Nil-KreuzfahrtÄgypten gegen den Strom

Auf dem Nil sind endlich wieder große Kreuzfahrten erlaubt. Unterwegs von Kairo nach Assuan durch ein verunsichertes Land. von Gabriela Jaskulla

Am Ufer neben dem Schiff lagern Menschen. In der Dunkelheit sind sie kaum auszumachen, aber als wir näherkommen, sehen wir: Es sind ganze Familien, die warten, jetzt, abends um elf. Sie warten, so begreifen wir allmählich, auf uns, die Passagiere der Club Vision, die hier in Kairo an Bord gehen. Als wir näher kommen, benommen von der stickigen Wärme der Stadt, erheben sie sich neugierig. Neben ihnen stehen Wächter mit strengen Mienen; sie halten die Menschen zurück. Manche der Wächter sind uniformiert, einige tragen die traditionelle Galabija, alle sind bewaffnet. Was haben die Leute hier verloren? Wir schieben uns an ihnen vorbei, stolpern auf das Schiff. An die Waffen werden wir uns gewöhnen – und auch an die freundliche Belagerung, solange wir in Kairo vor Anker liegen. Beides gehört zusammen. Die Familien, die uns Abend für Abend am Ufer erwarten, sind die Angehörigen der Wächter. Sie sind neugierig auf die Touristen. Denn die sind mittlerweile eine Seltenheit in dem Land, das bis vor ein paar Jahren zur Hälfte vom Fremdenverkehr lebte.

Wir merken es gleich zur Begrüßung: Die gesamte Crew ist angetreten. Selbst die rußgeschwärzten Maschinisten sagen Guten Tag. Wir schauen uns um: In den Türen der Lobby funkelt geschliffenes Glas, dunkle Hölzer und poliertes Messing überall, es riecht nach Bohnerwachs und heißem Malventee. Der wird uns nun serviert. Die Crew: 35 Mann für nur 20 Passagiere, an Aufmerksamkeit wird es nicht mangeln. Die Kabinen sind klein, aber gediegen eingerichtet. Wer Glück hat, schaut auf den Fluss, auf dem gerade Hunderte Lichter schaukeln: Hochzeitsschiffe kreuzen, Festgesellschaften schieben sich vorbei. Man sieht die Passagiere tafeln und trinken, eine Bauchtänzerin auf dem Zwischendeck lässt die Muskeln spielen zu unhörbarer Musik.

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Kein schlechter Auftakt für eine Reise in das Sehnsuchtsland Ägypten: erst zu den Pyramiden in der Gegend um Kairo, dann 800 Kilometer flussaufwärts zu den Tempeln von Dendera und Karnak, zur Grablandschaft im Tal der Könige und bis nach Assuan. »Durch das Land der Pharaonen« hat der deutsche Veranstalter die Flussfahrt genannt. Das klingt rührend altmodisch. Man denkt an Tutanchamun und Nofretete, nicht an Mursi oder Mubarak. Dabei war sogar der Nil von den Unruhen im Land betroffen. Seit fast 20 Jahren ist auf dem Abschnitt zwischen Kairo und Luxor kein Kreuzfahrtschiff mehr gefahren: Nach den Anschlägen auf Touristen in den achtziger und neunziger Jahren erschien den Behörden die Lage zu unsicher. Unsere Club Vision ist erst das zweite Schiff, das die traditionsreiche Route wieder vollständig abfährt.

Ich lasse mich auf dem Bettrand nieder und beobachte das Schauspiel: den tiefschwarzen Fluss da unter mir und die Partyschiffe mit ihrer kindlich bunten Beleuchtung. In Kairo ist der Nil eine Bühne, auf der sich die Menschen präsentieren. Das Kabinenfenster lässt sich öffnen – und sofort ist die Stadt wieder da: Gerüche von Abgasen und verbranntem Müll, dazu drückende Wärme. So leicht entkommt man also der Megacity nicht.

