Allerdings sind die Parteien hoffnungslos zerstritten darüber, wie man das Defizit und die Schulden wieder in den Griff bekommen kann. Die Republikaner fordern umfassende Sparmaßnahmen, die laut Kritikern vorwiegend Sozialprogramme treffen würden, während das Verteidigungsbudget verschont bliebe.

Im Visier der Konservativen sind vor allem Medicare und die öffentliche Rentenkasse Social Security. Die Demokraten dagegen wollen dem Defizit lieber mit zusätzlichen Staatseinnahmen beikommen, vulgo: Steuererhöhungen. Dem wird entgegengesetzt, dass alle Mehreinnahmen nicht ausreichen würden, um Amerikas Haushaltslage dauerhaft zu stabilisieren.

Die Wahlen im November haben die Lage keineswegs einfacher gemacht – im Gegenteil. Präsident Obama beruft sich auf seine Wiederwahl, aber auch die Republikaner finden, dass sie gewonnen haben: Sie konnten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigen.

6. Wann kann die Welt aufatmen?

Derzeit ist in Washington nur eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner möglich. Schon beim Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze im Sommer 2011 drohten die USA zahlungsunfähig zu werden. Die Rating-Agentur S&P entzog ihnen daraufhin die höchste Kreditbewertung.

Solange Republikaner und Demokraten ihre fundamentalen Differenzen nicht durch tragfähige Kompromisse überbrücken, droht eine Wiederholung solcher politischer Dramen. Damit aber wird Washington zur Dauergefahr für die Weltwirtschaft. Die Republikaner haben bereits angekündigt, die nächste Kongressabstimmung um die Anhebung der Schuldenobergrenze nutzen zu wollen, um ihre Reformpläne durchzubringen. Dabei haben sie gute Karten: Während die Frist beim fiscal cliff letztlich willkürlich gewählt war, lässt sich das Schuldenlimit nicht ohne Weiteres hinauszögern. Verweigert der Kongress die Zustimmung, riskieren die USA gegenüber ihren Gläubigern – vor allem China – zahlungsunfähig zu werden.

Aufatmen kann die Welt also erst, wenn die politische Mitte in den Vereinigten Staaten wieder die Oberhand bekommt. Wann und wie das passiert, ist allerdings kaum absehbar. Der Kongress ist ein Abbild des geteilten Landes. Eine Hälfte Amerikas lehnt den Staat in seiner heutigen Dimension ab und will ihn aushungern, die andere sieht ihn als Helfer der Armen und der Mittelschicht und will ihn deshalb stärker füttern. Es kann gut sein, dass sich Amerikas gefährliche Reise noch Jahre fortsetzt – und die USA sich so mit Euroland dabei abwechseln, die Weltwirtschaft massiv zu verunsichern.