Ein guter Lehrer darf keine Zeit mit unwichtigen Dingen verschwenden
Ohnehin hält Hattie das Gerede über vorbildliche Schulen für »nahezu irrelevant«. Alle seine Daten belegen, so der Schulforscher, dass sich die größten Unterschiede im Lernzuwachs nicht zwischen Schulen zeigen, sondern zwischen einzelnen Klassen, und das bedeutet: zwischen einzelnen Lehrern. Das ist Hatties zentrale Botschaft, die er aus dem Datengebirge zutage gefördert hat: Was Schüler lernen, bestimmt der einzelne Pädagoge. Alle anderen Einflussfaktoren – die materiellen Rahmenbedingungen, die Schulform oder spezielle Lehrmethoden – sind dagegen zweitrangig.
Auf den guten Lehrer kommt es also an. Das klingt banal, meint man. Das weiß doch jeder, heißt es. Doch warum glaubt die Politik noch immer, Lernergebnisse mit Strukturreformen verbessern zu können? Wieso blüht gerade in der deutschen Schuldebatte ein Methodenglauben? Und wie kommt es, dass ausgerechnet Pädagogen ihre Bedeutung kleinreden? Im vergangenen Jahr fragte das Allensbach-Institut Lehrer nach ihrer Bedeutung. 48 Prozent meinten, sie hätten wenig oder gar keinen Einfluss auf ihre Schüler, ganz im Gegensatz zu den Medien etwa. Nur ganze acht Prozent schrieben sich eine »sehr große« Bedeutung zu.
Hatties Forschungsergebnisse dementieren solche Einflusslosigkeit. Gleichzeitig widerspricht er allen Ansinnen, den Lehrer im Unterricht zu marginalisieren. Für Hattie darf ein Lehrer kein bloßer Lernbegleiter sein, kein Architekt von Lernumgebungen (»faciliator«). Will er etwas erreichen, muss ein Lehrer sich vielmehr als Regisseur verstehen, als »activator«, der seine Klasse im Griff und jeden Einzelnen stets im Blick hat.
Für reformpädagogisch Bewegte sind diese Aussagen schwer verdaulich. Dass Schüler ihre »Lernprozesse am besten selbst gestalten«, wie etwa die jüngst gegründete Initiative »Schule im Aufbruch« propagiert, dürfte Hattie für abwegig halten. Andere Lieblingskonzepte der Neudenker von Schule fallen bei ihm ebenso durch. Das gilt besonders für den »offenen Unterricht« oder die »jahrgangsübergreifenden Klassen«. Für beides hat Hattie so gut wie keine empirischen Belege dafür gefunden, dass es das Lernen verbessert.
Auch dass die Individualisierung des Unterrichts per se eine hohe Lernwirksamkeit besitzt, kann man nach Hatties Befunden nicht sagen. »Angesichts der großen Hoffnungen, die man mit der sogenannten individuellen Förderung verbindet, sollte man noch einmal überlegen, was man mit dem Schlagwort meint«, warnt Eckhard Klieme. Der Frankfurter Schulforscher hat Hatties Großprojekt als einer der Ersten in Deutschland rezipiert. Für ihn unterstreichen die Forschungsergebnisse des Neuseeländers vor allem die Bedeutung der Struktur für jeden guten Unterricht.
Das beginnt mit einer stringenten Klassenführung (»classroom management«). Ein guter Lehrer darf keine Zeit mit unwichtigen Dingen verschwenden, und er muss rasch erkennen, wann er auf eine Störung mit Strenge und wann mit Humor reagiert. Noch höher auf der Hattie-Skala rangiert die »teacher clarity«, dass Schüler also verstehen, was der Lehrer von ihnen will. Beide Erfolgsbedingungen für einen gelungenen Unterricht werden stark unterschätzt. In der Pädagogenausbildung spielen sie kaum eine Rolle. Dabei gehen im Leben eines Schülers Wochen an Lernzeit allein damit verloren, dass Lehrer umständlich Arbeitsblätter verteilen. Ganze Stunden erweisen sich als wirkungslos, weil der Lehrer zu Beginn nicht klarmacht, worauf es in den nächsten 45 Minuten ankommt.