Wir erkunden sie und ihre Umgebung an den nächsten zwei Tagen per Bus. »Kiek mal!«, sagt die brünette Petra aus Prenzlau immer wieder. Ihre Ausrufe werden so etwas wie der Refrain der Reise. Die Kontraste sind enorm: hier die Erhabenheit der drei, viertausend Jahre alten Bauwerke in Sakkara und Giseh, die Perfektion der Proportionen, die verschwenderische Kunst für die Toten – dort die Verfallenheit der modernen Bauten, die klapperdürren Kutschpferde, die Menschen, die zu viert auf einem Motorrad fahren. Diesmal hat es Petra ein Sofa angetan, vielleicht auch ein Diwan, so schnell lässt sich das aus dem fahrenden Bus nicht erkennen. Der Diwan steht mitten auf einer Verkehrsinsel, und auf dem Diwan liegt ein Mensch und raucht eine Wasserpfeife, umtost vom mörderischen Verkehr.

Am dritten Morgen, endlich, beginnt die eigentliche Reise. Noch im Dunkeln legt die Club Vision ab, behände turnen ein paar Matrosen außen an den Kabinenfenstern vorbei. Die Erleichterung, Kairo hinter uns zu lassen, treibt mich nach draußen. Auf dem Oberdeck treffe ich Tom, den Betonbauer aus der Uckermark, mit seiner kleinen Digitalkamera am Handgelenk. Er wartet. Um halb sechs bietet der Nil ein Spektakel: Erst wälzt sich ein kirschroter Streifen über die Wasserlinie, fast sieht es aus wie eine dickliche, etwas ordinäre Zunge. Der Nil schnalzt – und schon leckt und schleckt es feurig über das Firmament, und der Fluss selbst glüht und leuchtet... Tom fotografiert, ich stehe und schaue. – »Wie Marmelade«, sagt eine Stimme hinter mir. Eine weitere Passagierin hat es offenbar nicht im Bett gehalten: »Das sieht aus, als hätte jemand Aprikosenmarmelade an den Himmel geschmiert.« Meine neue Bekannte ist Kerstin, eine Kosmetikerin aus der Nähe von Hamburg. Wir lachen über die neue, gemeinsam entdeckte Lust an Metaphern, vielleicht ist das schon der ägyptische Einfluss, denn das Arabische ist voller solcher Wendungen. Ein schöner Morgen kann »ein sahniger Morgen« sein, andere Morgen sind »aus Seide« oder »aus Jade«.

Das hat mir Hassan verraten, Hassan, der unglückliche Masseur. Unglücklich ist er, weil er keine Kunden findet unter uns Passagieren. Es ist zu heiß, und wir sind zu müde, wenn wir von unseren Ausflügen kommen. Das war schon in Kairo so, und das wird sich nicht ändern, denn weiter nach Süden steigen die Temperaturen. Aber weil Hassan hervorragend Englisch und ein wenig Deutsch spricht, ernennen wir ihn zum Ehrendolmetscher. Ungeduldig warte ich bald jeden Morgen, bis er sein Zelt mit den unvermeidlichen Wellness-Utensilien auf dem Oberdeck aufbaut, um dann den Passagieren seine Angebote zu machen. Und jeden Tag wird die »Schönheit à la Aphrodite« ein wenig preiswerter. 

Diese Kreuzfahrt ist eine Attraktion an sich – für die Einheimischen. Sie haben ja viele Jahre kein Touristenschiff mehr gesehen. Stumm winken uns Erwachsene vom Ufer aus zu. Manche wischen sich tatsächlich die Augen. Die Kinder aber schreien sich fröhlich die Seele aus dem Leib: »Hello!« und »Welcome!« Auch mal ein »I love you!« und: »Reis! Reis!« Dass diese letzten Rufe unserem Kapitän gelten, das hat Hassan erklärt. Ein Flusskapitän, arabisch reis, ist ein hoch geachteter Mann. Zwar hat er kein Patent vorzuweisen; aber er kennt den Nil. Das Wissen vom Fluss wird in Ägypten in den Familien weitergegeben. Kommt uns ein Boot entgegen, wechseln wilde Rufe hin und her; damit machen sich die Kapitäne auf Untiefen und Sandbänke aufmerksam, die in keiner Karte verzeichnet sind.

