Regiedebüt "Quartett"Hoffman gegen Hoffman
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Hoffmans Rollen sind kleiner geworden im Laufe der Jahre

Den Ruf hat er nicht wieder abschütteln können, beinahe hätte er auch die Regie bei Quartett nicht übernommen. »Ich wollte absagen, aber meine Frau Lisa und mein Agent haben mich ins kalte Wasser geworfen. Sie haben meine Absage einfach nicht akzeptiert.« Kurze Pause. »Wahrscheinlich hätte mich meine Frau verlassen, wenn ich wieder abgesagt hätte.« Er schickt ein lautes Lachen hinterher, er will sichergehen, dass man den Satz auch als Pointe versteht. Dabei verdankt die Öffentlichkeit der Hartnäckigkeit von Lisa Hoffman, dass der Schauspieler Dustin Hoffman in den vergangenen Jahren überhaupt noch gearbeitet hat. Vier lange Jahre hatte Hoffman keine Rollen mehr angenommen, weil ihm mal das Drehbuch nicht gefiel, mal die Besetzung, mal der Regisseur. »Irgendetwas störte mich immer.« Seine Frau fing an, sich über ihn lustig zu machen: »Sie sagte: ›Du trägst nur noch Strickjacken und gehst nicht mehr aus dem Haus‹«, erzählt Hoffman. Sie sagte auch: »Wenn alle Bedingungen, die du stellst, erfüllt sein müssen, wirst du nie wieder einen Film drehen.« Das saß. »Ich wusste, dass ich mich ändern musste.« Er begann eine Therapie, die er bis heute macht – und fing wieder an zu drehen.

»Aus den Gesprächen mit meiner Therapeutin nehme ich so viel mit. Ich habe sie schon gefragt, ob ich auch über meinen Tod hinaus bei ihr bleiben kann, wenn ich sie wirklich brauche!« Das zweite Lachen an diesem Vormittag in London. Er trägt ein hellblaues Hemd, dunkle Hose, dunkles Sakko. Klein ist er, 1,66 Meter. Sein Gesicht ist gebräunt von der kalifornischen Sonne, viele kleine Grübchen und Falten, ein Hollywood-Star, der zu seiner Geschichte, seinem Alter steht. Er wollte immer älter sein, jetzt ist er es: Lange Zeit galt Hoffman im Filmgeschäft als der »ewige Sohn«, heute ist er Vater von sechs Kindern und zweifacher Großvater.

Heute ist er der Freund des Hauptdarstellers

Und jetzt, im Alter von 75 Jahren, kann er sich endlich auch Regisseur nennen: Sein Film Quartett kommt Ende Januar in die deutschen Kinos. Er erzählt die Geschichte von ehemaligen Opernstars in England, die sich am Ende ihres Lebens in einem Altersheim für Künstler wieder begegnen. »Es geht um das Abtauchen alter Menschen, die in unserer Gesellschaft scheinbar nicht mehr gebraucht werden, sie verschwinden aus der Öffentlichkeit, aus unserem Alltag«, sagt Hoffman. »Kinder stecken ihre Eltern in Altersheime und besuchen sie nicht mehr.« Warum, glaubt er, passiert das? »Wir Kinder wollen nicht hinsehen, weil wir nicht damit konfrontiert werden wollen, wie es uns selbst eines Tages gehen wird.«

Der Schauspieler Dustin Hoffman weiß, wovon er spricht. Seine Rollen sind kleiner geworden im Laufe der vergangenen Jahre. Dabei hatte er mit dem Alter eigentlich Glück. Die Rolle des 20-Jährigen, der in der Reifeprüfung von Mrs. Robinson verführt wird, hat er mit 30 gespielt, so jung sah er aus. »Deshalb habe ich in meinen Dreißigern vor allem Rollen von 20-Jährigen angeboten bekommen. Und als ich 40 wurde, habe ich 30-Jährige gespielt.« So ging das immer weiter – bis er eines Tages 60 wurde. Dann kam der Einschnitt.

