KrimiZEIT-BestenlisteDie zehn besten Krimis im Januar 2013

Jeden ersten Donnerstag im Monat geben Literaturkritiker und Krimispezialisten die Romane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. von Tobias Gohlis

1 (3) Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben
Knaur, 206 S., 8,99 €

München. Nachdem der Kellnerin Ilka Senner angeboten wurde, die Kneipe zu übernehmen, in der sie jahrelang gearbeitet hatte, verschwand sie fast spurlos. Tabor Süden soll sie wiederfinden. Er hat es nicht weit, und schon stöbert er in ungelebten Leben, verschluckter Gewalt, logischem Irresein. Ani in großer Form.

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2 (-) Mike Nicol: Killer Country
Aus dem Englischen von Mechthild Barth; btb, 512 S., 14,99 €

Kapstadt. Band 2 der "Rache-Trilogie". Mace und Pylon, ehemals Waffenhändler des ANC, jetzt Nobel-Security, wollen in Frieden ihr Erspartes investieren. Doch Ex-Politiker Ocho und Anwältin February spielen nicht ehrlich. An dickes Geld kommt man nur durch Mord. 20 Jahre Demokratie haben daran nichts geändert.

3 (4) Don Winslow: Kings of Cool
Aus dem Englischen von Conny Lösch; Suhrkamp, 356 S., 19,95 €

Laguna Beach/Baja California. Ben, Chon und O vor Zeit des Zorns. Revierkriege zwischen mexikanischen Fraktionen stören Frieden und Gewinne der lässigen Hydro-Dope-Farmer. "Leck mich am Arsch", an allem sind die Eltern schuld. Winslow betört durch verfeinerte Technik und fixe Pointen.

Das Beste vom Besten

An jedem ersten Donnerstag des Monats wählen 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die zehn Kriminalromane, die ihnen am besten gefallen haben. Sie halten nach dem literarisch interessanten, thematisch ausgefallenen, besonderen Kriminalroman Ausschau. Die KrimiZeit-Bestenliste entsteht in Kooperation von DIE ZEIT und NordwestRadio. Die Jury besteht aus 18 Spezialisten für Kriminalliteratur, die aus der laufenden Produktion jeweils 4 Titel vorschlagen, die sie mit 7,5,3 oder 1 Punkt bewerten. Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der Stimmen multipliziert, die auf ihn entfallen sind. Daraus wird die monatliche Liste berechnet. Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für den selben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten. Die Titel dürfen nicht älter als 12 Monate sein und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht. Im Schnitt kommen 5 Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury

Tobias Gohlis, Kolumnist DIE ZEIT, Sprecher der Jury,
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt",
Andreas Ammer, "Druckfrisch", Dlf, BR,
Gunter Blank, "Sonntagszeitung",
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher"
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung",
Michaela Grom, SWR,
Hannes Hintermeier, "Frankfurter Allgemeine Zeitung",
Lore Kleinert, Radio Bremen,
Elmar Krekeler, "Die Welt",
Kolja Mensing, DRadioKultur,
Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR,
Jan Christian Schmidt, "Kaliber 38",
Margarete v. Schwarzkopf, Literaturkritikerin,
Ingeborg Sperl, "Der Standard",
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau",
Jochen Vogt, NRZ, WAZ,
Hendrik Werner, "Weser-Kurier",
Thomas Wörtche, "Penser Pulp bei Diaphanes", "culturmag", DradioKultur

Die Jury der KrimiZEIT-Bestenliste erreichen Sie über
Krimibestenliste@zeit.de.

4 (6) Merle Kröger: Grenzfall
Argument/Ariadne 352 S., 11,00 €

Mecklenburg-Vorpommern/Rumänien, 1992–2012. Wie Wildschweine erschossen beim Grenzwechsel: Marius und Nicu. Die Jäger freigesprochen. Marius’ Tochter Adriana kehrt zurück, um sie zu stellen. Kluge Kriminalerzählung zum Dokumentarfilm Revision. Empathisch scharfer Blick in europäische Angstzustände.

5 (2) Robert Littell: Philby. Porträt des Spions als junger Mann.
A. d. Engl. von Werner Löcher-Lawrence; Arche, 288 S., 19,95 €

Europa 1938–1963. Voll Hintersinn ruft Littell die Zeugen des größten Spionagefalls im 20. Jahrhundert auf: Kim Philby und vier andere Cambridge-Boys waren Sowjetagenten. Und verwandelt, als Autor, der alle Spionagewitze kennt, die alte Geschichte mit leichter Hand in eine neue. Bravourös.