Auf das westliche Bedürfnis nach schneidigen Schiffsoffizieren ist die Club Vision nicht eingerichtet. Als wir es eines Morgens satthaben, den Kapitän oft zu hören, aber praktisch nie zu sehen, schleichen wir uns an. Seine »Brücke«, auf dem Zwischendeck gelegen, entpuppt sich als ein einfacher Kommandostand, als Navigationsgeräte gibt es – einen Kompass. Hinter dem Steuer öffnet sich eine Nische: Hier schläft der Kapitän, wahrscheinlich in derselben Galabija, in der er uns nun entgegentritt. Mehr als drei Stunden schläft er aber nie, verrät Hassan. Und fügt hinzu: »Das will der Nil nicht.« Höflich, aber bestimmt, werden wir hinauskomplimentiert.

Wenig später lässt uns der Kapitän Tee aufs Oberdeck bringen, schwarz und stickig und heiß wie Teer, in jedem Glas lösen sich sechs Stückchen Würfelzucker langsam auf: Wachwerden auf Ägyptisch. Und dann begreifen wir, warum uns der Kapitän so schnell wieder loswerden wollte: Auf der Brücke versammelt er seine Männer. »Allahu Akbar!« Sie streifen die Sandalen von den Füßen und neigen sich zum Gebet. Wir schauen verstohlen auf die Betenden herunter. Von hier aus wirkt es, als verneigten sie sich vor dem Fluss.

»Wenn dette mal keen Nilwasser war!«, sorgt sich Petra, als sie von unserem Besuch und dem Tee des Kapitäns erfährt.

Der Nil. Gesprächsstoff bietet er immer. Obwohl wir ihn an manchen Tagen gar nicht beachten. Dann ist er einfach ein Transportband, das uns diskret weiterbringt. Von Kairo nach Beni Hassan und von Beni Hassan nach Assyut. Der Nil des Fortschritts, der Infrastruktur und Bewegung: Werften und Industrieanlagen säumen hier die Ufer, die meisten jedoch wirken verlassen. Über das Wasser weht ein Gebrumm wie von ärgerlichen Hornissen. Es kommt von den kleinen, schnellen Schlauchbooten der Wasserschutzpolizei. Schon seit Kairo folgen sie uns, und jeden Tag, so scheint es, werden es ein paar mehr. Die Polizisten übernachten sogar in den Booten, und am liebsten ließen sie uns gar nicht an Land.

Das hat manchmal absurde Folgen. In Minia, einer nach ägyptischen Maßstäben kleinen Stadt, legen wir abends an. Früher machten die Touristenschiffe unmittelbar vor den Tempelanlagen fest, aber das ist angeblich zu unsicher. Also sind die Liegeplätze der Wasserschutzpolizei unser Ziel. Wieder einmal sollen wir warten bis zum nächsten Morgen, um dann im eskortierten Bus die Attraktionen zu besichtigen.

Der Mann an der Schiffsrezeption aber hat diesmal ein Einsehen. Er bedeutet uns, wir dürften doch von Bord gehen. Wie weit – das sagt er allerdings nicht. So kommt es zu einem Missverständnis. Als eine Gruppe von Passagieren die Treppe zum Kai erklimmt, entsteht plötzlich Aufregung: Polizisten, gleißendes Licht – kein Mensch weiß, woher plötzlich auch noch das Regionalfernsehen auftaucht, das natürlich filmt, wie die deutschen Ausreißer höchstamtlich wieder eingefangen werden.

