Die emotionale Seite des Lernens
Der Umstand, dass 30 Jahre Schulreform in Deutschland an vielen Klassenzimmern spurlos vorbeigegangen ist, scheint dafür der beste Beleg. Genau hinschauen sollten auch die Lehrerverbände. Gute Pädagogen sind wichtig. Das haben sie schon immer gesagt. Die logische Schlussfolgerung haben sie uns allerdings immer verschwiegen: dass es auch schlechte Vertreter ihres Metiers gibt. Die man mit allen Mitteln dazu bringen sollte, besser zu werden – oder ihren Job zu wechseln. Die bewusste Ignoranz, Qualitätsunterschiede zwischen Lehrern anzuerkennen, nennt Hattie eine »Verschwörung des Schweigens«.
Noch hat der Streit um John Hatties Werk Deutschland nicht erreicht. Das wird sich ändern. Demnächst erscheint Visible Learning auf Deutsch, in einer Übersetzung des Oldenburger Schulforschers Klaus Zierer. Dabei lassen sich die Befunde des Neuseeländers nicht eins zu eins auf die deutsche Schulwirklichkeit übertragen. Die von ihm aggregierten Metaanalysen stammen aus der englischsprachigen Forschung, die wiederum die angelsächsischen Bildungssysteme zum Gegenstand hat. Wenn Hattie Schulferien als »lernschädlich« klassifiziert, bezieht er sich auf die mehrmonatigen Ferienzeiten in den USA oder Australien. Hierzulande dürfte der Effekt weit niedriger sein.
Klaus Zierer warnt denn auch vor einem »Fast-Food-Hattie«. Man dürfe sich nicht allein auf den numerischen Wirkungsfaktor verlassen, sondern sollte sich jeden von Hattie geprüften Einflussfaktor aufs Lernen genau anschauen. Hausaufgaben etwa bringen in der Grundschule wenig, in höheren Klassen dagegen fördern sie den Lernerfolg durchaus. In Hatties Ranking liegt die durchschnittliche Effektstärke für »homework« irgendwo in der Mitte.
Auch der offene Unterricht kann durchaus ertragreich sein – wenn die Schüler dem eigenständigen Lernen gewachsen sind und die Lehrer es gründlich vorbereiten und über seinen Verlauf penibel wachen. Dass beides jedoch anscheinend selten zutrifft, darauf verweisen Hatties Forschungsergebnisse. Und selbstverständlich verfolgt die Schule noch andere Ziele, als die Schüler zu intellektuellen Höchstleistungen zu bringen. Kreativität oder Demokratiefähigkeit, der Sinn für Ästhetik und fürs Soziale tauchen in Hatties Listen als Lernziele nicht auf. Ihn interessieren »achievements«, messbare kognitive Fachleistungen. Sie aber sind nun einmal das Kerngeschäft von Schule.
Hatties Befunde können die schulpolitische Debatte in Deutschland verändern. »Niemand, der über Schule redet, darf sie ignorieren«, sagt Andreas Helmke. Wir müssen nicht »unser Bildungssystem grundlegend umdenken«, wie es die Initiative »Schule im Aufbruch« fordert. Systemfragen sollte man nach Hattie am besten gar nicht mehr stellen. Der Neuseeländer rückt den Lehrer wieder dorthin, wo sein Platz sein sollte: ins Zentrum allen Redens über Schule. Er ist der Hauptverantwortliche dafür, was Schüler lernen. Er entscheidet darüber, ob Schule besser wird. »Die Schulen sollen endlich einmal in Ruhe arbeiten«, lautet eine nach Jahren hektischer Schulreformen populäre Forderung. Sie richtet sich an unsere Bildungspolitiker. Für unsere Lehrer gilt sie jedoch genauso.
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
Mehr erfahren Sie auf der Website von Hatties privatem Institut, der deutschsprachigen Seite zur Hattie-Studie mit Vorträgen, Filmen und Interviews oder im Heft der hessischen Lehrerbildung.