»Im Filmgeschäft gilt heute die Regel: Das Publikum will keine männlichen Hauptdarsteller über 50«, sagt er. »Ich bin also eines Tages aufgewacht und bekam nur noch Nebenrollen angeboten.«

Er war nicht mehr der Hauptdarsteller, er spielte den Freund des Hauptdarstellers, und anfangs mochte er das, erzählt er. »Ich war nicht mehr für den Erfolg eines Films verantwortlich, das war angenehm. Das Problem mit den kleinen Rollen ist nur: Weil man so selten auf der Leinwand zu sehen ist, werden die Figuren flacher. Ich stand nicht mehr vor der Frage: Wie zeige ich die Figur dreidimensional? Sondern vor der Frage: Wie kann ich das Publikum dazu bringen, zu glauben, die Figur wäre dreidimensional?«

Wie geht er damit um? »Meine ehrliche Antwort lautet: Deshalb habe ich jetzt Regie geführt.«

In Quartett spielt Hoffman selbst nicht mit, er hat die Geschichte auch nicht geschrieben. Das Projekt war startbereit, als man ihn fragte, ob er die Regie übernehmen möchte, es gab schon einen Termin zum Drehstart, die Zeit lief ab. »Ich konnte nicht lange überlegen«, sagt er. »Das war gut so.«

Seine Familie prägt sein Leben

Dustin Hoffman wurde am 8. August 1937 in Los Angeles geboren als der jüngere von zwei Brüdern. Seine Eltern wollten in Hollywood Karriere machen, die Mutter als Entertainerin, der Vater als Setdesigner, beide hatten keinen Erfolg. Nachdem Vater Hoffman von einem Filmstudio entlassen worden war, versuchte er sich als Möbeldesigner. Als auch das nicht klappte, wurde er Vertreter für einen Möbelhersteller. »Mein Vater hielt sich am Ende seines Lebens für gescheitert«, sagt Hoffman. »Wir hatten am gleichen Tag Geburtstag. Als er 80 wurde und ich 50, gingen wir gemeinsam spazieren. Er schimpfte über sich selbst, auch weil er einige Jahre zuvor seine Ersparnisse an der Börse verloren hatte: ›Ich habe nichts, was ich euch vererben kann.‹ Ich sagte: ›Dad, wir brauchen nichts, mach dir keine Sorgen.‹ Aber er winkte ab. Und sagte einen Satz, den ich nicht vergessen werde: ›Es ist alles Bullshit.‹«

Wie ist der Sohn mit dem Scheitern des Vaters umgegangen? »Ich habe ihn im Film verewigt. Meine Interpretation des tragischen Willy Loman aus dem Tod eines Handlungsreisenden, das ist mein Vater.« Mit dem Theaterstück machte Hoffman in den achtziger Jahren am Broadway in New York Furore, Volker Schlöndorff hat den Stoff mit ihm verfilmt. Willy Loman ist sein Vater – und wer ist seine Mutter? »Tootsie, ganz klar, die Figur ist das Porträt meiner Mutter.«

Seine Familie prägt sein Leben bis heute. »Wir bleiben immer das Kind unserer Eltern, egal wie viel wir an uns arbeiten.« Aber kann man sich nicht auch lösen von den frühen Einflüssen? »Ich glaube, wir sind dazu verflucht, mit diesen Prägungen zu leben, im Guten wie im Schlechten.«

Hoffmans älterer Bruder Ronald war der Star in der Familie, Einser-Schüler, so gut im Baseball und Football, dass er beinahe Profi geworden wäre. Wie ist Ronald damit umgegangen, dass Dustin später berühmt wurde? »So sieht das vielleicht die Öffentlichkeit. Innerhalb der Familie hat sich nichts geändert, auch wenn meine Eltern stolz auf mich waren.«

Leserkommentare
  1. 1. witzig

    Dusty als Regisseur ?
    Das kann doch nur ein Treppenwitz der Geschichte sein!
    Bei allem Respekt, aber welcher Logik folgt der Filmbetrieb. So wie ein guter Fussballspieler nur sehr selten ein guter Trainer sein kann, darf man von einem begnadeten Schaupsiel kaum jemals höhere Weihen auf dem Regiestuhl erwarten.
    Dass er nun bis zu seinem 75. mit seinem Vorhaben auf sich warten ließ, nenne ich eine kluge Entscheidung :-)