Das anschließende Palaver zwischen Obrigkeit, Besatzung und dem enervierten Reiseleiter ergibt, dass ein Spaziergang gestattet wird, und der geht so: Acht mutige Passagiere zockeln im Gänsemarsch über die Corniche von Minia. Wir scheuchen Pärchen in den dunklen Grünanlagen auf, erschrecken dösende Händler. Abgeschirmt wird die kleine Gruppe von sechs muskulösen Agenten einer Spezialeinheit, die sich jedem Straßenköter in den Weg werfen würden.

Je weiter wir nach Südägypten kommen, umso heikler wird die Lage, weil die Behörden der neuen Regierung Mursi enorm verunsichert sind. Sie möchten vor allem keine Fehler machen. Und so werden wir 20 Touristen behandelt wie rohe Eier. Kein Fähranleger, der bei unserem Eintreffen nicht sofort gesperrt, keine Brücke, die nicht geräumt würde. In den Dorfstraßen, durch die wir mit unserer Eskorte brausen, haben Esel und Lkw, Kinder auf Fahrrädern und Sammeltaxis zu warten. Ebenso in den Tempeln: Stoisch harren die Wärter bei den Felsengräbern von Beni Hassan aus, bis wir endlich, mit mehr als zwei Stunden Verspätung, eintreffen. Eigentlich würde die Anlage jetzt, nachmittags um vier Uhr, schließen, aber der Reiseleiter hat sich die Seele aus dem Leib telefoniert, damit wir sie noch sehen können, die kunstvoll bemalten Gräber von Beni Hassan.

Eine Riesenschau, in der Tat. Genau wie die Tempelanlage von Dendera, eine Tagesfahrt weiter flussaufwärts. Das war einst der heiligste Ort im Reich, in der weitläufigen Anlage finden sich überall Abbildungen von Hathor, jener »kuhäugigen« Göttin der Liebe, die ihre römische Entsprechung in Aphrodite finden sollte. Langsam umwandern wir die 24 Säulen der Vorhalle, tauchen ein ins Dunkel des Inneren, entdecken Malereien und Reliefs – Bilder von Barken, die den Pharao ins Jenseits geleiten sollen, Papyrus und Bambus, die Wahrzeichen Ober- und Unterägyptens. Allmählich lernen wir, die Zeichen zu lesen, suchen nach wiederkehrenden Hieroglyphen, freuen uns über »alte Bekannte« wie Horus, den Gott mit dem Falkenkopf. Die Tempelwächter beobachten uns diskret. Einer weist auf eine Nische, zeigt den Weg zu exquisit geschmückten Seitenkapellen. Als ich ihm ein Trinkgeld gebe, flattern die anderen in ihren dunklen Galabijas herbei wie aufgescheuchte Vögel. Zu wenige Touristen gibt es für zu viele Tempelwärter.

Und dann ereignen sich Szenen wie jene im Horus-Tempel von Edfu, schon im tiefen, sehr konservativen Oberägypten: Da nähert sich eine Gruppe einheimischer Frauen den Touristinnen, ganz vorsichtig. Die einen tragen Schwarz und sind verschleiert, die anderen wedeln sich mit Fächern den Schweiß von den bloßen Schultern. Man beäugt sich. »Salam!«, sagt schließlich eine der Touristinnen mutig – »Salam!«, rufen die Frauen geradezu enthusiastisch zurück. Gekicher auf beiden Seiten. Die Frauen verschwinden, kommen aber wieder, ein Mann ist dabei. Jetzt wollen sie sich mit den deutschen Frauen fotografieren lassen. Man berührt sich, hält sich an den Händen. Minuten später scheiden die Frauen voneinander, umarmen sich, haben Tränen in den Augen: »Salam! Salam!« Mehr sagen können sie sich nicht. 