Nehmen wir die Ergebnisse der Studie ernst, so müssen wir alle Abstand nehmen von den Diskussionen über Schularten, Schulstrukturen und uns alle wieder konzentrieren auf das, was Lehren und Lernen ausmacht – die Situation im Klassenzimmer.
Lernen geschieht in einer direkten Interaktion zwischen Kindern und Jugendlichen und einem Lehrer, der seine Klasse im Griff und jeden Einzelnen stets im Blick hat. Er ist nicht Lernbegleiter, sondern ein Mensch, der etwas weiß und kann und von seinen Schüler in fachlicher und menschlicher Weise respektiert und gemocht wird. Welche Methoden er dann im Unterricht anwendet, ergibt sich aus der konkreten Unterrichtssituation und nicht aus Dogmen über angeblich allein zielführende didaktische Modelle. Dies mögen sich alle Vertreter der Schulverwaltung in ihr Merkheft schreiben, die jetzt Konzepte wie das „Kooperatives Lernen“, selbstorganisiertes Lernen“, „Lernen durch Lehren“ etc. als Non-Plus-Ultra pädagogischen Handelns von allen Lehrern einfordern möchten.
als ein Ort zum Lernen! Kinder verbringen hier ein Drittel ihres Tages, die wesentlichen Jahre ihrer Entwicklung; werden belehrt, interagieren mit anderen, essen, spielen, entwickeln sich und lernen. "Es ist Zeit, unser Verständnis von Schule, Lernen und Lehren zu überdenken und unsere Schulen von Grund auf umzugestalten: hin zu einer Lernkultur der Potenzialentfaltung." http://www.schule-im-aufb...
Wenn es um das Lernen des Einmal-Eins, Lesen, Gedichte aufsagen und die Maxwellschen Gleichungen geht, mag es so sein, wie Hattie postuliert, aber Schule ist ein wesentlicher Ort der Entwicklung von Menschen, und hier sind bestimmte Rahmenbedingungen hilfreicher als andere. Wollen wir freie, selbstbestimmte, -bewußte und denkende Menschen erziehen oder Menschen, die abrufbares Wissen optimal gespeichert haben? Noch gilt allzuoft Senecas bedauernder Ausruf, auch wenn dessen Negation in den letzten 2000 Jahren immer häufiger behauptet wurde. Aber bereiten wir Kinder wirklich auf's Leben vor, wenn wir ihnen lediglich Wissen möglichst optimal vermitteln?
Aber richtig ist natürlich, daß mehr motiviertere und didaktisch und sozial fähige Lehrer benötigt werden, die ihre Schüler lieben, verstehen, als ganze Menschen mit jeweiligen Stärken und Schwächen begreifen, in der Lage sind mit ihnen und deren Eltern auf Augenhöhe zu kommunizieren und sw...
Weshalb gibt es hier eine REDAKTIONSEMPFEHLUNG?
In dem Beitrag von Mausbach gibt es NICHTS, das bedenkenwert wäre, allerdings einen Seminarausbilder, der sich hier äußert und ...... zunächst:
Bli Bla Blu (oder Bliu). Diesen Textteil finde ich o.k. - Credentials usw. Dann: eine Kategorisierung und Erklärung (Lehrerlehrer!*).
Ab "dennoch" wird es aber absurd: Was ist "dennoch" möglich und weshalb wäre es wünschenswert? In "bester" pädagogischer Tradition gibt Mausbach hier einen anekdotischen Heilserfolg zum Besten. Empirie? Gerne gelobt, aber tatsächlich - so scheint es - weit überschätzt!
Der letzte Absatz ist in der vorliegenden Form vollkommen überflüssig, weil ohne potentiellen Erkenntnisgewinn. (Es sei denn Online-Redaktion und Mausbach haben einen exklusiven Informationsaustausch auf den Mausbach sich hier bezieht!).
Ich arbeite als (Physik-)Lehrer (und Mausbachs Kommentar** zum Artikel hätte ich nicht gut bewertet (s.o.)) aber Hatties Ergebnisse schätze ich, so wie er. (Nur würde ich sie vermutlich anders anwenden :) ).