6 (10) Roger Smith: Stiller Tod
A. d. Engl. von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann Tropen, 382 S., 19,95 €

Kapstadt. Am Reichen-Strand ertrinkt Sunny, dieweil Vater Exley kifft, Mutter Exley vögelt und Wachmann Vernon glotzt. Roger Smith packt wieder den Hammer aus. In den Cape Flats regieren Armut, Gewalt und Kindesmissbrauch. Die Weißen kommen davon. Und Vernon verliert sein Spiel.

7 (-) Åsa Larsson: Denn die Gier wird euch verderben
Aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs, C. Bertelsmann, 384 S., 19,99 €

Kiruna. Frans Usitaalos Hand wird im Magen eines Bären gefunden, seine Tochter ist mit zig Messerstichen ermordet worden, und sein Enkel wird beinahe erstickt. Rebecka Martinsson und Anna-Maria Mella ermitteln Familien- und Regionalgeschichte: Die Minenstadt Kiruna als Moloch, der Geld spuckt, wenn man ihm Kinder opfert.

8 (-) Reginald Hill: Rache verjährt nicht
A. d. Engl. von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann ,Suhrkamp, 686 S., 19,95 €

London/Cumbria. Kinderschänder oder Hedgefondsmanager – welche Anklage wirkt schwerer? Wolf Hadda, nach Fluchtversuch zum Monster verkrüppelt, geht für beides in den Knast. Nach sechs Jahren wieder frei, sinnt er auf Rache. Posthumes Wunderwerk englischer Erzählkunst. Hill ist 2012 verstorben.

9 (9) Petros Markaris: Zahltag
Aus dem Griechischen von Michaela Prinzinger; Diogenes, 518 S., 22,90 €

Athen. Trilogie der Krise, Band 2: Die Armen bringen sich um, die Bourgeois hinterziehen Steuern, der Staat jault. Ein Erpresser wird Volksheld. Als "nationaler Steuereintreiber" zwingt er die Reichen zu Nachzahlungen. Und straft mit Schierling, Pfeil und Bogen. Böse, komisch, traurig: Pflichtlektüre in finsteren Zeiten.

10 (5) Carl Nixon:Rocking Horse Road
Aus dem Englischen von Stefan Weidle, Weidle, 240 S., 19,90 €

Christchurch, Neuseeland. Weihnachten 1980 wird Lucy Ashers Leiche an den Strand gespült. Und alles wird anders. Durch die Gewalt, den Mord. Eine Gruppe von Jungen verfällt der großen Suche nach dem Täter. Und der romantischen Liebe. Der stärkste Kriminalroman aus dem Gastland der Buchmesse.

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Leserkommentare
    • RlUh
    • 03. Januar 2013 11:59 Uhr

    Findet Ihr es nett, Eure Leser in den Lauf einer Schusswaffe blicken zu lassen?

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    Ich bin eine leidenschaftliche Leserin von Kriminalromanen. Mir eröffnet sich allerdings nicht, nach welchen Kriterien diese "Besten-Liste" entsteht. Von den angeführten Romanen habe ich keinen einzigen gelesen, obwohl ich im Schnitt zwei Bücher pro Monat lese, wobei davon ca. 70 Prozent Kriminalromane sind. Warum hat die Zeit zum Beispiel den Roman "Fluch der Vernunft" von Klaus Unterrieder nicht einmal rezensiert? Es handelt sich dabei m.E. um eine der beachtenswertesten Neuerscheinungen vom Herbst 2012. Ein durchkomponierter Kriminalroman, der Spannung, literarisches Niveau und einen bemekenswerten Umgang mit der Sprache in sich vereint.

  1. Ich bin eine leidenschaftliche Leserin von Kriminalromanen. Mir eröffnet sich allerdings nicht, nach welchen Kriterien diese "Besten-Liste" entsteht. Von den angeführten Romanen habe ich keinen einzigen gelesen, obwohl ich im Schnitt zwei Bücher pro Monat lese, wobei davon ca. 70 Prozent Kriminalromane sind. Warum hat die Zeit zum Beispiel den Roman "Fluch der Vernunft" von Klaus Unterrieder nicht einmal rezensiert? Es handelt sich dabei m.E. um eine der beachtenswertesten Neuerscheinungen vom Herbst 2012. Ein durchkomponierter Kriminalroman, der Spannung, literarisches Niveau und einen bemekenswerten Umgang mit der Sprache in sich vereint.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "@ Zeit Online"
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    Warum nehmen Sie diese Liste nicht als Anregung für ihre zukünftige Lektüre? Wenn Sie im Schnitt 2 Bücher im Monat lesen, sind das 24 im Jahr. Pro Jahr gibt es zwischen 80.000 und 90.000 Neuerscheinungen, von denen so einige Krimis sind. Das heißt, die Menge, die Sie lesen, ist leider mitnichten repräsentativ. Und es bringt wenig, sich jetzt darüber zu beklagen, dass die Zeit ausgerechnet DEN tollen Kriminalroman, den Sie nun aus den Tausenden rausgefischt haben, nicht rezensiert hat.