»Jibt et doch jar nich!«, sagt Petra aus Prenzlau, die ein Tuch geschenkt bekommen hat. »Det globt dir zu Hause keen Mensch.«

Ist es Zufall, dass sich am nächsten Tag die Rufe vom Flussufer ändern? Von Luxor aus geht es über Komombo nach Assuan, und auf diesem Teil der Route sind immer Schiffe gefahren; all die Jahre haben Reisende die wechselnden Landschaften bewundert, die Bananenplantagen am Ufer gezählt, den Zuckerrohrarbeitern beim Ernten zugesehen. Es ist eine agrarische Gegend, nicht reich, aber sich selbst genügend. Alles wirkt friedlich, ja heiter. Und trotzdem kippt hier die Stimmung. Die Kinder am Ufer sind jetzt vor allem Banden von Jungen, und sie rufen etwas, was wir nicht verstehen. Als die ersten Steine fliegen, ist klar, was die Rufe bedeuten. »Ach was!«, winkt Hassan, der Masseur-Dolmetscher, ab, »es sind Kinder! Die machen halt irgendwas. Schauen Sie nur...« Und wie zur Erklärung hebt er beide Arme hoch, winkt mit übertriebenen Gesten in Richtung der Steinewerfer und ruft »Hello! Hello, Egypt! Nice to meet you!« – Und tatsächlich schallt es sogleich vom Ufer zurück: »Hello! Welcome! Welcome to Egypt...« Hassan wendet sich ab, zuckt mit den Schultern, lächelt. Eine Lektion in Verständigung.

Beim abendlichen Buffet, zwischen Couscous und Auberginensalat, ist diese Episode das Thema. Wohin steuert Ägypten? Der Reiseleiter muss immer mehr Gegenwärtiges, Unfertiges erklären, während wir das Vergangene in seiner Perfektion bestaunen. Warum zum Beispiel dauern die Fahrten zu den Tempeln jetzt doppelt so lange wie früher? Weil die vom Verkehr genervten Dorfbewohner zahllose Asphalt- und Zementschwellen auf ihre Straßen bauen. Wurde man früher nur am Ortseingang solchermaßen gebremst, ist der Busfahrer nun alle paar Meter zum Schrittfahren gezwungen. Es gibt keine Behörde, die einschreitet. Auch Häuser entstehen einfach so, ganze Siedlungen wachsen wild und unkontrolliert, wir sehen Frauen und Kinder auf den Baustellen mithelfen, sie alle nutzen die Gunst der Stunde, die Hilflosigkeit der neuen Regierung. Wir sammeln Begriffe für Ägypten. »Zerrissen«, sagt Kerstin mit Kummer in der Stimme, weil Ägypten, wie ich jetzt weiß, das Land ihrer Träume war. »Unentschieden«, meint die Arztfrau aus dem Siegerland.

»Wir Ägypter hatten alle einen glücklichen Moment«, sagt Hassan, als ich ihn frage, wie er sein Land sieht, »und für diesen Moment hat es sich gelohnt.« Der eine glückliche Moment, das war der Tag, an dem Mubarak gestürzt wurde, darin sind sich alle, die wir fragen, einig. »Wir wissen nicht, wie es weitergeht«, sagt Hassan mit seinem langsamen Lächeln, »aber wir haben keine Angst mehr.«

»Mein Jott«, sagt Petra beim Buffet, »det muss doch wat werden! Det muss doch irjendwann wieder jut werden!«

Sehr weit im Süden sind wir mittlerweile. Auf den Märkten und vor den Tempeln sehen wir kaum noch Frauen. Sie verschwinden aus dem öffentlichen Leben. Im Tempel von Karnak bewundern wir die Statuen von Hathor, der Liebesgöttin, während die Predigt des Imams per Lautsprecher übertragen wird: Frauen solle man nicht die Hand geben, das habe der Prophet schließlich auch nicht getan. Der Reiseleiter, der den Sermon übersetzt, schüttelt ärgerlich den Kopf.

Die Route

Seit 1994 war der Nil auf dem Abschnitt zwischen Kairo und Luxor für Flusskreuzfahrtschiffe aus Angst vor Anschlägen gesperrt. Das Verbot wurde erst im vergangenen Jahr aufgehoben. 2012 war Phoenix Reisen der einzige deutsche Reiseveranstalter für die Strecke Kairo–Assuan. Von 2013 an haben auch andere Anbieter die Route im Programm.