Knatterton
* immer noch ohne Erkenntnisgewinn
** ich schätze:durchgefaöllen
als ein Ort zum Lernen! Kinder verbringen hier ein Drittel ihres Tages, die wesentlichen Jahre ihrer Entwicklung; werden belehrt, interagieren mit anderen, essen, spielen, entwickeln sich und lernen. "Es ist Zeit, unser Verständnis von Schule, Lernen und Lehren zu überdenken und unsere Schulen von Grund auf umzugestalten: hin zu einer Lernkultur der Potenzialentfaltung." http://www.schule-im-aufb...
Wenn es um das Lernen des Einmal-Eins, Lesen, Gedichte aufsagen und die Maxwellschen Gleichungen geht, mag es so sein, wie Hattie postuliert, aber Schule ist ein wesentlicher Ort der Entwicklung von Menschen, und hier sind bestimmte Rahmenbedingungen hilfreicher als andere. Wollen wir freie, selbstbestimmte, -bewußte und denkende Menschen erziehen oder Menschen, die abrufbares Wissen optimal gespeichert haben? Noch gilt allzuoft Senecas bedauernder Ausruf, auch wenn dessen Negation in den letzten 2000 Jahren immer häufiger behauptet wurde. Aber bereiten wir Kinder wirklich auf's Leben vor, wenn wir ihnen lediglich Wissen möglichst optimal vermitteln?
Aber richtig ist natürlich, daß mehr motiviertere und didaktisch und sozial fähige Lehrer benötigt werden, die ihre Schüler lieben, verstehen, als ganze Menschen mit jeweiligen Stärken und Schwächen begreifen, in der Lage sind mit ihnen und deren Eltern auf Augenhöhe zu kommunizieren und sw...
Weshalb gibt es hier eine REDAKTIONSEMPFEHLUNG?
In dem Beitrag von Mausbach gibt es NICHTS, das bedenkenwert wäre, allerdings einen Seminarausbilder, der sich hier äußert und ...... zunächst:
Bli Bla Blu (oder Bliu). Diesen Textteil finde ich o.k. - Credentials usw. Dann: eine Kategorisierung und Erklärung (Lehrerlehrer!*).
Ab "dennoch" wird es aber absurd: Was ist "dennoch" möglich und weshalb wäre es wünschenswert? In "bester" pädagogischer Tradition gibt Mausbach hier einen anekdotischen Heilserfolg zum Besten. Empirie? Gerne gelobt, aber tatsächlich - so scheint es - weit überschätzt!
Der letzte Absatz ist in der vorliegenden Form vollkommen überflüssig, weil ohne potentiellen Erkenntnisgewinn. (Es sei denn Online-Redaktion und Mausbach haben einen exklusiven Informationsaustausch auf den Mausbach sich hier bezieht!).
Ich arbeite als (Physik-)Lehrer (und Mausbachs Kommentar** zum Artikel hätte ich nicht gut bewertet (s.o.)) aber Hatties Ergebnisse schätze ich, so wie er. (Nur würde ich sie vermutlich anders anwenden :) ).
Knatterton
* immer noch ohne Erkenntnisgewinn
** ich schätze:durchgefaöllen
Danke für diesen ausführlichen Artikel, der an noch prominenterer Stelle erscheinen sollte. Jeder Mensch, der im weitesten Sinne mit Entscheidungen in unserem Bildungssystem zu tun hat, sollte ihn lesen - wenn ich sehe, wie einige Leute in den letzten Jahren viele Teile unseres Systems verschlimmbessert haben, ganze Schulformen abgeschafft haben, nur um irgendwelche Reformen vorweisen zu können, wird einem ganz anders.