  2. Warum nehmen Sie diese Liste nicht als Anregung für ihre zukünftige Lektüre? Wenn Sie im Schnitt 2 Bücher im Monat lesen, sind das 24 im Jahr. Pro Jahr gibt es zwischen 80.000 und 90.000 Neuerscheinungen, von denen so einige Krimis sind. Das heißt, die Menge, die Sie lesen, ist leider mitnichten repräsentativ. Und es bringt wenig, sich jetzt darüber zu beklagen, dass die Zeit ausgerechnet DEN tollen Kriminalroman, den Sie nun aus den Tausenden rausgefischt haben, nicht rezensiert hat.

  3. Als ehrenamtliche Mirarbeiterin in einer Stadtbücherei weiß ich, wie unterschiedlich die Geschmäcker und Urteile der Leser ausfallen können. Also bringt es wenig, zu fragen warum nicht gerade der oder der Krimi es auf die Liste geschafft hat (darüber diskutieren kann man immer).

    Mir gefällt an der Zeitliste besonders, dass sie nicht mainstream ist, dass Bücher genannt werden, die gesellschaftliche Zustände und Tendenzen wiederspiegeln und verarbeiten und nicht nur auf Spannung und Zersteuung hin geschrieben sind, dass viele Bücher sehr gut geschrieben sind, ungewöhnlich und gar nicht konventionell, wie ich in einem anderen Kommentar gelesen habe von jemandem, der gar kein Krimileser ist (!).
    Auch ich bin nicht von jedem Buch auf den Listen begeistert, warte aber jeden Monat gespannt auf ihr Erscheinen und habe schon manches Buch sehr gerne gelesen, zu dem ich ohne die Listen nicht gegriffen hätte.
    Nebenbei: welcher Krimifreund erschreckt sich bereits vor dem Bild einer Waffenmündung?

  4. Zwei Fragen hätte ich:
    - Was ist denn der Unterschied zwischen "literarischem Niveau" und "bemerkenswertem Umgang mit der Sprache"? und
    - Wie sind Sie auf das immerhin relativ teure Buch aus einem sehr kleinen Verlag gestoßen, dessen Chancen, rezensiert zu werden, denn ja doch recht bescheiden sind (womöglich sehr bedauerlich - ich kenne das Buch, den Verlag und den Autor nicht, obwohl ich mich schon recht gezielt auf dem Krimimarkt umsehe)?

    Ansonsten bei der Gelegenheit ein dickes Lob an die Macher der Bestenliste: Ich nehme sie immer wieder als Anregung. Reinfallen kann man mit seinen persönlichen Vorlieben trotzdem, aber das ist schon eine sehr erfreuliche Orientierungshilfe - bitten weiter so!

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    • gohlis
    • 30. Januar 2013 12:03 Uhr

    Ich nehme an, Sie beziehen sich auf Nixons "Rocking Horse Road":
    1. achten wir als Jury immer sorgfältig auf die Produktion kleinerer Verlage und auch auf Bücher, die nicht von vornherein erkennbar als "Krimi" gelabelt sind.
    2. Auf Carl Nixon sind wir gestoßen, weil Neuseeland Gast der Buchmesse in Frankfurt war.
    Der Resen war lesen. Und: vielen Dank für die ermunternden Worte! Wir freuen uns über jeden, der die Entdeckungsreise mitmacht.

    • gohlis
    • 30. Januar 2013 12:03 Uhr

    Ich nehme an, Sie beziehen sich auf Nixons "Rocking Horse Road":
    1. achten wir als Jury immer sorgfältig auf die Produktion kleinerer Verlage und auch auf Bücher, die nicht von vornherein erkennbar als "Krimi" gelabelt sind.
    2. Auf Carl Nixon sind wir gestoßen, weil Neuseeland Gast der Buchmesse in Frankfurt war.
    Der Resen war lesen. Und: vielen Dank für die ermunternden Worte! Wir freuen uns über jeden, der die Entdeckungsreise mitmacht.

    Antwort auf "@Petra Trenkwitz"

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