Die Reise

Die 14-tägige Pauschalreise »Durch das Land der Pharaonen« wird von Phoenix Reisen ab 1099 Euro pro Person inklusive Hin- und Rückflug angeboten. Der nächste noch buchbare Reisetermin liegt in der ersten Aprilhälfte. Auskunft: Phoenix Reisen, Pfälzer Str. 14, 53111 Bonn, Tel. 0228/92600

Informationen

Weitere Informationen erteilt das Ägyptische Fremdenverkehrsamt, Kaiserstraße 64a, 60329 Frankfurt am Main, Tel. 069/252153.

Ein Touristenvisum wird bei der Einreise nach Ägypten erteilt, sofern der Reisepass noch mindestens drei Monate nach Reiseende gültig ist.

Die Hitze drückt. Tagsüber leuchten die Felsentürme an den Ufern rot und gelb, wenn unser Schiff sie passiert. Kein Lüftchen, auch am frühen Morgen nicht. Dann treffen sich auf dem Oberdeck die Schlaflosen und die Hobbyfotografen. Wir starren gemeinsam in den Sternenhimmel – und ans Ufer. Dort werden die schweren Schatten allmählich durchschaubar: ein Büffel, ein Fischerboot, verschlafene Vögel. Tom neben mir blinzelt. Das Schiff schiebt sich unmerklich heran, an den Tieren vorbei. Das Schiff ist selbst ein Tier, ein Tier, das getragen wird, ein Tier, das auf den Nil angewiesen ist wie die hitzeempfindlichen Wasserbüffel, an denen wir uns nicht sattsehen können.

Nur noch ein paar Flusskilometer bis Assuan, dem Endpunkt der Reise. Der Nil zeichnet sich ab, gewinnt Konturen, schimmert, nun nicht mehr lackschwarz, sondern blau wie Metall. Kraniche kreuzen. Auf der Brücke unter uns beraten sie leise. Das Land erscheint mal nah und klar, mal diffus, als Schichtung von Farben und Formen. Ein Bild für die Reise: So wie die Augen die Landschaft oft vergeblich absuchen nach festen Punkten, nach etwas, was man benennen könnte, so geht es uns mit Ägypten. Wir schweben vorbei – gutwillig, aber verständnislos, dringlich erwartet, aber niemals innehaltend. Passagiere eben, Vorüberziehende – herzlich willkommen in diesem immer noch berückend schönen, heiklen »Land der Pharaonen«.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und Beleidigungen. Danke, die Redaktion/jz

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    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    Antwort auf "[...]"
  3. War das ein Dampfschiff oder ist das nur eine vergaloppierte Metapher?

  4. Zusammenfassung: Bloß nicht hin. Eine erschreckende Beschreibung.
    Aber in islamistische Länder setze ich sowieso keinen Fuß.

  5. "Einer weist auf eine Nische, zeigt den Weg zu exquisit geschmückten Seitenkapellen. Als ich ihm ein Trinkgeld gebe..." Trinkgeld für was, für eine kurze Handbewegung? Das Ergebnis beschreiben Sie ja selbst schon im nächsten Satz. Wir waren in Ägypten, vorher, nachher und mittendrin. Das Land ist unerträglich für Touristen, man hat nirgendwo seine Ruhe, jeder will seinen Anteil am Geld von Touristen, das Feilschen um eine Schachtel Zigarretten geht los bei 50 US-Dollar. Danke an die Autorin, dass Sie dafür sorgt, dass dieser schöne Brauch nicht ausstirbt. Und ich dachte, Reisen bildet.