Ich hoffe, dass diese Meinung sich durchsetzt und das allgegenwärtige Methoden-Gerede endlich durch einen praktischen und sinnvollen Diskurs ersetzt wird. Eigentlich scheinen die Problempunkte ja viel einfacher, als viele glauben. Also danke und bitte verbreiten!
wird (große) methodische Mängel und andere Bedingungen wie in D feststellen, damit die eigene Ideologie nicht gefährdet wird.
>ganze Schulformen abgeschafft haben, nur um irgendwelche Reformen vorweisen zu können
Haben Sie sich einmal auch nur annähernd mit der Schulwirklichkeit befasst? Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems ist im Europamaßstab und darüber hinaus erstens schon lange überfällig und zweitens hatten Absolventen der Haupt- bzw. zunehmend der Realschulen langsam keine Schnitte mehr am Arbeitsmarkt.
Es ist also weit mehr als nur ein Reformungetüm. Aber so sind wir Deutschen: verbohrt (und) konservativ.
wird (große) methodische Mängel und andere Bedingungen wie in D feststellen, damit die eigene Ideologie nicht gefährdet wird.
>ganze Schulformen abgeschafft haben, nur um irgendwelche Reformen vorweisen zu können
Haben Sie sich einmal auch nur annähernd mit der Schulwirklichkeit befasst? Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems ist im Europamaßstab und darüber hinaus erstens schon lange überfällig und zweitens hatten Absolventen der Haupt- bzw. zunehmend der Realschulen langsam keine Schnitte mehr am Arbeitsmarkt.
Es ist also weit mehr als nur ein Reformungetüm. Aber so sind wir Deutschen: verbohrt (und) konservativ.
Ich fühle mich auch als Nicht-Pädagoge bestätigt, da mich die Fixierung auf Rahmenstrukturen besorgte und mir Beziehung zwischen den Beteiligten als bedeutsamerer Faktor erschien.
Bei der Interpretation der Ergebnisse von Herrn Hattie wäre ich dennoch vorsichtig, wenn wirklich nur "Lernoutput" gemessen wurde - habe die Bücher noch nicht gelesen. Bildung ist mehr als Fachwissen. Professionelle Intelligenz mehr als IQ.
Und was speziell "Lernen durch Lehren" (LdL) angeht, verstehe ich die Kritik aus dem ersten Kommentar nicht. Ganz vorne mit dabei sind bei Hattie:lehrergeleiteter Unterricht (bei LdL ist der Lehrer DER Regisseur, der über seine Akteure wacht), Lehrerfeedback (ist bei LdL ein Grundelement), problemlösender Unterricht (nicht zwingend Bestandteil, aber gut verknüpfbar), vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrkraft und Schüler (ohne das funktioniert LdL nicht). Auch LdL ist nicht DIE Methode, die gibt es nicht. Die offenbar ablehnende Pauschalkritik kann ich dennoch nicht nachvollziehen.
Sehr geehrter Herr Tacke,
Sie haben recht! Man kann "Lernen durch Lehren" und die anderen von mir angesprochenen didaktischen Modelle nicht verurteilen; sie haben ihre Berechtigung. Aber sie dürfen nicht als Paradigmenwechsel der Pädagogik angepriesen und von der Bildungsverwaltung den Lehrkräften vorgeschrieben werden, wie dies im Moment bei der Einführung der Gemeinschaftschule in BW geschieht.
Zieht man ein erstes, vorsichtiges Résumé, kann man sicher eines schon sagen: John Hattie ist es zu verdanken, dass der Blick auf schulisches Lernen in Deutschland wieder ein wenig mehr von Realismus und Praxiserfahrung geleitet werden kann. Man darf gespannt sein, wie die Erziehungswissenschaft, die Bildungspolitiker und die Kultusbürokratien mit diesen Erkenntnissen umgehen werden. In jedem Fall können sich die vielen guten Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen aller Schularten, die häufig genug erfolgreich arbeiten, durch die Ergebnisse der Studie bestätigt fühlen und bekommen dadurch den Rücken frei, sich unabhängig von ideologisch geprägten Vorgaben, sinnvoll und reflektiert ihrer täglichen Arbeit zu widmen. Lernen geschieht im Klassenzimmer in einer direkten menschlichen Begegnung zwischen Lehrer und Schülern – das ist es, was durch John Hattie wieder neu in den Blick kam. Dafür sei ihm gedankt!
