Schweizer DiplomatinnenSo bekommt man nicht die Besten

Das Auswahlverfahren für Schweizer Diplomatinnen ist veraltet. Das kann sich das Land nicht länger leisten.

Nur einmal im Leben darf eine Schweizerin sich als Diplomatin ihres Landes bewerben. Nur einmal darf sie den sogenannten Concours diplomatique bestreiten. Was es dazu braucht? Nicht viel. Sie muss das Schweizer Bürgerrecht besitzen, drei Sprachen beherrschen, davon müssen zwei eine Landessprache sein, sie muss einen Lizenziats- oder Masterabschluss vorweisen, darf nicht vorbestraft und höchstens 35 Jahre alt sein.

Wir, drei junge Frauen, wagten im letzten Jahr den Versuch, Schweizer Diplomatinnen zu werden – und scheiterten. »Pech gehabt«, dachten wir. Bis wir die Resultate vernahmen: Unter den 22 zugelassenen Kandidaten sind nur 4 Frauen. Gerade mal 3,5 Prozent der 110 Bewerberinnen sollen das Zeug zur Diplomatin haben, während die Prüfer unter den männlichen Bewerbern mehr als 10 Prozent für geeignet hielten. Wir waren schockiert.

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Nun würde es alter Schweizer Sitte entsprechen, solche Resultate hinzunehmen und zu hoffen, der nächste Jahrgang möge ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern hervorbringen. Doch wir wollen nicht warten! Wir glauben nämlich weder daran, dass unter allen Bewerbern nur vier fähige Frauen waren, noch, dass das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit diesem Concours diplomatique wirklich die Besten der Besten rekrutiert.

Also hakten wir beim EDA in Bern nach und kommen nun zum Schluss: Die Schweiz hat einen besseren Zulassungswettbewerb als diesen Concours diplomatique verdient. Als Kleinstaat, der außenpolitisch unter Dauerdruck steht, können wir uns diesen Concours nicht mehr länger leisten. Eine Reform ist dringend notwendig. Auch im Interesse von uns Frauen.

Die Autorinnen

Dr. Suzanne Marti
32, forscht mit einem Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds als Postdoc in Altnordischer Philologie an der Universität Kopenhagen.

Gisela Schluep
33, ist Fachreferentin Asyl und Rückkehr beim Bundesamt für Migration. Sie war Delegierte für das IKRK in Kirgisistan, der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo.

Sandra Tettamanti
33, ist stellvertretende IKRK- Programmkoordinatorin in Manila. Sie war als IKRK-Delegierte in Pakistan, Irak und der Demokratischen Republik Kongo.

Exzellente Kommunikationsfähigkeit, Interesse und Flair für Politik, Sprachkompetenz, Teamfähigkeit, Spontaneität, Sympathie und Humor. Und ja: Krisenresistenz. All dies sollte ein Diplomat in sich vereinen. So sagte es der Präsident der Zulassungskommission, Dominik Furgler, in einem Zeitungsinterview. Allerdings wird in der ersten Runde des Concours keines dieser Kriterien geprüft. Mehr noch: Der Lebenslauf der Kandidierenden interessiert das EDA in der ersten Selektionsrunde nicht. Das bestätigte man uns von offizieller Seite. Es ist also egal, ob jemand bereits seit Jahren für das IKRK im Feld arbeitet – oder frisch von der Universität kommt. Es ist also egal, ob jemand Chinesisch oder Arabisch spricht – oder lediglich Deutsch, Französisch und Englisch. Es ist also egal, ob ein künftiger Diplomat bereits in Lima, New York und Shanghai, bei internationalen Organisationen, NGOs oder multinationalen Firmen seine Krisenresistenz bewiesen – oder sein ganzes bisheriges Berufsleben in der heilen Schweiz verbracht hat. Stattdessen müssen die Kandidierenden wissen: »Was ist ein Œil de Perdrix?« (Ein lachsfarbener Rosé aus der Romandie.) Oder sie werden gefragt: »Wo befindet sich Dimitris Theaterschule?« (In Verscio.) Und in einem kurzen Aufsatz muss man ein außenpolitisches Problem der Schweiz erläutern.

Wer versagt, ist raus. Ein solches Auswahlverfahren ist unprofessionell und nicht mehr zeitgemäß.

Leser-Kommentare
  1. Auch in der Schweiz sind Diplomaten als erstes Lohnempfänger und haben daher das zu tun, was die Regierung und der Staat will. Das muss durchaus dem Staat nicht so zuträglich sein, aber der Staat will es so!
    So hatten die Diplomaten wohl die Aufgabe, die Schweizer Banken in ihrem handeln zu loben und zu ehren, ... bis die USA dann selber reinen Tisch machte.
    Wenn es da tatsächlich dazu gehört, eine Flasche einheimischen Rotwein auf "ex" zu trinken, und dann auch noch entsprechend Schnaps-verträglich zu sein, dann sei dem halt so.
    In den eher traditionell orientierten Ländern dürften Frauen wohl tatsächlich eher als der Service des Mannes betrachtet werden, der da gerade auftritt, und sei es auch nur gerade der Taxifahrer.
    Bleiben noch die skandinavischen Länder, die aber wohl aktuell eher als "Ruhepause" zwischen der Arbeit in Mali und Nigeria dienen.
    Was soll man engagierten und intellligenten Frauen raten? Gehen Sie dorthin, wo Sie erwünscht sind und erwartet werden, nicht woanders hin!
    Wo das ist, dürfte Ihre Intelligenz Ihnen schon sagen!

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