Strukturiert und disziplinbewusst, fachbezogen und stets im Mittelpunkt des Geschehens: Den Lehrertyp kenn ich, wird mancher in Deutschland sagen, den findet man doch bei uns in jedem Gymnasium! Doch so sehr Hattie den »Lerncoach« ablehnt, der ab und an vom Rand des Unterrichtsgeschehens eine Bemerkung macht, so wenig taugen seine Forschungen, um den traditionellen Studienrat zu rehabilitieren, der seinen Schülern die Früchte eines umfassenden Fachwissens mittels Vorträgen kredenzt.
Zwar steuert ein guter Lehrer laut Hattie den Unterricht von der ersten bis zur letzten Minute. Er nimmt hierbei jedoch – das ist das Besondere – immer die Perspektive seiner Schüler ein. »Ein guter Lehrer sieht den eigenen Unterricht mit den Augen seiner Schüler«, sagt Hattie. Wie das genau funktioniert, erklärt der neuseeländische Bildungsforscher in seinem zweiten Buch, das 2011 erschienen ist. In Visible Learning for Teachers skizziert John Hattie eine Pädagogik der permanenten Selbstreflexion.
Das beginnt mit der Haltung. Viel zu viele Lehrer, kritisiert Hattie, erklärten die fehlenden Lernfortschritte mit den Schwächen ihrer Schüler: dem Mangel an Fleiß, der falschen Eignung oder der fehlenden Unterstützung des Elternhauses. Stattdessen müsse der Lehrer sich fragen, was er falsch macht, wenn seine Klasse beim Lernen nicht vorankommt.
Die Empirie gibt Hattie anscheinend recht. Bis zu einer Klassenstufe kann sich der Lernfortschritt von Schülern unterscheiden, je nachdem welchen Lehrer sie haben. Besonders augenfällig machte diese Qualitätsdifferenz vor einigen Jahren ein Experiment aus Schweden. Hier übernahmen ausgewählte Lehrer die Klasse einer Brennpunktschule, deren Schüler sich weitgehend aufgegeben hatten. Nach einem Jahr hatten sie die Stimmung gedreht und den Lernrückstand beträchtlich verkleinert.





Nehmen wir die Ergebnisse der Studie ernst, so müssen wir alle Abstand nehmen von den Diskussionen über Schularten, Schulstrukturen und uns alle wieder konzentrieren auf das, was Lehren und Lernen ausmacht – die Situation im Klassenzimmer.
Lernen geschieht in einer direkten Interaktion zwischen Kindern und Jugendlichen und einem Lehrer, der seine Klasse im Griff und jeden Einzelnen stets im Blick hat. Er ist nicht Lernbegleiter, sondern ein Mensch, der etwas weiß und kann und von seinen Schüler in fachlicher und menschlicher Weise respektiert und gemocht wird. Welche Methoden er dann im Unterricht anwendet, ergibt sich aus der konkreten Unterrichtssituation und nicht aus Dogmen über angeblich allein zielführende didaktische Modelle. Dies mögen sich alle Vertreter der Schulverwaltung in ihr Merkheft schreiben, die jetzt Konzepte wie das „Kooperatives Lernen“, selbstorganisiertes Lernen“, „Lernen durch Lehren“ etc. als Non-Plus-Ultra pädagogischen Handelns von allen Lehrern einfordern möchten.
als ein Ort zum Lernen! Kinder verbringen hier ein Drittel ihres Tages, die wesentlichen Jahre ihrer Entwicklung; werden belehrt, interagieren mit anderen, essen, spielen, entwickeln sich und lernen. "Es ist Zeit, unser Verständnis von Schule, Lernen und Lehren zu überdenken und unsere Schulen von Grund auf umzugestalten: hin zu einer Lernkultur der Potenzialentfaltung." http://www.schule-im-aufb...
Wenn es um das Lernen des Einmal-Eins, Lesen, Gedichte aufsagen und die Maxwellschen Gleichungen geht, mag es so sein, wie Hattie postuliert, aber Schule ist ein wesentlicher Ort der Entwicklung von Menschen, und hier sind bestimmte Rahmenbedingungen hilfreicher als andere. Wollen wir freie, selbstbestimmte, -bewußte und denkende Menschen erziehen oder Menschen, die abrufbares Wissen optimal gespeichert haben? Noch gilt allzuoft Senecas bedauernder Ausruf, auch wenn dessen Negation in den letzten 2000 Jahren immer häufiger behauptet wurde. Aber bereiten wir Kinder wirklich auf's Leben vor, wenn wir ihnen lediglich Wissen möglichst optimal vermitteln?