... meint, dass Schüler für sich selbst auch lernen,
wenn sie einem Mitschüler z. B. das gerade eben Verstandene erklären.
Das habe ich selbst als Schüler so erfahren, als ich meinem Sitznachbarn die Lösung einer Mathematikaufgabe mit eigenen Worten erklärte – das war notwendig, da der Lehrer (an einem Gymnasium) sich nie mit Erläuterungen aufhielt. Der Versuch, sich dem Mitschüler so verständlich zu machen, dass auch bei ihm „der Groschen fällt“, klärt eigene Unsicherheiten. Am Ende ist der „lehrende Schüler“ sich seines Wissens umso sicherer.
Heute meint man mit „Lernen durch Lehren“, wenn Schüler für ihre Klasse ein neues Thema vorbereiten, präsentieren und erklären. Das kann so weit gehen, dass die Schüler eine ganze Unterrichts(doppel)stunde selbständig gestalten.
Für meine Kinder finde ich diese Alternativen zum oft öden Frontalunterricht sehr positiv. Wir haben mit selbstorganisiertem Lernen gute Erfahrungen gemacht – zum Dogma sollte es aber selbstverständlich nicht erhoben werden.
Sehr geehrter Herr Tacke,
Sie haben recht! Man kann "Lernen durch Lehren" und die anderen von mir angesprochenen didaktischen Modelle nicht verurteilen; sie haben ihre Berechtigung. Aber sie dürfen nicht als Paradigmenwechsel der Pädagogik angepriesen und von der Bildungsverwaltung den Lehrkräften vorgeschrieben werden, wie dies im Moment bei der Einführung der Gemeinschaftschule in BW geschieht.
Zieht man ein erstes, vorsichtiges Résumé, kann man sicher eines schon sagen: John Hattie ist es zu verdanken, dass der Blick auf schulisches Lernen in Deutschland wieder ein wenig mehr von Realismus und Praxiserfahrung geleitet werden kann. Man darf gespannt sein, wie die Erziehungswissenschaft, die Bildungspolitiker und die Kultusbürokratien mit diesen Erkenntnissen umgehen werden. In jedem Fall können sich die vielen guten Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen aller Schularten, die häufig genug erfolgreich arbeiten, durch die Ergebnisse der Studie bestätigt fühlen und bekommen dadurch den Rücken frei, sich unabhängig von ideologisch geprägten Vorgaben, sinnvoll und reflektiert ihrer täglichen Arbeit zu widmen. Lernen geschieht im Klassenzimmer in einer direkten menschlichen Begegnung zwischen Lehrer und Schülern – das ist es, was durch John Hattie wieder neu in den Blick kam. Dafür sei ihm gedankt!
... meint, dass Schüler für sich selbst auch lernen,
wenn sie einem Mitschüler z. B. das gerade eben Verstandene erklären.
Das habe ich selbst als Schüler so erfahren, als ich meinem Sitznachbarn die Lösung einer Mathematikaufgabe mit eigenen Worten erklärte – das war notwendig, da der Lehrer (an einem Gymnasium) sich nie mit Erläuterungen aufhielt. Der Versuch, sich dem Mitschüler so verständlich zu machen, dass auch bei ihm „der Groschen fällt“, klärt eigene Unsicherheiten. Am Ende ist der „lehrende Schüler“ sich seines Wissens umso sicherer.
Heute meint man mit „Lernen durch Lehren“, wenn Schüler für ihre Klasse ein neues Thema vorbereiten, präsentieren und erklären. Das kann so weit gehen, dass die Schüler eine ganze Unterrichts(doppel)stunde selbständig gestalten.
Für meine Kinder finde ich diese Alternativen zum oft öden Frontalunterricht sehr positiv. Wir haben mit selbstorganisiertem Lernen gute Erfahrungen gemacht – zum Dogma sollte es aber selbstverständlich nicht erhoben werden.
