Weltumsegler Mike HornDes Schöpfers härtester Hund
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Erst, wenn er am Ende seiner Kräfte ist, findet er Ruhe

Manchmal scheinen sich die Gedanken schneller zu formen, als der gemütliche südafrikanische Akzent sie auszudrücken vermag. Dann verfällt Horn in Stichworte: »Mein Kopf ist mein Haus. Sauber halten. Wie Hausputz. Ich will keinen Müll in meinem Haus. Zweifel raus.« Wenn auch das zu umständlich ist, macht er Comicgeräusche: »Ich glaube, dass ein Schöpfer die Welt gemacht hat. Das kann nicht einfach alles so bumm-tschak-tschak-tschak.« Ausgerechnet dann versteht man ihn am besten.

Innere Ruhe findet Mike Horn, wenn er nach stundenlangen Gewaltmärschen durch Eiswüsten oder Dschungelsümpfe am Ende seiner Kräfte ankommt. Diese Ruhe ist vielleicht sein wahres Ziel. Die Arbeit mit den Jugendlichen war anstrengend für ihn. Er musste sein Tempo drosseln und so viel erklären. »In der Natur ist Wissen die stärkste Waffe.« Er springt auf und stellt eine Pirsch dar: »Wir laufen am Nordpol über eine Eisfläche. Schaut euch das Eis an. Betrachtet die Kristalle. Der Wind kommt aus jener Richtung. Seht ihr diese Eisbärenspur? Es ist die Spur eines Weibchens. Seid vorsichtig. Weibchen sind immer gefährlich.«

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Er sei schon als Kind extrem unruhig gewesen, sagt Horn. Er trieb Leichtathletik, spielte Rugby und hätte gerne als Sportler Karriere gemacht. Aber wegen der Apartheid durfte Südafrika nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen. Also studierte er und wurde Geschäftsmann; auch das fiel ihm offenbar leicht. »Dann wachte ich eines Morgens auf und war zu Tode gelangweilt.«

Mit 24 verschenkte er seinen Besitz und kaufte sich ein Flugticket in die Schweiz. Die war eines der wenigen Länder, die Südafrika nicht boykottierten. Dort lernte er Skifahren und Riverrafting und schlug sich als Adventure-Guide durch. Dabei lernte er die neuseeländische Rucksacktouristin Cathy kennen. Sie blieb bei ihm und wurde seine Frau.

1993 kam die erste Tochter zur Welt, ein Jahr später die zweite. Im selben Jahr bretterte Mike Horn aus 4800 Meter Höhe den Montblanc-Gletscher hinunter. Wenig später stürzte er sich in Costa Rica einen 22 Meter hohen Wasserfall hinab, um einen Weltrekord zu brechen. Wie gefiel es seiner Frau, mit zwei Kleinkindern in der Schweiz zu sitzen, während ihr Mann durch die Wildnis trieb und sie seinen Aufenthaltsort nur mittels GPS nachverfolgen konnte? Mike Horn hebt die Schultern. »Sie unterstützt mich. Sie organisiert die Projekte.«

2007 wanderte die Familie zusammen zum Nordpol, und die Töchter gelten seither als die jüngsten Menschen, die jemals auf Skiern dorthin gelangten. Nach seiner Rückkehr mit der Pangaea dankt Horn ihnen öffentlich dafür, »dass ich so lange mit anderen Jugendlichen weg sein durfte«. Zurück an Land, gehöre seine Zeit nun wieder ausschließlich seiner Familie. Doch die Vorhersehbarkeit der Menschen langweilt ihn. Sobald es zu Hause alltäglich wird, bricht er wieder auf. Das sei meist nach etwa vier Wochen der Fall.

Auf der Pressekonferenz in Monaco fragt ihn der Moderator scherzhaft, ob er Lust hätte, den Mars zu sehen. Im Moment seien ihm die vier Jahre Hinreise noch etwas zu lang, antwortet Mike Horn. Aber das könne sich ändern. Dann sei er gern dabei. Er hat die Frage ernst genommen. Die Welt ist ihm nicht genug.

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Leserkommentare
  1. ich bin tatsächlich zwiegespalten. Soll ich diesen "Irren" jetzt bewundern oder ihn für völlig verwirrt halten?

    Bewundernswert, wie er bis an seine Grenzen geht ( wird ihm als 80 jähriger wohl schwerer fallen ) und andererseits, was mag ihn wirklich antreiben ( so ganz tief innen drin )

    Und sich von einem erzählen zu lassen, wie toll und schön die Welt ist ... ob sich da was ändert. Und andererseits millionen mal besser als alles, was auf der politischen Bühne so rumrennt und "die Welt retten" will.

    Alos doch den Hut ziehen ????

  2. Vielleicht liegt manchmal der größte Nutzen in der Eroberung des Nutzlosen

    • evalena
    • 17. Januar 2013 23:16 Uhr

    ..man muss das gar nicht irre oder supergeil finden. Für den größten Teil der Menschheit wär es nicht machbar. Aber hier macht einer definitiv das, was er sich rausgesucht hat , allein deshalb ist er ein Held. Du kannst aber auch ein Held sein, wenn du daheim auf deiner Scholle sitzenbleibst und Radieschen und Karotten ziehst und das zufällig genau das ist, was du mit deinem Leben machen willst.
    Mir fällt jedenfalls dazu der erste Satz in "David Copperfield" von Ch. Dickens ein: "Ob ich der Held meines eigenen Lebens sein werde oder ob jemand anders diese Stelle einnehmen wird, sollen diese Seiten zeigen..."

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