Aber richtig ist natürlich, daß mehr motiviertere und didaktisch und sozial fähige Lehrer benötigt werden, die ihre Schüler lieben, verstehen, als ganze Menschen mit jeweiligen Stärken und Schwächen begreifen, in der Lage sind mit ihnen und deren Eltern auf Augenhöhe zu kommunizieren und sw...
Weshalb gibt es hier eine REDAKTIONSEMPFEHLUNG?
In dem Beitrag von Mausbach gibt es NICHTS, das bedenkenwert wäre, allerdings einen Seminarausbilder, der sich hier äußert und ...... zunächst:
Bli Bla Blu (oder Bliu). Diesen Textteil finde ich o.k. - Credentials usw. Dann: eine Kategorisierung und Erklärung (Lehrerlehrer!*).
Ab "dennoch" wird es aber absurd: Was ist "dennoch" möglich und weshalb wäre es wünschenswert? In "bester" pädagogischer Tradition gibt Mausbach hier einen anekdotischen Heilserfolg zum Besten. Empirie? Gerne gelobt, aber tatsächlich - so scheint es - weit überschätzt!
Der letzte Absatz ist in der vorliegenden Form vollkommen überflüssig, weil ohne potentiellen Erkenntnisgewinn. (Es sei denn Online-Redaktion und Mausbach haben einen exklusiven Informationsaustausch auf den Mausbach sich hier bezieht!).
Ich arbeite als (Physik-)Lehrer (und Mausbachs Kommentar** zum Artikel hätte ich nicht gut bewertet (s.o.)) aber Hatties Ergebnisse schätze ich, so wie er. (Nur würde ich sie vermutlich anders anwenden :) ).
Knatterton
* immer noch ohne Erkenntnisgewinn
** ich schätze:durchgefaöllen
als ein Ort zum Lernen! Kinder verbringen hier ein Drittel ihres Tages, die wesentlichen Jahre ihrer Entwicklung; werden belehrt, interagieren mit anderen, essen, spielen, entwickeln sich und lernen. "Es ist Zeit, unser Verständnis von Schule, Lernen und Lehren zu überdenken und unsere Schulen von Grund auf umzugestalten: hin zu einer Lernkultur der Potenzialentfaltung." http://www.schule-im-aufb...
Wenn es um das Lernen des Einmal-Eins, Lesen, Gedichte aufsagen und die Maxwellschen Gleichungen geht, mag es so sein, wie Hattie postuliert, aber Schule ist ein wesentlicher Ort der Entwicklung von Menschen, und hier sind bestimmte Rahmenbedingungen hilfreicher als andere. Wollen wir freie, selbstbestimmte, -bewußte und denkende Menschen erziehen oder Menschen, die abrufbares Wissen optimal gespeichert haben? Noch gilt allzuoft Senecas bedauernder Ausruf, auch wenn dessen Negation in den letzten 2000 Jahren immer häufiger behauptet wurde. Aber bereiten wir Kinder wirklich auf's Leben vor, wenn wir ihnen lediglich Wissen möglichst optimal vermitteln?
Aber richtig ist natürlich, daß mehr motiviertere und didaktisch und sozial fähige Lehrer benötigt werden, die ihre Schüler lieben, verstehen, als ganze Menschen mit jeweiligen Stärken und Schwächen begreifen, in der Lage sind mit ihnen und deren Eltern auf Augenhöhe zu kommunizieren und sw...
Weshalb gibt es hier eine REDAKTIONSEMPFEHLUNG?
In dem Beitrag von Mausbach gibt es NICHTS, das bedenkenwert wäre, allerdings einen Seminarausbilder, der sich hier äußert und ...... zunächst:
Bli Bla Blu (oder Bliu). Diesen Textteil finde ich o.k. - Credentials usw. Dann: eine Kategorisierung und Erklärung (Lehrerlehrer!*).
Ab "dennoch" wird es aber absurd: Was ist "dennoch" möglich und weshalb wäre es wünschenswert? In "bester" pädagogischer Tradition gibt Mausbach hier einen anekdotischen Heilserfolg zum Besten. Empirie? Gerne gelobt, aber tatsächlich - so scheint es - weit überschätzt!
