Gleich dutzendweise wirbeln Tornados dieser Tage durch den Süden der USA, Großbritannien ist durch Dauerregen geflutet, in Sibirien erfrieren bei minus 50 Grad Celsius die Menschen, und in München sitzen die Menschen zu Weihnachten bei 20 Grad im Straßencafé. Es scheint, als würde sich mit einigen Tagen Verspätung die Maya-Weissagung vom Weltuntergang doch noch erfüllen – in einer Variante, in der sich München als mediterrane Arche anbietet.

Weniger esoterisch orientierte Zeitgenossen mögen in der Häufung der Extremereignisse endgültig den Beweis für eine galoppierende Klimaveränderung sehen. Es mag etwas dran sein – und doch lässt sich das Mantra der Klimaforscher nicht oft genug wiederholen: Zunächst handelt es sich lediglich um Wetterkapriolen, zufällige Ausreißer im chaotischen Wettergeschehen. Nicht das aktuelle Zusammentreffen der Phänomene ist besonders. Vielmehr erzählt jedes Ereignis für sich eine Geschichte, die mal mehr und mal weniger zur Klimaerwärmung passt.

Der Süden der USA ist Tornadoland, deshalb ist die Anhäufung von Twisters dort normal. Einen Trend zu wesentlich häufigeren starken Tornados gibt es nicht. Warme Weihnachten in Bayern und Starkregen im Vereinigten Königreich passen hingegen eher ins Bild. Genau dies hatte der internationale Klimarat IPCC vorausgesagt: Kalte Winter werden in Europa in Zukunft seltener sein, die Temperatur wird steigen, und im Gefolge regnet es heftiger.

In Großbritannien zirkuliert zusätzlich die These, dass möglicherweise der stete Windstrom, der in großer Höhe über den Atlantik in Richtung Insel bläst, durch die Klimaerwärmung häufiger nach Norden ausbricht. Die Folge: kalte Luftmassen und garstiges Wetter im Königreich.

Die klirrende Kälte im Osten wiederum könnte eine Folge des klimatisch bedingten Rückgangs des Eises in der arktischen Barentssee sein. In Simulationen wurde schon gezeigt, dass diese Schmelze – wenigstens vorübergehend – sehr niedrige Temperaturen auf dem Festland nach sich ziehen kann. Auf lange Sicht sollte es dann in Sibirien wieder wärmer werden.

Für Aussagen über die Klimaentwicklung sind langfristige Trends maßgeblich. Auch in dieser Hinsicht ergibt sich ein widersprüchliches Bild. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren sind in Deutschland besonders die Winter wärmer geworden, vor allem im Süden. In Großbritannien hingegen hat die Niederschlagsmenge im Dezember in den vergangenen 100 Jahren eher abgenommen.

Wieder zeigt sich, dass selbst Ballungen von Extremwetterereignissen wenig über den Klimawandel aussagen – auch wenn Details passen. Wir sind Teil eines Klimaexperiments, das seine Resultate nur rückblickend preisgibt. Das ist kein Argument für Fatalismus. Weil sich zu optimistische Annahmen über den Ausgang dieses Experiments fatal auswirken können, lohnt sich das Gegensteuern auch ohne letzte Gewissheit.