PersonenrätselLebensgeschichte

von Frauke Döhring

Es gibt ein Foto von ihm, darauf sieht man ihn kraftstrotzend, pausbäckig, lachend. Und neben ihm lächelt jener Zeit- und Weggenosse in die Kamera, der das Theater über alles liebte. Fast etwas verhuscht wirkt der Kollege, aber das liegt am Größenunterschied, hier Riese, da Zwerg, beide in Feierlaune, dabei waren die Umstände gar nicht danach. Doch gerade deshalb brennt sich das Foto ins Gedächtnis – weil man eben weiß, wo und wann es entstand.

Vielleicht wollten die zwei auch nur demonstrieren, dass sie dem Grauen entkommen waren. Er zumindest schien die Schokoladenseiten des Lebens ja quasi gepachtet zu haben: als neuntes Kind eines wohlhabenden Bäckers, ausgestattet mit einer Statur, die sein großes Selbstbewusstsein spiegelte. Schon als 17-Jähriger verteilte er Visitenkarten mit der Berufsbezeichnung "Schriftsteller", obwohl er noch kein Wort veröffentlicht hatte. Aber den Mangel machte er wett mit Chuzpe und Cleverness. Und diese Eigenschaften nützten auch, als ihm – wie allen seiner Generation – ein erbärmlicher Tod drohte: Monatelang spielte er den Dorfdeppen, bis man ihm seinen Blödsinn glaubte und in die Freiheit entließ.

Anzeige

In den Folgejahren brachte das Schreiben nicht viel ein, stattdessen sicherten gelegentliche Jobs den Lebensunterhalt, bald auch für Frau und Töchterchen. Richtig froh war er zu dieser Zeit wohl nicht; doch dann trat jene kluge Schönheit in sein Leben, die zur großen Liebe und seine zweite Ehefrau wird. Mit ihrem Gehalt als Korrespondentin ermöglicht sie ihm selbstlos das Schreiben. Nun endlich kommt der Erfolg, Lyrik, Prosa, Aphorismen, jedes literarische Format liegt ihm. Sein Rezept? Humor. Viel Psychologie. Und dass er nur über das schreibt, was er ganz genau kennt: "Man muss das Gewöhnliche, das Alltägliche nehmen, sonst wird alles verlogen."

Mit den Zeiten werden seine Bücher ernster, vor allem die Romane. Im Leben aber mimt er weiterhin den verspielten, oft polternden Hofnarren. Noch im Rentenalter kleidet er sich bevorzugt in seine geliebten kurzen, derben Hosen und provoziert damit die feinen Leute, nah und fern. Wer war’s?

Lösung aus Nr. Nr. 1:

"Ich kann nur Englisch und Körper", behauptete Mae West (1893 bis 1980). Sie schrieb Stücke wie "Sex" und "Drag". Erst mit 40 Jahren kam sie nach Hollywood, ihre Filme basieren auf ihren Shows, wurden stark zensiert

Zur Startseite
 
  • Schlagworte Film | Theater | Aphorismus | Gedächtnis | Gehalt | Generation
Service