HoteltestGib Glas, ich will Spaß

Die junge 25hours-Kette hat ein Haus im Trendviertel Zürich-West eröffnet. Designer Alfredo Häberli darf sich dort ordentlich austoben. von 

Zimmer mit Blick auf die Stadt

Zimmer mit Blick auf die Stadt  |  © PR

Wer glaubt, Zürich sei ein Städtchen mit See, dessen Zentrum das niedliche Niederdorf ist, wer also meint, Zürich sei keine wirkliche Metropole, der fahre in die Pfingstweidstraße 102 und setze sich dort im sechsten Stock in die geräumige, nach vorn hin verglaste Sauna, schwitze – und schaue. Der Blick fällt zwischen Bürotürmen hindurch auf fließende und stockende Verkehrsströme und aufs glitzernde Gleisfeld des Zürcher Hauptbahnhofs. Nein, so großstädtisch, wie von der Sauna des neuen 25hours-Hotels aus gesehen, ist die Limmatstadt nirgendwo sonst.

Aber schließlich befindet man sich in Zürich-West, dem lokalen Trendviertel. In einem Quartier, das vor zehn Jahren noch den Flair der Industriebrache verströmte und heute die Weltläufigkeit der Stadt darzustellen hat, mit neuen Läden, Restaurants, Hochhäusern und eben Hotels. Es ist kein Zufall, dass die kleine und junge 25hours-Kette ihren Stützpunkt ausgerechnet hier angesiedelt hat. Er soll stehen, wo das urbane Leben tobt. Das tobt allerdings bisher erst stoßweise und punktuell. Zweifellos hat das Partyvolk von Zürich-West Besitz ergriffen, vor allem an den Wochenenden. Unter der Woche fühlt sich der Besucher dagegen oft allein zwischen vielen neuen Bürobauten, die weiterhin unterbelegt sind und nachts sehr tot aussehen können. Der dunkle, sechsstöckige Riegel des 25hours fügt sich bruchlos in dieses Panorama ein.

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Leider muss der Gast, der Hitze wegen, die spektakuläre Sauna bald wieder verlassen. Er steigt in einen Holzbottich, nimmt eine Urwalddusche, ruht sich mit grünem Tee auf der Liege noch etwas aus. Dann geht es zurück aufs Zimmer. Das gehört zur Platin-Kategorie und bietet deshalb etwas mehr Platz als die Räume der Gold- und Silber-Klasse. Die Aussicht reicht trotzdem nur bis zum nächsten Büroturm und wirkt deshalb leicht trostlos. Als ginge es darum, diesen Eindruck zu kompensieren, wird im Innern mit reichlich Farbe und verspielten Einrichtungsideen gearbeitet. Damit der rechteckig geschnittene Raum etwas Unkonventionelles bekommt, sind das Kingsize-Bett, der kleine Schreibtisch und der bequeme Ohrensessel schräg platziert. Auf den Bettkissen stehen – leicht ranschmeißerisch – gestickte Versprechungen in der Sprache des Weltbürgers: Almost home oder Let’s spend the night together . Und im kleingekachelten Bad wird man von einem unverhofften Durchblick aufgeschreckt: Die vermeint- liche Spiegelwand gegenüber dem stillen Örtchen ist nur zum Teil verspiegelt und zum anderen Teil aus simplem Glas. Plötzlich sieht man ins Gesicht der Gattin, die draußen neben dem Bett steht und selbst offenbar schwer überrascht ist.

Information

25hours Zürich: Pfingstweidstraße 102, 8005 Zürich, Tel. 0041-445772525

DZ ab 125 Euro

Alfredo Häberli, Zürcher Designer von internationalem Renommee, durfte sich in Zürich-West den Bubentraum erfüllen, einmal ein ganzes Hotel einzurichten. Er hat sich sehr angestrengt – und wirklich in jede Ecke des geräumigen Hauses etwas von sich platziert. Das macht aus dem 25hours eine Art riesigen Showroom seines Schaffens. Mal glänzt er mit einem Tisch, der nicht rund und nicht eckig ist, dann wieder mit Stühlen, die entweder zu groß oder zu klein scheinen. Andersartigkeit um jeden Preis – auf Dauer wird einem Häberlis große Freiheit zu viel. Wo spaßige Werke in solchen Mengen auftreten, beginnt man an einer Überdosis Originalität zu leiden.

Nie wieder falsch liegen: Um weitere Hoteltests zu lesen, klicken Sie bitte auf dieses Bild.

Nie wieder falsch liegen: Um weitere Hoteltests zu lesen, klicken Sie bitte auf dieses Bild.   |  © Design Hotels

Zum Glück herrscht nicht überall im Hotel derselbe Geist. Das Restaurant ist angenehm gradlinig. Sein Angebot ertrinkt weder in internationalem Einerlei noch im helvetischen Käse-Allerlei. Am argentinischen Entrecote Ojo de Agua, garniert mit Babylauch und einer feinsinnigen Rösti, schmeckt alles so, wie es schmecken soll. Und der Linsen-Gemüse-Eintopf mit Salsiccia ist beispielhaft gelungen: ganz ohne Firlefanz. Davon könnte sich das Haus etwas abschauen.

Um zum City Guide Zürich zu gelangen klicken Sie bitte auf dieses Bild.

Um zum City Guide Zürich zu gelangen klicken Sie bitte auf dieses Bild.   |  © Mike Hewitt/Getty Images

Die Nacht vergeht wunderbar ruhig, der schallisolierten Fenster und der hervorragenden Matratze wegen. Man muss nur eines wissen: Ab fünf Uhr morgens wacht auch die kleine Weltstadt Zürich auf. Die Züge, die Trams, die Autos beginnen wieder zu fahren. Das hört man nicht, aber man spürt es, durch kleinste Erdbeben-Wellen, die in schöner Regelmäßigkeit anrollen. Doch im 25hours ist man schließlich nicht um der ewigen Ruhe willen. Hierher kommt, wer dem Pulsschlag der Großstadt näher sein will. Er ist an der richtigen Adresse.

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Leserkommentare
    • uwilein
    • 15. Januar 2013 18:55 Uhr

    Wohlfühlen und Wiederkommen, das ist schon was anderes. solche Hotels brauchen dringendst sehr herzliche Menschen bzw, Personal, die die Coolness der Räume vergessen lassen. Hier lässt sich nur an der Bar leben .....

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  • Serie Hoteltest
  • Schlagworte Zürich | Hotel | Design | Tourismus
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