FrauenpolitikHer mit den Müttern!

Die Frauenquote mag Frauen fördern – aber nur die, die keine Kinder haben. von Hilke Brockmann

Die Frauenquote soll Frauen helfen, die gläserne Decke zu durchbrechen und Karriere zu machen. Doch sie hilft vor allem kinderlosen Frauen, nicht Müttern – obwohl es gerade von ihnen auf hohen Entscheidungsebenen besonders wenige gibt.

Werfen wir einen Blick auf den Bundestag. Bis auf die FDP haben alle politischen Parteien in den vergangenen Jahrzehnten eine Frauenquote eingeführt. Seit ihrer Gründung besetzen die Grünen (1979) und die Linken (2007) die Hälfte aller Ämter mit Frauen. Die SPD führte 1988 eine Quote von 40 Prozent ein; die CDU hat 1996 ein Frauenquorum beschlossen, wonach zumindest ein Drittel der Ämter mit Frauen besetzt sein soll. 2010 zog die CSU mit einer Quote von 40 Prozent nach, von der allerdings Ämter auf Kreis- und Ortsebene ausgenommen sind.

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Tatsächlich, die Quote hatte Einfluss auf die politische Vertretung von Frauen. In den fünfziger und sechziger Jahren war der Bundestag noch stark von Männern dominiert; 91 Prozent der Abgeordneten waren männlich. In den letzten Jahren sank ihr Anteil auf 68 Prozent – auch wenn zwischen den Parteien erhebliche Unterschiede fortbestehen. Während der letzten drei Wahlperioden waren nahezu acht von zehn Christdemokraten im Bundestag Männer und nur drei von zehn Freidemokraten Frauen. Nur bei den Grünen überwogen die weiblichen Abgeordneten.

Doch was ist mit den Müttern? Frauen im Bundestag haben signifikant weniger Kinder als ihre männlichen Kollegen. Dieser Unterschied ist heute sogar noch gravierender als in früheren Legislaturperioden. Und weibliche Abgeordnete haben weniger Kinder als Frauen in der deutschen Bevölkerung. Die Kinderzahlen sinken auf dem politischen Spektrum von rechts nach links. Die Frauenquote mag Frauen fördern – vor allem kinderlose. Mütter haben durch sie oft keine Vorteile.

Die Einführung von Frauenquoten hat an der politischen Unterrepräsentanz von Müttern nichts geändert. Im Gegenteil. Heute machen vor allem Frauen in der CDU/CSU politisch Karriere, die keine Kinder haben. Ursula von der Leyen, die Ministerin und Mutter von sieben Kindern ist, bleibt eine Ausnahme. Das war in den ersten Legislaturperioden des Bundestages noch nicht so. Und links von den christlichen Parteien sind auch Jahrzehnte nach Einführung einer Frauenquote Mütter seltener vertreten als in der Gesellschaft. Mit durchschnittlich einem Kind pro Abgeordneter haben Politikerinnen der Linken am wenigsten Nachwuchs im Parlament.

Ein Grund für diese Diskrepanz mag sein, dass die wachsende Zahl kinderloser Frauen Mütter nicht unterstützen, sondern mit ihnen konkurrieren. Warum sollten jene, die für ihr berufliches Fortkommen auf Kinder verzichtet haben, Frauen mit Kindern zur Karriere verhelfen? So viel Selbstlosigkeit ist wohl kaum zu erwarten. Zudem sind Mütter tagtäglich mit Problemen konfrontiert, von denen kinderlose Frauen und Männer kaum etwas wissen. Mütter im Bundestag haben in einer Studie die langen, späten und auch oft unvorhersehbaren Arbeitszeiten als Karrierehindernis ausgemacht. Wichtige politische Entscheidungen, so eine Abgeordnete der Grünen, werden gern abends in politischen Hinterzimmern gefällt. Bei diesen informellen Treffen, an denen oft das berufliche Fortkommen hängt, ist Präsenz ausschlaggebend. Aber natürlich nehmen die Öffnungszeiten von Krippen, Kindergärten und Schulen darauf keine Rücksicht.

Auch jenseits des politischen Lebens haben vor allem Mütter berufliche und finanzielle Nachteile zu tragen. Es sind Mütter, und nicht (mehr) kinderlose Frauen, die weniger verdienen als Männer. Amerikanische Forscher nennen das motherhood penalty, Mutterschaftsstrafe, und beziffern damit die statistischen Einkommensverluste, die mit jedem Kind verbunden sind. Deutsche Forscher haben ermittelt, dass Mütter mit jedem Kind 16 bis 18 Prozent Gehalt einbüßen. Wenn wir von Altersarmut sprechen, ist meistens die Armut von Müttern gemeint.

Leserkommentare
  1. Na sich so lang krumm und buckelig arbeiten bis zum Burn-out...

    Ich wäre dafür, dass Eltern eine 80-Stunden-Woche aufs Auge gedrückt bekommen und sich Nichteltern in dieser Zeit um die Sprößlinge der Eltern kümmern - dann wäre wohl alles "ausgeglichen".

    Bald kommt die Frage dann auf: "Ob Quoten auch in der Schule Sinn haben?" Am besten gleich in der Grundschule mit dem Mist beginnen... oder damit es noch gleicher wird: Frauen die Brüste amputieren, Männern die Hoden - geht schließlich auch alles im Reagenzglas... und schwupps sind wir alle fast gleich, nämlich alle in unseren individuellen Eigenheiten beschnitten.

