US-Haushaltsstreit : 6 Fragen zum "fiscal cliff"
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Kurzfristig Rezession, langfristig weniger Schulden

Ein Beispiel: Allein die Steuererhöhungen und der Wegfall der Arbeitslosenunterstützung hätten das Nettoeinkommen der Haushalte um neun Milliarden Dollar pro Woche reduziert, schätzt Stuart Hoffman, Chefvolkswirt der PNC Bank. Andererseits wäre das Haushaltsdefizit des Staates durch diese Radikalkur deutlich kleiner geworden – von derzeit 1,1 Billionen Dollar wäre es auf 641 Milliarden Dollar gesunken. Auch der staatliche Schuldenberg hätte sich verkleinert. Die Nettoverschuldung wäre von derzeit 73 Prozent auf 58 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückgegangen.

Kurzfristig hätte der brutale Automatismus des fiscal cliff den USA und der Weltwirtschaft sicher geschadet. Auf lange Sicht aber hätte er den Trend zu immer höheren Schulden in der größten Volkswirtschaft der Erde gedreht. Ob die Abgeordneten das in den nächsten Monaten auch aus freien Stücken schaffen, ist offen.

4. Wie wird die Konjunktur beeinflusst?

Ganz und gar lassen sich die Folgen des fiscal cliff nicht vermeiden. Am 1.Januar steigt der Sozialabgabensatz wieder auf das Niveau vor der Rezession, nachdem der Kongress ihn 2010 um zwei Prozentpunkte gesenkt hatte, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. Weder Demokraten noch Republikaner wollen jedoch diese Abgabenpause fortsetzen, schließlich müssen die Sozialkassen dafür aus dem allgemeinen Haushalt entschädigt werden. Damit wird die Mehrheit der Amerikaner weniger im Geldbeutel haben. Schon deshalb haben viele Ökonomen ihre Wachstumsprognosen für 2013 gesenkt. 

Trotz Minimalkompromiss hält zudem die Unsicherheit an. Noch sind viele Details der Washingtoner Pläne und ihre konkreten Auswirkungen auf Verbraucher und Unternehmen unklar. Das Verbrauchervertrauen ging zuletzt wieder deutlich zurück; Einzelhändler klagten über ein laues Weihnachtsgeschäft. Auch die Unternehmen warten mit Investitionen und Neueinstellungen lieber ab.

Ohne fiscal cliff wäre die US-Wirtschaft 2013 um bis zu 2,5 Prozent gewachsen, sagt Vincent Reinhart, der Chefökonom bei der Bank Morgan Stanley. Jetzt werde die Wirtschaftsleistung, aufs Jahr gerechnet, um weniger als ein Prozent zulegen.

5. Warum ist die große Einigung so schwierig?

Volksvertreter und Volkswirte in beiden Lagern sind sich nur in einem Punkt einig: Die wachsende Verschuldung der USA muss gestoppt werden. Zum Jahreswechsel stand Amerika mit mehr als 16 Billionen Dollar in der Kreide. Zwei Kriege (Afghanistan, Irak) und die schwerste Rezession seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben das jährliche Minus in der Washingtoner Haushaltskasse auf über eine Billion Dollar getrieben.  

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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Wandel in der Bewertung der USA

Bei der Betrachtung der Vereinigten Staaten führen die Grabenkämpfe der politischen Lager bei mir zu einer Verschiebung von skeptischer Bewunderung hin zu einem ratlosen Entsetzen. Man hatte ja schon gehofft, dass die Fundies von der Tea Party an Einfluss verloren haben.
Das Drama von Newton und die Reaktionen der Waffenlobby haben diese Wahrnehmungsumkehr im Übrigen eher noch beschleunigt.