SAC und andere Hedgefonds bedienen sich auch sogenannter Expertennetzwerke. Die beschaffen beispielsweise Daten zum Einkaufsvolumen von Unternehmen. Solche Informationen sind durchaus auch legal erhältlich, Analysten können damit frühzeitig abschätzen, wie gut oder schlecht es einem Unternehmen geht. Mit diesem Wissen können sie dann auf steigende oder fallende Aktienkurse spekulieren. SAC gilt als unschlagbar, sich solche Tipps und Daten zu verschaffen. Die Mitarbeiter des Hedgefonds seien wahre Info-Junkies, lästern Rivalen.

Doch von Anfang an gab es Gerüchte. Cohens Fonds hat immensen Einfluss, ist einer der besten Kunden der Banken. Über die Jahre zahlte er Hunderte Millionen Dollar Gebühren für Dienstleistungen und Kreditlinien. Denkbar, dass sich mancher Banker mit einem exklusiven Tipp revanchierte.

Vor Jahren behaupteten Manager der Pharmafirma Biovail und des kanadischen Versicherers Fairfax, Cohen stecke hinter einer Kampagne, um den Ruf des Unternehmens bei Analysten schlechtzumachen und von Kurseinbrüchen zu profitieren. Cohen wehrte sich vor Gericht erfolgreich dagegen. Cohens Exfrau Patricia warf ihm in einer Klage vor, bei der Scheidung Millionen vor ihr versteckt zu haben. Sie behauptete darin auch, Cohen habe ihr gegenüber eingeräumt, aufgrund eines unzulässigen Insidertipps gehandelt zu haben. Der Richter erklärte, die Vorwürfe lägen zu weit zurück und seien nicht belegbar. Doch inzwischen sind sieben ehemalige und aktuelle SAC-Mitarbeiter von Insiderhandelsermittlungen betroffen, zwei wurden im Dezember verurteilt.

Das ist das Werk von Preet Bharara. Der oberste Strafverfolger des New Yorker Finanzbezirks führt seit drei Jahren einen Feldzug gegen Insiderhandel. Seine Behörde hat seither 75 Personen in diesem Zusammenhang angeklagt, 71 davon wurden verurteilt oder haben sich schuldig bekannt. Dabei ist Insiderhandel so alt wie die Wall Street selbst. Letztlich basiert jede Transaktion darauf, dass ein Handelspartner glaubt, besser als andere beurteilen zu können, wie sich eine Aktie oder Anleihe entwickeln wird.

2009 trug der Hedgefonds-Manager rund 1,9 Milliarden Dollar nach Hause

Da ist es verführerisch, sich die besten Informationen auch von verbotenen Quellen zu beschaffen. Das können Anwälte sein, die an vertraulichen Fusionsverhandlungen teilnehmen und einem Kumpel einen Tipp geben. Oder Vertriebsangestellte, die interne Umsatzzahlen an alte Studienfreunde weiterreichen. »If you’re not inside then you’re outside«, fasst es Gordon Gekko zusammen, der fiktive Spekulant im Hollywoodreißer Wall Street. Doch selten war die Belohnung für die richtige Information so groß wie heute. Der angeklagte SAC-Mitarbeiter Martoma erhielt im Alter vor 34 Jahren einen Bonus von 9,4 Millionen Dollar. Sein Chef Cohen trug allein im Jahr 2009 rund 1,9 Milliarden Dollar nach Hause.

Gut möglich, dass die Zeiten für den Magier jetzt härter werden. Ernst wurde es für ihn und SAC schon mal vor zwei Jahren, als Bharara und seine Fahnder den Hedgefonds Galleon aushoben. Dessen Gründer Raj Rajaratnam wurde zu elf Jahren Haft verurteilt, im Zuge der Ermittlungen flogen mehrere ehemalige und aktive SAC-Mitarbeiter auf. Schließlich führte die Spur zu Martoma. Dem Biomediziner drohen bei einer Verurteilung bis zu 20 Jahre Gefängnis. Ein gutes Druckmittel, schätzt John Coffee, Finanzprofessor an der New Yorker Columbia University: »Er hat die Wahl, lange Zeit hinter Gitter zu wandern oder mit den Behörden zusammenzuarbeiten und glimpflicher davonzukommen. Für die meisten Menschen ist die Entscheidung klar.«

Bei einem seiner raren Interviews deutete Cohen vor zwei Jahren in der Vanity Fair an, er denke übers Aufhören nach. »Ich habe schließlich alles erreicht«, sagte er damals. Doch vielleicht hat das größte Spiel seines Lebens gerade erst begonnen.

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