Sehr geehrter Herr Tacke,
Sie haben recht! Man kann "Lernen durch Lehren" und die anderen von mir angesprochenen didaktischen Modelle nicht verurteilen; sie haben ihre Berechtigung. Aber sie dürfen nicht als Paradigmenwechsel der Pädagogik angepriesen und von der Bildungsverwaltung den Lehrkräften vorgeschrieben werden, wie dies im Moment bei der Einführung der Gemeinschaftschule in BW geschieht.
Zieht man ein erstes, vorsichtiges Résumé, kann man sicher eines schon sagen: John Hattie ist es zu verdanken, dass der Blick auf schulisches Lernen in Deutschland wieder ein wenig mehr von Realismus und Praxiserfahrung geleitet werden kann. Man darf gespannt sein, wie die Erziehungswissenschaft, die Bildungspolitiker und die Kultusbürokratien mit diesen Erkenntnissen umgehen werden. In jedem Fall können sich die vielen guten Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen aller Schularten, die häufig genug erfolgreich arbeiten, durch die Ergebnisse der Studie bestätigt fühlen und bekommen dadurch den Rücken frei, sich unabhängig von ideologisch geprägten Vorgaben, sinnvoll und reflektiert ihrer täglichen Arbeit zu widmen. Lernen geschieht im Klassenzimmer in einer direkten menschlichen Begegnung zwischen Lehrer und Schülern – das ist es, was durch John Hattie wieder neu in den Blick kam. Dafür sei ihm gedankt!
Sehr geehrter Herr Korinek,
danke für ihre klärende Entgegnung! Von einer Zwangsverordnung einer bestimmten Methode, die Lehrer zu benutzen haben, halte ich ebenso wenig wie Sie.
Ich als derzeitiger Abiturient hatte schon immer die Meinung, dass guter Unterricht großteilig von den Lehrern abhängig ist. Ein Lehrer der 1. die Schüler nicht im Griff hat oder oder 2. auch keine Ahnung hat was er wie unterrichten soll ist fehl am Platz. Das schlimme in BaWü derweil ist ja (mindestens meienr subjektiven Meinung nach), das Leute nach dem Motto "Wer ncihts wird, wird Lehrer" Schulpädagogik studieren. Meiner Meinung nach, fahren die Grünen das Schulsystem in BaWü an die Wand. Und die im Kultusministeium wurden als sie in der Schule waren häftigst gemobbt und wollen uns ein Weltbild des Nihilismuses und der Gewalt einreden...
Was mich an dieser Studie auch noch interessieren würde ist, in wieweit der Lernwille der Schüler doe Lernleistung der Klasse beeinflusst?
„die Grünen fahren das Schulsystem in BaWü an die Wand. Die netten Leute im Kultusministeium (sic!) wurden als sie in der Schule waren häftigs (sic!) gemobbt und wollen uns ein Weltbild des Nihilismuses und der Gewalt einreden, wenn man sich die Lektüren mal ansieht.“
Haben Sie eigentlich irgendwelche Belege bezüglich der persönlichen Geschichte der Mitarbeiter des Kultusministeriums? Oder ist das einfach nur mal so eine Unterstellung die sich schön dahin schreiben lässt, weil sie ins eigene einfache Weltbild passt?
Die Studien von Hattie sprechen übrigens gerade GEGEN einen kurzfristigen Einfluss der Politik, aber vielleich war Ihnen der Artikel einfach zu lang?
Den ersten zwei Sätzen des Kommentars kann man in jedem (!) Fall zustimmen. Und dem Tenor nach dem dritten Satz ebenso.
Aber, was haben die Grünen in BaWü hier zu suchen? Die sind erst seit einem (1!) verantwortlich für die Schulpolitik BaWü's :). Der unmotivierte Gedankensprung zum Kultusministerium und seinen Mitarbeitern ist vollkommen sinnlos. Was will uns "SchrödingersKater" sagen?