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    Bereits 3x habe ich das Land am Nil besucht: 2001, 2008 und zuletzt 2013. Die Lebensgrundlage der meisten Ägypter hängt vom Zustrom der Touristen ab. Und dieser ist durch die politischen Unruhen stark zurück gegangen. Die einheimische Bevölkerung bietet Ausflüge per Boot, Kutsche oder Kamel an, beschäftigen Mitarbeiter in den Papyrus-, Parfüm- oder Alabaster-Fabriken oder haben kleine Stände auf den unzähligen Basaren.
    Von rund 200 Flussschiffen waren 2013 nur noch knapp 20 unterwegs. Das bedeutet für die Angestellten auf den 180 anderen Schiffen Arbeitslosigkeit und für die Bootsbesitzer, Verkäufer und alle anderen, die vom Touristmus leben, sehr viel weniger Kunden. Wer keine Arbeit hat, greift nach jeder Möglichkeit um seine Existenz zu sichern.
    Die meisten Ägypter können sich ihr Leben lang keinen Urlaub leisten. Deshalb ist jeder Tourist in den Augen dieser Menschen reich. Und warum sollte man nicht vom Reichtum anderer profitieren? Das wird in westlich geprägten Ländern nicht anders gemacht.
    Wer heute nach Ägypten reist, muss in zweierlei Hinsicht ein dickes Fell besitzen: Zum Einen, dass man an jeder Ecke angesprochen wird etwas zu kaufen, und sei es nur eine Wegbeschreibung, und zum Anderen die Erkenntnis, dass Mitleid einem nur den Urlaub verdirbt.
    Zuletzt eine wahre Geschichte: In Esna gibt es in einem Basar ein Geschäft, dessen Besitzer ein Schild in deutsche Sprache angebracht hat: „Hier werden Sie nicht belästigt!“. Wo haben die Touris wohl eingekauft?

  6. Vermutlich hatte Ihr Reiseleiter einen schlechten Tag... Die floraren Wahrzeichen der alten Pharaonen ware Papyrus für Unterägypten und Lotus für Oberägypten. Dies ist nur eine Darstellung für die Vereinigung der beiden Länder. Weitere Symbole dafür sind die Biene und die Binse, die Krone von Ober- und Unterägypten, Horus und Seth und viele mehr.
    Ansonsten vielen Dank für diesen schönen Reisebericht, ich habe mich sogleich in meinen letzten Urlaub dorthin zurückversetzt gefühlt. Und ich hatte eine schöne Zeit.

  7. Bereits 3x habe ich das Land am Nil besucht: 2001, 2008 und zuletzt 2013. Die Lebensgrundlage der meisten Ägypter hängt vom Zustrom der Touristen ab. Und dieser ist durch die politischen Unruhen stark zurück gegangen. Die einheimische Bevölkerung bietet Ausflüge per Boot, Kutsche oder Kamel an, beschäftigen Mitarbeiter in den Papyrus-, Parfüm- oder Alabaster-Fabriken oder haben kleine Stände auf den unzähligen Basaren.
    Von rund 200 Flussschiffen waren 2013 nur noch knapp 20 unterwegs. Das bedeutet für die Angestellten auf den 180 anderen Schiffen Arbeitslosigkeit und für die Bootsbesitzer, Verkäufer und alle anderen, die vom Touristmus leben, sehr viel weniger Kunden. Wer keine Arbeit hat, greift nach jeder Möglichkeit um seine Existenz zu sichern.
    Die meisten Ägypter können sich ihr Leben lang keinen Urlaub leisten. Deshalb ist jeder Tourist in den Augen dieser Menschen reich. Und warum sollte man nicht vom Reichtum anderer profitieren? Das wird in westlich geprägten Ländern nicht anders gemacht.
    Wer heute nach Ägypten reist, muss in zweierlei Hinsicht ein dickes Fell besitzen: Zum Einen, dass man an jeder Ecke angesprochen wird etwas zu kaufen, und sei es nur eine Wegbeschreibung, und zum Anderen die Erkenntnis, dass Mitleid einem nur den Urlaub verdirbt.
    Zuletzt eine wahre Geschichte: In Esna gibt es in einem Basar ein Geschäft, dessen Besitzer ein Schild in deutsche Sprache angebracht hat: „Hier werden Sie nicht belästigt!“. Wo haben die Touris wohl eingekauft?

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