Der letzte Absatz ist in der vorliegenden Form vollkommen überflüssig, weil ohne potentiellen Erkenntnisgewinn. (Es sei denn Online-Redaktion und Mausbach haben einen exklusiven Informationsaustausch auf den Mausbach sich hier bezieht!).
Ich arbeite als (Physik-)Lehrer (und Mausbachs Kommentar** zum Artikel hätte ich nicht gut bewertet (s.o.)) aber Hatties Ergebnisse schätze ich, so wie er. (Nur würde ich sie vermutlich anders anwenden :) ).
Knatterton
* immer noch ohne Erkenntnisgewinn
** ich schätze:durchgefaöllen
Danke für diesen ausführlichen Artikel, der an noch prominenterer Stelle erscheinen sollte. Jeder Mensch, der im weitesten Sinne mit Entscheidungen in unserem Bildungssystem zu tun hat, sollte ihn lesen - wenn ich sehe, wie einige Leute in den letzten Jahren viele Teile unseres Systems verschlimmbessert haben, ganze Schulformen abgeschafft haben, nur um irgendwelche Reformen vorweisen zu können, wird einem ganz anders.
Ich hoffe, dass diese Meinung sich durchsetzt und das allgegenwärtige Methoden-Gerede endlich durch einen praktischen und sinnvollen Diskurs ersetzt wird. Eigentlich scheinen die Problempunkte ja viel einfacher, als viele glauben. Also danke und bitte verbreiten!
wird (große) methodische Mängel und andere Bedingungen wie in D feststellen, damit die eigene Ideologie nicht gefährdet wird.
>ganze Schulformen abgeschafft haben, nur um irgendwelche Reformen vorweisen zu können
Haben Sie sich einmal auch nur annähernd mit der Schulwirklichkeit befasst? Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems ist im Europamaßstab und darüber hinaus erstens schon lange überfällig und zweitens hatten Absolventen der Haupt- bzw. zunehmend der Realschulen langsam keine Schnitte mehr am Arbeitsmarkt.
Es ist also weit mehr als nur ein Reformungetüm. Aber so sind wir Deutschen: verbohrt (und) konservativ.
wird (große) methodische Mängel und andere Bedingungen wie in D feststellen, damit die eigene Ideologie nicht gefährdet wird.
>ganze Schulformen abgeschafft haben, nur um irgendwelche Reformen vorweisen zu können
Haben Sie sich einmal auch nur annähernd mit der Schulwirklichkeit befasst? Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems ist im Europamaßstab und darüber hinaus erstens schon lange überfällig und zweitens hatten Absolventen der Haupt- bzw. zunehmend der Realschulen langsam keine Schnitte mehr am Arbeitsmarkt.
Es ist also weit mehr als nur ein Reformungetüm. Aber so sind wir Deutschen: verbohrt (und) konservativ.
Ich fühle mich auch als Nicht-Pädagoge bestätigt, da mich die Fixierung auf Rahmenstrukturen besorgte und mir Beziehung zwischen den Beteiligten als bedeutsamerer Faktor erschien.
Bei der Interpretation der Ergebnisse von Herrn Hattie wäre ich dennoch vorsichtig, wenn wirklich nur "Lernoutput" gemessen wurde - habe die Bücher noch nicht gelesen. Bildung ist mehr als Fachwissen. Professionelle Intelligenz mehr als IQ.
Und was speziell "Lernen durch Lehren" (LdL) angeht, verstehe ich die Kritik aus dem ersten Kommentar nicht. Ganz vorne mit dabei sind bei Hattie:lehrergeleiteter Unterricht (bei LdL ist der Lehrer DER Regisseur, der über seine Akteure wacht), Lehrerfeedback (ist bei LdL ein Grundelement), problemlösender Unterricht (nicht zwingend Bestandteil, aber gut verknüpfbar), vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrkraft und Schüler (ohne das funktioniert LdL nicht). Auch LdL ist nicht DIE Methode, die gibt es nicht. Die offenbar ablehnende Pauschalkritik kann ich dennoch nicht nachvollziehen.
Sehr geehrter Herr Tacke,
Sie haben recht! Man kann "Lernen durch Lehren" und die anderen von mir angesprochenen didaktischen Modelle nicht verurteilen; sie haben ihre Berechtigung. Aber sie dürfen nicht als Paradigmenwechsel der Pädagogik angepriesen und von der Bildungsverwaltung den Lehrkräften vorgeschrieben werden, wie dies im Moment bei der Einführung der Gemeinschaftschule in BW geschieht.
