Weltbeweger, Retter, Helden: Es sind große Worte, mit denen Social Entrepreneurs bei ihren Firmennamen und auf ihren Internetseiten spielen. So groß wie das Versprechen von Social Entrepreneurship selbst: Social Entrepreneurs sollen gesellschaftliche Probleme lösen, innovativ und mit unternehmerischen Mitteln. Anstatt Gewinne zu maximieren und auszuschütten, fließen sie zurück in den ökologischen oder sozialen Zweck. Seit zehn Jahren wird diese Idee immer populärer, verstärkt noch durch die Finanzkrise, die vor allem junge Menschen nach sinnvollen Jobs suchen lässt.

Das Paradebeispiel eines Sozialunternehmers liefert der Arzt Frank Hoffmann. Er hatte die Idee, den überaus sensiblen Tastsinn von Blinden in der Brustkrebserkennung einzusetzen. Die Ausbildung der »Medizinischen Tastuntersucherinnen« finanziert er durch Lizenzgebühren und den Verkauf von patentierten Orientierungsstreifen für die Untersuchung. Ein in sich geschlossenes Finanzierungssystem, allen ist geholfen – Social Entrepreneurship in Perfektion. Ähnlich funktioniert auch »Das Geld hängt an den Bäumen«, ein Hamburger Projekt, bei dem Behinderte die Äpfel von nicht abgeernteten Apfelbäumen pflücken, Apfelsaft herstellen und verkaufen.

Schwierig wird es mit dem Geschäftsmodell, wenn es keine Waren feilzubieten gibt und sich mit der Zielgruppe selbst kein Geld verdienen lässt. Wenn zum Beispiel Kinder aus Nichtakademikerhaushalten das Abitur schaffen sollen (»Arbeiterkind«), wenn es um die Aufklärung über psychische Erkrankungen geht (»Irrsinnig menschlich«) oder um die Integration straffällig gewordener Jugendlicher (»hand-in«). Die meisten Sozialunternehmer beziehen deshalb inzwischen Gelder der öffentlichen Hand von vornherein in ihren Businessplan mit ein oder bauen sogar auf Spenden. Die reine unternehmerische Lehre ist das nicht.

Businessplan gebaut auf Spenden

Bewegt man sich durch die Welt der Sozialunternehmer, stößt man außerdem immer wieder auf dieselben Namen, dieselben Vorzeigeunternehmer und Unterstützer. »Unsere Szene kocht auf kleiner Flamme«, sagt Thomas Friemel, Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins enorm. Gleich zwei neue Studien bestätigen diese Beobachtung: Ein Forscherverbund der Stiftung Mercator spricht von einem »Nischenphänomen«; das auf Zukunftsinnovationen ausgerichtete Borderstep-Institut hält nachhaltige Start-ups zwar für innovativer, doch fehle ihnen die Größe, um ihre Innovationen zu verbreiten. Dabei spielt die sogenannte Skalierbarkeit für das Entrepreneurs-Netzwerk Ashoka schon bei der Auswahl der Fellows eine große Rolle: Ein Projekt soll nicht nur mit einer bestimmten Person an einem bestimmten Ort funktionieren, sondern übertragbar sein. Statt einen Kindergarten zu eröffnen, geht es darum, ein Konzept für Früherziehung zu entwickeln, das in vielen Kindergärten angewandt werden kann.

Allerdings sind die meisten Projekte davon weit entfernt. Oft sind sie abhängig von Ehrenamtlichen und sehr engagierten jungen Leuten, die zum Teil in prekären Arbeitsverhältnissen stehen. »Was fehlt, ist gutes Führungspersonal, um die Ideen groß zu machen«, sagt Ashoka-Geschäftsführer Felix Oldenburg. Bloß: Wie sollen Sozialunternehmen dieses Führungspersonal anlocken, wenn die Stellen offensichtlich schlecht bezahlt sind? »Die Menschen folgen nicht dem Geld, auch wenn das viele meinen. Das Geld folgt den Menschen«, sagt Oldenburg. »Und Geld gibt es eigentlich genug.«