Schweiz 2013: Jahr der Wahrheit
Es war ein schwieriges Jahr für die Schweiz, außen- wie innenpolitisch. 2013 aber wird für 13 Exponentinnen und Exponenten alles besser werden. Oder fast alles. Eine grundsätzlich optimistische Jahresvorschau
Eveline Widmer-Schlumpf
Wenn es denn eine Frau gibt, die die schwindende Selbstbestimmung der Schweiz verkörpert, dann ist es die Bündnerin aus Felsberg, die Ende 2007 die nationale Bühne durch den Hintereingang betrat. In Einzelhaft genommen von Banken, Parlament und Volk, versucht sie, einen gangbaren Weg zu finden zwischen Schweizer Fiktion und globaler Realität. Als Finanzministerin erfährt sie Letztere aber so brutal wie keine ihrer Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat. Sie muss ausbaden, was die Banken und die Finanzmärkte angerichtet haben. Mit dem Scheitern der Steuervertrages mit Deutschland ist einer ihrer Auswege verschüttgegangen. Und bald wird der frühere Bündnispartner Luxemburg den USA wohl automatisch Bankkundendaten liefern. Als sie darauf mögliche Konsequenzen für die Schweiz andeutete, wurde sie zusammengestaucht. 2013 werden wir eine entspanntere Widmer-Schlumpf erleben. Weil die Realität Gewissheit werden wird.
Peer Teuwsen
Ernesto Bertarelli
Mit 40 hatte er alles. Eine milliardenschwere Biotechfirma, eine bildhübsche Frau, drei reizende Kinder – und er durfte sich als zweifacher Sieger der Segelregatta America’s Cup rühmen. Aber dann hatte Ernesto Bertarelli genug. Er überwarf sich mit den Konkurrenten seiner Alinghi, verkaufte seine Firma Serono an einen deutschen Pharmariesen und zog sich ins mondäne Gstaad zurück.
Bis seine ehemalige Firma den Standort Genf dichtmachte. Bertarelli, der ewige fils à papa, ist nun Philanthrop. 2013 will er gemeinsam mit einem anderen Schweizer Milliardär, dem Synthes-Gründer Hansjörg Wyss, auf dem ehemaligen Merck-Serono-Areal in Genf für mehrere Hundert Millionen Franken ein riesiges Innovations- und Forschungszentrum aufbauen. Mit an Bord sind auch die ETH Lausanne und die Uni Genf. Fragt sich nur, wann Ernesto Bertarelli an diesem neuen Spielzeug die Lust verliert.
Matthias Daum
Tim Guldimann
Unser Mann in Berlin ist der Schweizer Botschafter, auf den 2013 die meiste Arbeit wartet. Obwohl man sich eine Steigerung seines Arbeitspensums fast nicht vorstellen kann, war doch schon 2012 kein Zuckerschlecken für Guldimann. Er musste in die wichtigste Talkshow des deutschen Fernsehens, um das Steuerabkommen der Schweiz mit Deutschland zu verteidigen. Er musste nach Stuttgart, um die Regierung von Baden-Württemberg in letzter Minute zu überzeugen, im Bundesrat doch noch Ja zu sagen. Er soll auch noch den an sich schon ausgehandelten Staatsvertrag für den Flughafen Zürich retten. Guldimann erfährt am eigenen Leibe, was deutsche Parteienpolitik bedeutet.
Der Mann, dem man im Außendepartement so viel Freiheiten lässt wie keinem andern, muss im deutschen Wahljahr 2013 beweisen, dass Diplomatie eine Zukunftsbranche ist. Zu beneiden ist er nicht.
Peer Teuwsen
Thomas Minder
Aus! Fertig! Am Abend des 3. März 2013 wird ein Mann aufschnaufen. Nicht laut, sondern im Stillen, wenn die Kamerascheinwerfer einmal nicht auf ihn gerichtet sind. Endlich, wird er denken, ist die Schlacht geschlagen. Seine Schlacht. Die Schlacht des Kleinunternehmers Thomas Minder aus Neuhausen am Rheinfall gegen die Schweizer Wirtschaftselite. Sechseinhalb Jahre nachdem Minder seine Volksinitiative »gegen die Abzockerei« eingereicht hat, kommt sie zur Abstimmung. Aber was dann? Endlich Ruhe vor Minder, hoffen seine Gegner. Endlich Zeit für Neues, denkt wohl Minder selbst. Doch was ist der Streit um Schweizer Zutaten in Schweizer Guetzli, was ist das Gekeife um Bundeshaus-Badges für Lobbyisten, was ist die Forderung nach einer einheitlichen Notfallnummer 112 im Vergleich mit den Kampf gegen Ospel, Vasella & Co.?
2013 kann sich Thomas Minder endlich wieder um sein Mundwasser kümmern.
Matthias Daum





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