Peer SteinbrückVerliebt in die eigenen Fehler

Hat er es verdient, Kanzler zu werden? Steinbrück fehlt es an Professionalität. von 

Was ist eigentlich los mit Peer Steinbrück? Er hat in den ersten zwölf Wochen seiner Kanzlerkandidatur absurd viele Fehler gemacht, etwa einen pro Woche. Manche dieser Fehler macht er so oft, dass man den Eindruck gewinnen kann, er sei in sie verliebt. Am meisten liebt Steinbrück die Fehler, die irgendwie mit Geld zu tun haben. Sein neuester: In einem Interview mit der FAS sagte er, die amtierende Kanzlerin (und der kommende Kanzler) verdiene zu wenig. Kann sein, kann nicht sein. Jedenfalls ist Peer Steinbrück aufgrund seiner Vorgeschichte als hoch bezahlter Redner nicht der Mann, der sich dazu jetzt äußern sollte. Warum macht er es trotzdem? Man kann sagen: aus Sturheit. Oder: aus Gewohnheit.

So wie Steinbrück auch dann mit jenen hoch bezahlten Vorträgen weitermachte, als er schon Mitglied der Troika, mithin Bewerber für das Amt des Bundeskanzlers war. Als er also wusste, dass ihn diese Honorare im Wahlkampf in ein schiefes Licht rücken und – im Falle seiner Wahl – in allerlei Interessenkonflikte bringen dürften.

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So wie Steinbrück nichts dabei fand, nach den ganzen Debatten um seine einträglichen Verbindungen zu Banken und Versicherungen einen Mann als Onlineberater zu holen, der für einen Hedgefonds gearbeitet hatte.

So wie Steinbrück noch drei Tage vor dem SPD-Parteitag, der ihn als Kanzlerkandidaten zu feiern hatte, einen Vortrag bei einer Schweizer Bank halten wollte. Er hat es dann einzig deshalb unterlassen, weil der Bank die Steuerfahndung ins Haus stand, was wiederum bei einer Schweizer Bank wenig überraschend ist.

Konservativ geschätzt, hat Steinbrück den Fehler mit dem Geld bislang viermal gemacht. Und man fragt sich langsam, wie oft er ihn noch wiederholen will. Und vor allem: warum?

Die Frage stellt sich auch deshalb, weil es sich bei der jüngsten Wiederholung seines Lieblingsfehlers um ein Zeitungsinterview handelte, das autorisiert wird, wie die meisten Interviews mit Politikern. Das heißt, Steinbrück und seine Mitarbeiter lesen das Interview noch einmal, korrigieren es gegebenenfalls und genehmigen erst dann den Abdruck. Der Fehler kann also kein Versehen gewesen sein, eher schon war Absicht im Spiel.

Offenbar drängt es Steinbrück, immer wieder zu sagen, dass es keine Schande sein kann, viel Geld zu verdienen, und dass es im Umkehrschluss eine Schande ist, wenn ein Bundeskanzler zu wenig verdient. Aufschlussreich ist da ein anderes Zitat aus dem Interview in der FAS. Auf die Frage, ob nicht eher in der Wirtschaft zu viel als in der Politik zu wenig verdient werde, antwortet Steinbrück: »In der Wirtschaft werden Managergehälter in der Regel privatrechtlich ausgehandelt. Da hat die Politik nichts zu suchen.«

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