Zieht man ein erstes, vorsichtiges Résumé, kann man sicher eines schon sagen: John Hattie ist es zu verdanken, dass der Blick auf schulisches Lernen in Deutschland wieder ein wenig mehr von Realismus und Praxiserfahrung geleitet werden kann. Man darf gespannt sein, wie die Erziehungswissenschaft, die Bildungspolitiker und die Kultusbürokratien mit diesen Erkenntnissen umgehen werden. In jedem Fall können sich die vielen guten Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen aller Schularten, die häufig genug erfolgreich arbeiten, durch die Ergebnisse der Studie bestätigt fühlen und bekommen dadurch den Rücken frei, sich unabhängig von ideologisch geprägten Vorgaben, sinnvoll und reflektiert ihrer täglichen Arbeit zu widmen. Lernen geschieht im Klassenzimmer in einer direkten menschlichen Begegnung zwischen Lehrer und Schülern – das ist es, was durch John Hattie wieder neu in den Blick kam. Dafür sei ihm gedankt!
... meint, dass Schüler für sich selbst auch lernen,
wenn sie einem Mitschüler z. B. das gerade eben Verstandene erklären.
Das habe ich selbst als Schüler so erfahren, als ich meinem Sitznachbarn die Lösung einer Mathematikaufgabe mit eigenen Worten erklärte – das war notwendig, da der Lehrer (an einem Gymnasium) sich nie mit Erläuterungen aufhielt. Der Versuch, sich dem Mitschüler so verständlich zu machen, dass auch bei ihm „der Groschen fällt“, klärt eigene Unsicherheiten. Am Ende ist der „lehrende Schüler“ sich seines Wissens umso sicherer.
Heute meint man mit „Lernen durch Lehren“, wenn Schüler für ihre Klasse ein neues Thema vorbereiten, präsentieren und erklären. Das kann so weit gehen, dass die Schüler eine ganze Unterrichts(doppel)stunde selbständig gestalten.
Für meine Kinder finde ich diese Alternativen zum oft öden Frontalunterricht sehr positiv. Wir haben mit selbstorganisiertem Lernen gute Erfahrungen gemacht – zum Dogma sollte es aber selbstverständlich nicht erhoben werden.
Sehr geehrter Herr Tacke,
Sie haben recht! Man kann "Lernen durch Lehren" und die anderen von mir angesprochenen didaktischen Modelle nicht verurteilen; sie haben ihre Berechtigung. Aber sie dürfen nicht als Paradigmenwechsel der Pädagogik angepriesen und von der Bildungsverwaltung den Lehrkräften vorgeschrieben werden, wie dies im Moment bei der Einführung der Gemeinschaftschule in BW geschieht.
Zieht man ein erstes, vorsichtiges Résumé, kann man sicher eines schon sagen: John Hattie ist es zu verdanken, dass der Blick auf schulisches Lernen in Deutschland wieder ein wenig mehr von Realismus und Praxiserfahrung geleitet werden kann. Man darf gespannt sein, wie die Erziehungswissenschaft, die Bildungspolitiker und die Kultusbürokratien mit diesen Erkenntnissen umgehen werden. In jedem Fall können sich die vielen guten Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen aller Schularten, die häufig genug erfolgreich arbeiten, durch die Ergebnisse der Studie bestätigt fühlen und bekommen dadurch den Rücken frei, sich unabhängig von ideologisch geprägten Vorgaben, sinnvoll und reflektiert ihrer täglichen Arbeit zu widmen. Lernen geschieht im Klassenzimmer in einer direkten menschlichen Begegnung zwischen Lehrer und Schülern – das ist es, was durch John Hattie wieder neu in den Blick kam. Dafür sei ihm gedankt!
... meint, dass Schüler für sich selbst auch lernen,
wenn sie einem Mitschüler z. B. das gerade eben Verstandene erklären.
Das habe ich selbst als Schüler so erfahren, als ich meinem Sitznachbarn die Lösung einer Mathematikaufgabe mit eigenen Worten erklärte – das war notwendig, da der Lehrer (an einem Gymnasium) sich nie mit Erläuterungen aufhielt. Der Versuch, sich dem Mitschüler so verständlich zu machen, dass auch bei ihm „der Groschen fällt“, klärt eigene Unsicherheiten. Am Ende ist der „lehrende Schüler“ sich seines Wissens umso sicherer.
