Mike Horn pfeift aus dem letzten Loch. »Wenn das Leben einfach ist, dann sind eure Ziele nicht groß genug«, krächzt er, dann bricht die Stimme endgültig. »Ich hatte letzte Woche einen kleinen Malariaschub«, hustet er noch zur Erklärung. Das Publikum murmelt verständnisvoll. Mike Horn ist ein ganz harter Hund, das ist spätestens an dieser Stelle jedem der 150 Anwesenden klar. Wir befinden uns im Jachtclub von Monaco. Hier hat Horns Freund Fürst Albert vor gut vier Jahren das Schiff getauft, mit dem Horn gerade alle Kontinente umsegelt hat. Sogar eine Erkältung irgendwie bedeutsam wirken zu lassen, das ist eins der vielen Talente des 46-jährigen Südafrikaners.

Mike Horn hat extreme Dinge getan: Mit einem Hydrospeed, einer Art Körpersurfbrett, schwamm er den gesamten Amazonas hinunter. Er marschierte zwei Jahre lang allein den nördlichen Polarkreis entlang. Im Himalaya bestieg er zwei Achttausender ohne Sauerstoffflasche.

»Warum tun Sie das?«, fragt der Moderator Horn auf der Pressekonferenz zum Abschluss seiner jüngsten Expedition. Für einen kurzen Moment trägt die Stimme wieder: »Ich bin nicht dafür gemacht, zu Hause zu bleiben.«

Vor Publikum ist Mike Horn ein begnadeter Prediger. Er trägt Ermutigungsfloskeln so vor, dass sie nicht wie Kalendersprüche klingen, sondern wie eigenhändig erlegte Lebensweisheiten: »Vergeudet eure Zeit nicht, indem ihr von den falschen Leuten lernt.« Oder: »Ich wollte nie, dass mein Leben leichter wird. Ich wollte immer, dass ich stärker werde.« Damit erreicht er Menschen, die ihr Leben im Anzug und auf Meetings verbringen. Daimler und andere Konzerne unterstützen den sonnengegerbten Abenteurer. Ihre Vertreter sind nach Monaco gekommen, um ihm die Hand zu schütteln.

Dabei erscheint die jüngste Weltumseglung auf einer eigens dafür gebauten, 35 Meter langen Expeditionsjacht, verglichen mit den früheren Touren, geradezu gemütlich. Mit an Bord waren stets sechs bis acht »young explorers«. Das sind Jugendliche aus allen Teilen der Welt, die Horn für je drei Wochen anheuerte, nachdem sie ein anstrengendes Auswahlcamp durchlaufen hatten.

Die Pangaea-Expedition, benannt nach dem Urkontinent, begann 2008 in Argentinien und führte über die Antarktis zum Fjordland der Südinsel Neuseelands, zu den indonesischen Inselgruppen, nach Indien und zum Gelben Fluss im Altai-Gebirge. Von dort über Sibirien zum Nordpol, zu den Inuit im kanadischen Nunavut, in die Naturreservate der USA. Schließlich ins Amazonasbecken und nach Ostafrika. Dabei säuberten die Jugendlichen entlegene Buchten von angeschwemmtem Plastikmüll, installierten Toiletten in Armenschulen und erhoben Messdaten für Forschungsprojekte. »Die Zukunft liegt in den Händen der jungen Generation«, quetscht Horn heraus, und die Zuschauer klatschen. In einigen Gesichtern glitzern am Ende der Ansprache Tränen.

Später, im Gespräch auf seinem Boot, ist Mike Horns Mottomaschine ausgeschaltet. Mit fiebrigen Augen kauert er auf einer gerundeten Eckbank im Wohnbereich der Pangaea. Mitarbeiter und Gratulanten wuseln um ihn herum, halten aber respektvollen Abstand. Er möchte erklären, welcher Sinn hinter all den Strapazen liegt: »Nicht jeder will dorthin, wo ich hingehe. Aber alle müssen wissen, wie die Erde aussieht, damit der Wunsch entsteht, sie zu schützen. Ich biete meine Augen der Welt.«