Einzig interessant scheint die Frage nach dem Lernwillen der Lerngruppe. Aber, da hoffe ich, dass solche (meistens sozial korrelierten) Einflüsse in einer Metastudie keinen Einfluss auf das Ergebnis haben!?
Fazit: Liebe Redaktion, nicht nur die ersten vier Worte eines Kommmentars lesen, wenn ihr eine Empfehlung aussprechen wollt!
Danke, Nick Knatterton
„die Grünen fahren das Schulsystem in BaWü an die Wand. Die netten Leute im Kultusministeium (sic!) wurden als sie in der Schule waren häftigs (sic!) gemobbt und wollen uns ein Weltbild des Nihilismuses und der Gewalt einreden, wenn man sich die Lektüren mal ansieht.“
Haben Sie eigentlich irgendwelche Belege bezüglich der persönlichen Geschichte der Mitarbeiter des Kultusministeriums? Oder ist das einfach nur mal so eine Unterstellung die sich schön dahin schreiben lässt, weil sie ins eigene einfache Weltbild passt?
Die Studien von Hattie sprechen übrigens gerade GEGEN einen kurzfristigen Einfluss der Politik, aber vielleich war Ihnen der Artikel einfach zu lang?
Den ersten zwei Sätzen des Kommentars kann man in jedem (!) Fall zustimmen. Und dem Tenor nach dem dritten Satz ebenso.
Aber, was haben die Grünen in BaWü hier zu suchen? Die sind erst seit einem (1!) verantwortlich für die Schulpolitik BaWü's :). Der unmotivierte Gedankensprung zum Kultusministerium und seinen Mitarbeitern ist vollkommen sinnlos. Was will uns "SchrödingersKater" sagen?
Einzig interessant scheint die Frage nach dem Lernwillen der Lerngruppe. Aber, da hoffe ich, dass solche (meistens sozial korrelierten) Einflüsse in einer Metastudie keinen Einfluss auf das Ergebnis haben!?
Fazit: Liebe Redaktion, nicht nur die ersten vier Worte eines Kommmentars lesen, wenn ihr eine Empfehlung aussprechen wollt!
Danke, Nick Knatterton
Doppelost. Die Redaktion/se
In meiner Tätigkeit als Seminarausbilder für Physikreferendare bin ich vor etwa 2 ½ Jahren auf Hattie und seine weiteren Mitstreiter gestoßen. Seit dieser Zeit bemühe ich mich, die Erkenntnisse der Studien zu verstehen und umzusetzen.
Zunächst muss man noch einmal deutlich die empirischen geprägten Metastudien, die Hattie zusammengefasst hat von anderen empirischen Studien abgrenzen. In der Regel werden hier hypothesentestende Studien mit Kontroll- und Experimentiergruppen herangezogen. D.h. man ändert tatsächlich, wie in harten Wissenschaften, nur einen Parameter und untersucht, wie sich die Änderung auf einen Parameter, z.B. die Leistung auswirkt. Die Zusammenfassung mehrerer solcher Studien macht die Erkenntnisse dann fehlerfreier aber auch abstrakter. Dennoch ist dies möglich und hat auch schon in der Referendarsausbildung erste Erfolge gebracht. Dabei können bereits kleine Schritte viel bewirken. Der Geschickte Einsatz von einfachen kooperativen Arbeitsformen bewirkte z.B. bei den Schülern von einem meiner Physikreferendaren einen deutlichen Lernschub.
Hattie fragt allerdings nicht „Was ist guter Unterricht?“ sondern stellt in seinem Buch Visible Learning allgemein dar, welche Intervention wie gut funktioniert. Damit verfolgt der den sog. „What work’s best?“-Ansatz. Dabei hat er nicht den Anspruch alle Methoden und alle Interventionen die bereits auf dem pädagogischen Markt gehandelt werden aufzuführen!
hassen, oder sollte ich sagen - zu verachten - gelernt hat.
hassen, oder sollte ich sagen - zu verachten - gelernt hat.
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