Außerdem Ein Weltverbesserer

Es werde sein Jahr, heißt es allenthalben. Wie ein Croesus ex machina ist der reiche Onkel aus Übersee auf die politische Stegreifbühne in Österreich herabgeschwebt und kaufte sich Zug um Zug eine kleine Truppe aus eifrigen Laiendarstellern und abgehalfterten Provinzmimen zusammen. An besseren Kräften herrscht in seinem Ensemble kein Bedarf, denn er gedenkt, sämtliche Hauptrollen ausschließlich mit sich selbst zu besetzen. Auf der Bühne wird man ihn dennoch vermissen. Er ist eine Rampensau, die ihre Monologe aus dem Off spricht. Monologe, wohlgemerkt, die den Statisten hinter ihm lediglich pantomimische Techniken für ihre Rollengestaltung gestatten. Sie stellen Sprechpuppen dar, die nur so tun, als nähmen sie eigene Worte in den Mund. Sie verleihen dem Echo jedes seiner kostbaren Worte Gestalt: Fränk sagt, Fränk will, Fränk wird. Ja was bloß? Und ist das überhaupt von irgendeiner Bedeutung für das Publikum?

Das Stück heißt Superwahljahr, mit dem diese Truppe von nun an durch die Lande tingeltangelt. Es ist eine Burleske mit mehreren Vorspielen in der Provinz und einem krachenden Finale im Zentrum der Republik. Es geht, glaubt man der Ankündigung des Oberspielleiters, ums Ganze: die Rettung des Landes vor dem Untergang. Eine Art griechische Tragödie mit glücklichem Ausgang. Eine dramatische Form der Positivierung mythischen Verhängnisses, die einzig Onkel Fränk beherrscht.

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Das Geschehen beginnt in einem Landstrich, den ein autokratischer Alleinherrscher, auch er eine Onkelfigur, die keinen Widerspruch duldet, sein Eigen heißt. Weiter geht es in die hohen Berge und in den unerklärlichen tiefen Süden der Republik. Überall nur mäßiger Erfolg, höflicher Applaus vielleicht, aber nirgendwo will der Durchbruch gelingen. Bei der entscheidenden Aufführung schließlich, auf der bedeutendsten Bühne des Landes, wird man dann, kurz bevor der Vorhang fällt, einen alten Rappelkopf sehen, der sich voll Ärger die schlohweißen Haare rauft und in das Auditorium grollt: »Keiner hat eine Ahnung, niemand versteht die Wahrheit. Alles nur negativ!« Aber hört noch wer hin?

Gevatter Krösus wird in diesem Augenblick ein wenig dem Weltverbesserer von Thomas Bernhard gleichen, der ein Traktat verfasst hat, das alles zum Besseren wenden könnte und bereits in 38 Sprachen übersetzt wurde, dessen Inhalt allerdings »kein Mensch jemals verstanden« hat. Darüber wurde er zum Griesgram. Nun, am Ende seiner Laufbahn, erscheinen die Magnifizenzen in seinem Studierzimmer und ehren den Denker für das, was niemandem einleuchten kann. »Mein Traktat will nichts anderes / als die totale Abschaffung / nur hat das niemand begriffen / Ich will sie abschaffen / und sie zeichnen mich dafür aus«, hadert er: »Wir können die Welt nur verbessern / wenn wir sie abschaffen.«

Vergeblich alle Mühe, verschleudert die Millionen, alles ist weitgehend so geblieben, wie es schon immer war. Ein herbstlicher Abschiedsbesuch im Nachrichtenstudio. Man hat viel Zeit eingeplant. Doch dann sagt er nur: »Aber ich halte keine Rede / Wenn wir etwas sagen / werden wir nicht verstanden / Wenn wir die Wahrheit sagen / ist es doch nur gelogen.«

 
Leser-Kommentare
    • meresi
    • 03.01.2013 um 15:34 Uhr

    ...und sich die gesammelten meinungen div.foren zu gemüte führt scheint es tatsächlich so zu sein als ob Fränk das allheilmittel der von korruptionsskandalen gebeutelten alpenrepublik ist. um den sumpf wirklich trocken legen zu können müßte man die 3 beteiligten parteien eigentlich für 5 jahre abwählen.dem steht aber zum großteil der daran partizipierende wähler u. die sog.bildungsfernenschichten gegenüber...es wird spannend.jene, die sich beim letzten U-ausschuß noch versteckten kriechen aus ihren löchern u.betreiben sowas wie vorwahl-kampf um sich für die große aufgabe aufzuwärmen.als atheist kann ich leider diesen spruch:gott schütze österreich, nicht zur anwendung bringen

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