Heute meint man mit „Lernen durch Lehren“, wenn Schüler für ihre Klasse ein neues Thema vorbereiten, präsentieren und erklären. Das kann so weit gehen, dass die Schüler eine ganze Unterrichts(doppel)stunde selbständig gestalten.
Für meine Kinder finde ich diese Alternativen zum oft öden Frontalunterricht sehr positiv. Wir haben mit selbstorganisiertem Lernen gute Erfahrungen gemacht – zum Dogma sollte es aber selbstverständlich nicht erhoben werden.
Sehr geehrter Herr Tacke,
Sie haben recht! Man kann "Lernen durch Lehren" und die anderen von mir angesprochenen didaktischen Modelle nicht verurteilen; sie haben ihre Berechtigung. Aber sie dürfen nicht als Paradigmenwechsel der Pädagogik angepriesen und von der Bildungsverwaltung den Lehrkräften vorgeschrieben werden, wie dies im Moment bei der Einführung der Gemeinschaftschule in BW geschieht.
Zieht man ein erstes, vorsichtiges Résumé, kann man sicher eines schon sagen: John Hattie ist es zu verdanken, dass der Blick auf schulisches Lernen in Deutschland wieder ein wenig mehr von Realismus und Praxiserfahrung geleitet werden kann. Man darf gespannt sein, wie die Erziehungswissenschaft, die Bildungspolitiker und die Kultusbürokratien mit diesen Erkenntnissen umgehen werden. In jedem Fall können sich die vielen guten Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen aller Schularten, die häufig genug erfolgreich arbeiten, durch die Ergebnisse der Studie bestätigt fühlen und bekommen dadurch den Rücken frei, sich unabhängig von ideologisch geprägten Vorgaben, sinnvoll und reflektiert ihrer täglichen Arbeit zu widmen. Lernen geschieht im Klassenzimmer in einer direkten menschlichen Begegnung zwischen Lehrer und Schülern – das ist es, was durch John Hattie wieder neu in den Blick kam. Dafür sei ihm gedankt!
Sehr geehrter Herr Korinek,
danke für ihre klärende Entgegnung! Von einer Zwangsverordnung einer bestimmten Methode, die Lehrer zu benutzen haben, halte ich ebenso wenig wie Sie.
Ich als derzeitiger Abiturient hatte schon immer die Meinung, dass guter Unterricht großteilig von den Lehrern abhängig ist. Ein Lehrer der 1. die Schüler nicht im Griff hat oder oder 2. auch keine Ahnung hat was er wie unterrichten soll ist fehl am Platz. Das schlimme in BaWü derweil ist ja (mindestens meienr subjektiven Meinung nach), das Leute nach dem Motto "Wer ncihts wird, wird Lehrer" Schulpädagogik studieren. Meiner Meinung nach, fahren die Grünen das Schulsystem in BaWü an die Wand. Und die im Kultusministeium wurden als sie in der Schule waren häftigst gemobbt und wollen uns ein Weltbild des Nihilismuses und der Gewalt einreden...
Was mich an dieser Studie auch noch interessieren würde ist, in wieweit der Lernwille der Schüler doe Lernleistung der Klasse beeinflusst?
„die Grünen fahren das Schulsystem in BaWü an die Wand. Die netten Leute im Kultusministeium (sic!) wurden als sie in der Schule waren häftigs (sic!) gemobbt und wollen uns ein Weltbild des Nihilismuses und der Gewalt einreden, wenn man sich die Lektüren mal ansieht.“
Haben Sie eigentlich irgendwelche Belege bezüglich der persönlichen Geschichte der Mitarbeiter des Kultusministeriums? Oder ist das einfach nur mal so eine Unterstellung die sich schön dahin schreiben lässt, weil sie ins eigene einfache Weltbild passt?
Die Studien von Hattie sprechen übrigens gerade GEGEN einen kurzfristigen Einfluss der Politik, aber vielleich war Ihnen der Artikel einfach zu lang?
Den ersten zwei Sätzen des Kommentars kann man in jedem (!) Fall zustimmen. Und dem Tenor nach dem dritten Satz ebenso.