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    Es gibt sehr wohl einige Schauspieler, die bei hervorragenden Filmen Regie geführt haben. Spontan fällt mir z.B. Clint Eastwood, George Clooney und (als Schauspieler eher Durchschnitt) Ben Affleck ein.

    und zu den Fußballern: Was ist mit Pep Guardiola? Jupp Heynckes, Roberto Mancini, Berti Vogts, der Franz, Rudi Völler - es gibt auch Gegenbeispiele, natürlich, aber hätten die es nach Ihrer Logik nicht versucht, hätten wir eine Jahrhundertmannschaft Barcelonas und mindestens jeweils einmal Deutschland als Welt- und Europameister weniger.

    • bivi
    • 06. Januar 2013 23:11 Uhr

    Haben Sie den Film schon gesehen?
    Ansonsten ist, was Sie anführen kein Urteil sondern ein Vorurteil, völlig substanzlos.
    Mit keinem Wort gehen Sie auf den Film ein.
    Also - immer schön der Reihe nach: erst informieren, dann urteilen!!

  2. Es gibt sehr wohl einige Schauspieler, die bei hervorragenden Filmen Regie geführt haben. Spontan fällt mir z.B. Clint Eastwood, George Clooney und (als Schauspieler eher Durchschnitt) Ben Affleck ein.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "witzig"
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    würde mir auch noch spontan einfallen. Hinzu kommen sicherlich noch viele Arbeiten nicht so bekannter Schauspieler auf dem Gebiet der Regie, z.B. aus den Serien Deep Space Nine, TNG oder den X-Files.

    Laurence Olivier, Kenneth Branagh und Robert Redford, et al..

  3. und zu den Fußballern: Was ist mit Pep Guardiola? Jupp Heynckes, Roberto Mancini, Berti Vogts, der Franz, Rudi Völler - es gibt auch Gegenbeispiele, natürlich, aber hätten die es nach Ihrer Logik nicht versucht, hätten wir eine Jahrhundertmannschaft Barcelonas und mindestens jeweils einmal Deutschland als Welt- und Europameister weniger.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "witzig"
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    Weder Rudi, noch Franz haben eine A-Lizenz.

  4. würde mir auch noch spontan einfallen. Hinzu kommen sicherlich noch viele Arbeiten nicht so bekannter Schauspieler auf dem Gebiet der Regie, z.B. aus den Serien Deep Space Nine, TNG oder den X-Files.

    Antwort auf "Stimmt so nicht"
  5. Laurence Olivier, Kenneth Branagh und Robert Redford, et al..

    Antwort auf "Stimmt so nicht"
  6. Weder Rudi, noch Franz haben eine A-Lizenz.

    Antwort auf "Worth a try"
    • bivi
    • 06. Januar 2013 23:11 Uhr

    Haben Sie den Film schon gesehen?
    Ansonsten ist, was Sie anführen kein Urteil sondern ein Vorurteil, völlig substanzlos.
    Mit keinem Wort gehen Sie auf den Film ein.
    Also - immer schön der Reihe nach: erst informieren, dann urteilen!!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "witzig"
    • rabin
    • 26. Januar 2013 21:48 Uhr

    Nein, das kann einem nicht gefallen! Es ist ein Film über SängerInnen. Im Altersheim, nicht neu ( la bacio di tosca), aber marktgerecht- bei über 22 Mio Senioneren. Wenn die im Kino ( über 90%) über Gedächtnisausfall lachen, wehren sie sicher ihre eigenen Ängste ab.

    Ach so, die Musik. Grausam, wie sie für den Film verstümmelt wird, das Brindisi aus der Traviata auf 10 sec. eingekürzt.
    So bewegend es ist, der nunmehr 76jährigen Damen G.Jones zuzuhören, so unangemessen ist, das im Mittelpunkt des Film stehenden Quartetts aus dem Rigoletto für vier Höchstkönnern singen zu lassen. Pavarotti,Sutherland,Milnes und Tourengeau singen perfekt. Damit ist der ganze Witz weg. Vier alte wagen sich auf die Bühne und singen mit ihren Rest-Stimmen dieses Werk.

    Nein musikalisch ist dieser Film kaum geniessbar.

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