdenker
    • 04. Februar 2013 11:54 Uhr

    Das gilt auch für gemeinnützige und caritative Einrichtungen. Das gilt grundsätzlich immer, wenn gewirtschaftet werden muss, was grundsätzlich immer der Fall ist, wenn die benötigten Ressourcen (v.a. Kapital) nicht beliebig vermehrbar sind.

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