Aber, was haben die Grünen in BaWü hier zu suchen? Die sind erst seit einem (1!) verantwortlich für die Schulpolitik BaWü's :). Der unmotivierte Gedankensprung zum Kultusministerium und seinen Mitarbeitern ist vollkommen sinnlos. Was will uns "SchrödingersKater" sagen?
Einzig interessant scheint die Frage nach dem Lernwillen der Lerngruppe. Aber, da hoffe ich, dass solche (meistens sozial korrelierten) Einflüsse in einer Metastudie keinen Einfluss auf das Ergebnis haben!?
Fazit: Liebe Redaktion, nicht nur die ersten vier Worte eines Kommmentars lesen, wenn ihr eine Empfehlung aussprechen wollt!
Danke, Nick Knatterton
„die Grünen fahren das Schulsystem in BaWü an die Wand. Die netten Leute im Kultusministeium (sic!) wurden als sie in der Schule waren häftigs (sic!) gemobbt und wollen uns ein Weltbild des Nihilismuses und der Gewalt einreden, wenn man sich die Lektüren mal ansieht.“
Haben Sie eigentlich irgendwelche Belege bezüglich der persönlichen Geschichte der Mitarbeiter des Kultusministeriums? Oder ist das einfach nur mal so eine Unterstellung die sich schön dahin schreiben lässt, weil sie ins eigene einfache Weltbild passt?
Die Studien von Hattie sprechen übrigens gerade GEGEN einen kurzfristigen Einfluss der Politik, aber vielleich war Ihnen der Artikel einfach zu lang?
Den ersten zwei Sätzen des Kommentars kann man in jedem (!) Fall zustimmen. Und dem Tenor nach dem dritten Satz ebenso.
Aber, was haben die Grünen in BaWü hier zu suchen? Die sind erst seit einem (1!) verantwortlich für die Schulpolitik BaWü's :). Der unmotivierte Gedankensprung zum Kultusministerium und seinen Mitarbeitern ist vollkommen sinnlos. Was will uns "SchrödingersKater" sagen?
Einzig interessant scheint die Frage nach dem Lernwillen der Lerngruppe. Aber, da hoffe ich, dass solche (meistens sozial korrelierten) Einflüsse in einer Metastudie keinen Einfluss auf das Ergebnis haben!?
Fazit: Liebe Redaktion, nicht nur die ersten vier Worte eines Kommmentars lesen, wenn ihr eine Empfehlung aussprechen wollt!
Danke, Nick Knatterton
Doppelost. Die Redaktion/se
In meiner Tätigkeit als Seminarausbilder für Physikreferendare bin ich vor etwa 2 ½ Jahren auf Hattie und seine weiteren Mitstreiter gestoßen. Seit dieser Zeit bemühe ich mich, die Erkenntnisse der Studien zu verstehen und umzusetzen.
Zunächst muss man noch einmal deutlich die empirischen geprägten Metastudien, die Hattie zusammengefasst hat von anderen empirischen Studien abgrenzen. In der Regel werden hier hypothesentestende Studien mit Kontroll- und Experimentiergruppen herangezogen. D.h. man ändert tatsächlich, wie in harten Wissenschaften, nur einen Parameter und untersucht, wie sich die Änderung auf einen Parameter, z.B. die Leistung auswirkt. Die Zusammenfassung mehrerer solcher Studien macht die Erkenntnisse dann fehlerfreier aber auch abstrakter. Dennoch ist dies möglich und hat auch schon in der Referendarsausbildung erste Erfolge gebracht. Dabei können bereits kleine Schritte viel bewirken. Der Geschickte Einsatz von einfachen kooperativen Arbeitsformen bewirkte z.B. bei den Schülern von einem meiner Physikreferendaren einen deutlichen Lernschub.
Hattie fragt allerdings nicht „Was ist guter Unterricht?“ sondern stellt in seinem Buch Visible Learning allgemein dar, welche Intervention wie gut funktioniert. Damit verfolgt der den sog. „What work’s best?“-Ansatz. Dabei hat er nicht den Anspruch alle Methoden und alle Interventionen die bereits auf dem pädagogischen Markt gehandelt werden aufzuführen!
hassen, oder sollte ich sagen - zu verachten - gelernt hat.
hassen, oder sollte ich sagen - zu verachten - gelernt hat.
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