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    • Derdriu
    • 15. Januar 2013 18:26 Uhr

    Etwas radikal, aber es würde einige Probleme lösen ;)

  2. So wie Eltern gern den Spruch im Mund führen "Das kannst du gar nicht verstehen wenn du keine Kinder hast" so können es auch Eltern oft nicht verstehen, wie ein Leben als erwachsener Single ist. Das speißt sich dann aus Büchern, Fernsehserien und lustigen Anekdoten. Genauso wie Kinderlose nur ein oberflächliches Bild vom Leben mit Kindern haben.
    Nur sehen das viele Eltern nicht ein. Vielleicht weil sie es gewohnt sind, recht zu haben? Oder weil sie nicht begreifen, dass ihr Leben 'vor den Kindern' nicht das gleiche ist? Weil sie nicht wissen was sie haben weil sie es nicht vermissen müssen? Oder weil sie - das haben wir im Freundeskreis herausgefunden - einfach keine Zeit dafür haben.

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    Antwort auf "Auch aus dem Leben"
  3. ...um ihre kinder kümmern, gäbe es dieses problem nicht. aber ist natürlich bequem, den schwarzen peter an die frauen abzuschieben; sogar in zweierlei hinsicht: kein stress mit der kinderarbeit und haushalt und bessere karrierechancen, da mütter als konkurrenz ja wegfallen - wie praktisch.

    Antwort auf "Die armen Kinder!"
    • Derdriu
    • 15. Januar 2013 18:17 Uhr

    Meine Mutter hat zwar zunächst nur Teilzeit gearbeitet, aber die war so ziemlich immer auf Arbeit. Sie hat nicht unerträglich oft gefehlt- ganz einfach weil wir Kinder nicht oft krank waren. Und Krank wurde mit "Fieber" oder "übergeben" definiert. Alles andere war nicht krank.
    Und ab einem gewissen Alter kann man auch zeitweise alleine (krank) zu Hause bleiben. Wenn man Müttern das Home-Office ermöglicht, wären schon viele Probleme gelöst. Noch besser wären Kitas oder flexible Betreuungsangebote (z.B. Betriebskindergärten oder Ganztagsschulen).

    Es ist eine Mär, das Mütter den ganzen Tag zu Hause und aktiv bei den Kindern sein müssen. Was machen die den ganzen Tag mit denen? Die Kinder spielen, haben Hobbies, machen Hausaufgaben. Dazu muss Mutter nicht 100% anwesend sein.

    Flexible Arbeitszeiten würden schon einiges lösen. Und dann sollen doch die Mütter selber entscheiden, wie viel Zeit sie für was aufbringen. Wir müssen nur von dieser elenden Ideologie weg - in beide Richtungen und etwas praktischer denken.

    Menschen, die keine Kinder haben, können wählen, wie kaputt sie sich schuften und Eltern müssen abwägen, wie viel Zeit ihre Kinder wirklich mit ihnen brauchen. Sollten Eltern wirklich einen Ausfall durch die Kinder haben, bin ich als Nicht-Mutter gerne dazu bereit einen individuellen Soli-Zuschlag zu leisten (entsprechend dem entfallendem Gehalt oder in Form einer adäquaten Mehrarbeitszeit als Vertretung)

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    • Derdriu
    • 15. Januar 2013 18:26 Uhr

    Etwas radikal, aber es würde einige Probleme lösen ;)

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  4. Aber eben nur bei gleicher Leistung. Wenn jemand 2 Jahre nicht im Beruf war, dann fehlt ihm u.a. schon mal eine tarifvertragliche Steigerung die in manchen Tarifwerken durch reine Betriebszugehöigkeit kommt. Das sind schnell mal 5% die da fehlen. Dazu kommt, dass jemand in TZ vielleicht nicht höher eingruppiert wird, da er bestimmte, zeitintensive Aufgaben nicht übernehmen kann (z.B. Aufgaben mit häufiger Reisetätigkeit).

    Dazu kommt, dass Frauen oftmals schlechter verhandeln. In quasi jedem Tarifwerk sind für bestimmte Tätigkeiten mehrere Tarifgruppen möglich. In welche man kommt hängt davon ab, was man fordert und was man kann. Ich habe das kürzlich wieder live erlebt. Einstellung einer weiblichen Bewerberin auf eine Stelle. Diese war in drei möglichen Tarifgruppen bewertet. Und die Forderung der Bewerberin lies sich von der (ausschließlich weiblich besetzten) Personalabteilung mit der niedrigsten der drei Tarifgruppen erreichen. Also wurde sie mit ihrer geringen Forderung da eingruppiert. Das sind 20% weniger als in der höchsten möglichen. Und diese 20% fehlen nun - wenn sie bei uns bleibt - bis zu ihrem Arbeitsende bei uns. Diese 20% fehlen bei jeder prozentualen Erhöhung nach Tarifverhandlung. Einfach schlecht verhandelt. Und das passiert überwiegend! Frauen.

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    zwischen AG und AN.

    Mögen Sie den entsprechende Tarifvertrag benennen?

    In meinem beruflichen Umfeld gehören Eingruppierungen zum täglichen Brot. Diese werden durch AG und BR auf Grundlage eines bestehenden Eingruppierungssystems festgelegt.

    Die persönliche Qualifikation der Stelleninhaber spielt für die konkrete Eingruppierung keine Rolle. Entscheidend ist die Anforderung aus der übertragenen Arbeit.

    kuestenwache

    • simax
    • 15. Januar 2013 20:09 Uhr

    Wieder mal ne Extrawurst zusätzlich für Mutti. Das es auch sowas wie Väter gibt kommt weder hier vor noch bei der Rentenaufbesserung für Alleinerziehende, die mich als Vater für den Zeitraum von 8 Jahren betreffen würde. Die Rede ist allerdings immer nur von Frauenförderung, Frauenförderung oder Frauenförderung.

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    Antwort auf "Die armen Kinder!"

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